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Phönix-Parade für die Gautinger Kultur

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Ein Phönix ist bereit zum Abheben (v.l.): Michael Feuerstein, Egmont Körner, Judith Gorgass und Alex Breiter vom Zebra-Stelzentheater bereiten Publikum und Vogel vor.
Ein Phönix ist bereit zum Abheben (v.l.): Michael Feuerstein, Egmont Körner, Judith Gorgass und Alex Breiter vom Zebra-Stelzentheater bereiten Publikum und Vogel vor. © Andrea Jaksch

Die Kultur ist im Gautinger Bosco zurück: Das feierten rund 100 Gautinger am Samstag mit dem Zebra-Stelzentheater und einer Phönix-Parade, die die neue Saison eröffneten.

Gauting – Was für ein hoffnungsvoller Auftakt: Bei Kaiserwetter schwang sich auf dem Platz vor dem Gautinger Bosco am Samstagnachmittag ein eindrucksvoller Feuervogel aus der Werkstatt des Gautinger Künstlers und London-Puppet-Players Stefan Fichert mit Flügeln voller Wünsche in die Lüfte. Der sprichwörtliche Phönix, der sich aus der Asche der coronabedingt ausgefallenen Kultur erhebt, ist das neueste Projekt des vor 34 Jahren gegründeten Gautinger Zebra-Stelzentheaters. Etwa 100 begeisterte Zuschauer feierten die Premiere.

Nach harten Zeiten ohne Auftritte eröffnete das Zebra-Stelzentheater von Rolf Kassalicky die Spielzeit im Bosco: „Phönix“, der purpurne majestätische Feuervogel, der sich laut Mythos der Sonne zuwendet und verbrennt, um nach drei Tagen wieder schwerelos aufzuerstehen, ist ein Urbild der Menschheit – und Held der fantastischen Inszenierung, wie Judith Gorgass vom Stelzentheater erzählte. Zu Beginn der Inszenierung stand der Riesenvogel auf Holzstangen ruhig vor dem Bosco. An seinen Flügeln flatterten Wunschzettel, geschrieben vom Publikum. „Umarmung“, stand darauf, „Alles Paletti“ und: „Kultur für Alle“ – für viele ein dringendes Bedürfnis, wie die Corona-Zeit gezeigt hat.

„Die Idee für dieses Projekt wurde bereits in der Lähmung des ersten Lockdowns mit seinen Auftrittsverboten geboren“, berichtete Zebra-Stelzentheater-Gründer Rolf Kassalicky. Corona hatte deutliche Auswirkungen auf sein Theater: Zum ersten Mal nach 34 Jahren fehlte der 16-köpfigen Künstler-Truppe das Geld. Ohne Förderung, mit Hilfe von Stefan Fichert, der die gigantischen Einhörner für die Bregenzer Festspiele schuf, sei es trotzdem gelungen, das Projekt zu realisieren, dankte Kassalicky dem Gautinger Künstler. Im zweiten Anlauf habe er es auch geschafft, aus dem Fonds für darstellende Künste eine Förderung von 5000 Euro je Spieler zu ergattern.

Der Platz vor dem Bosco füllte sich. Zum Sound von Gitarrist „Sandro Looping“ forderte ein Akrobat das versammelte Publikum zum Warm-up mit Flügelschlag auf. Derweil sammelte Judith Gorgass weitere Wunschzettel für das sonnengelb glänzende Federkleid des Phönix ein. „Frieden für alle“, rief jemand aus dem Publikum. „Kultur ist systemrelevant!“, ergänzte der Gautinger Albrecht von Kienlin. Bosco-Managerin Amelie Krause wiederum freute sich über die Symbolik dieses Neuanfangs und die strahlenden Gesichter und formulierte ihren Wunsch für die Zukunft: „Zahlreiches Publikum.“

Atemberaubend wurde es, als Akrobat Alex Breiter auf 1,80 Meter hohen Stelzen in den Kopf des Feuervogels stieg. Seine Kollegen Michael Feuerstein und Egmont Körner stabilisierten die Konstruktion mit den weit ausgebreiteten Wunschflügeln. Langsam setzte sich die Parade mit dem fliegenden Phönix und dem Publikum auf dem leeren Parkplatz in Bewegung – und kehrte unter beeindrucktem Applaus zurück zum Bosco. Schade sei nur gewesen, dass die Gautinger Polizei nicht mitgespielt habe, sagte Kassalicky. Denn ursprünglich habe er die eindrucksvolle Phönix-Parade für die Kultur bis zum Rathaus beantragt. Die Polizei habe dies mit der Begründung abgelehnt, „das sei keine Veranstaltung von Bedeutung“. Kassalicky sieht das anders: „Kultur ist systemrelevant.“ VON CHRISTINE CLESS-WESLE

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