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Zum Grab der „Seherin“ im Mühltal pilgern auch heute Verehrer und hängen farbige Stoffbänder und anderes auf. 
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Der Biergarten des seit langem leer stehenden Gasthauses Obermühlthal wirkt verwunschen.
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Stephan Limmer hat die geschichtliche Reise durch Mühltal in einem Radl- und Wanderführer zusammengefasst.

Radl- und Wanderführer

Zeitreise durchs faszinierende Mühltal

„Heimat ist kein Ort. Heimat ist ein Gefühl“, sagt Stephan Limmer. Der Gautinger hat nach seinem viel beachteten Werk „Mein Dorf an der Würm“ soeben den Radl- und Wanderführer „Mühltal“ publiziert. Unter dem Titel „Geschichte gemeinsam erleben“ erläutert Limmer den Naturraum direkt vor der Gautinger Haustür.

Gauting „Um ein paar Stunden in die Geschichte einzutauchen und die Natur genießen zu können, braucht es nur ein Paar Wanderschuhe oder ein Fahrrad und eine Brotzeit“, ermuntert der begeisterte Radler und hauptberufliche Feuerwehrmann Stephan Limmer zur Nachahmung. Die Gegend rund um das Mühltal und die Würm „ist ein Erlebnis für Groß und Klein“, verspricht Limmer. 15 Stationen, wie das historische Gautinger Mühlradl am Ledersteg „für Ältere, die nicht mehr so gut zu Fuß sind“, beschreibt Limmer, oder die kaum bekannte Karlsburg, wo Jugendliche mittelalterliche Geschichte erleben können. Auf der 16 Kilometer langen Tour des Radl- und Wanderführers, die in Gauting beginnt und endet, beschreibt der Autor auch noch wenig bekannte Orte.

Zum Tour-Auftakt ist ein Schwarz-Weiß-Foto vom längst verschwundenen „Grasser-Gütl“ – dort am Bahnhofsberg steht heute das Sparkassengebäude – abgebildet. An der ehemaligen Hofinger-Villa, bis 2018 Heimat der Gautinger Insel, erinnert Limmer an die erst von Archäologen freigelegten bajuwarischen Gräber mit den Skeletten der Ur- Gautingerin und des Ur-Gautingers. Von der Hangkante des Krapfbergs geht die Tour weiter nach Königswiesen. An Hand eines Kupferstichs von Michael Wenning und einer Landkarte von 1809 erklärt der Autor, dass die Hofmark Königswiesen einst weiter südlich lag – und nach dem Bau der Eisenbahn durch Ulrich Himbsel 1854 verschwand. Von der ehemaligen Hofmark steht heute nur noch die St.Ulrich-Kapelle mit dem spätgotischen Altarraum.

In unmittelbarer Nähe des Kircherls liegt die Gedenk- und Absturzstelle des Starfighter-Piloten Ferdinand Eckert. Dem am 17. April 1968 im Wald von Königswiesen tödlich verunglückten Piloten hatte Limmer mit der Gautinger Jugend-Feuerwehr bereits eine eigene Dokumentation gewidmet (wir berichteten).

Eine Schwarzweiß-Postkarte erinnert an den aufgelösten Ausflugsbahnhof Obermühlthal, wo einst die Königlichen Hoheiten vom nahen Schloss Leutstetten zustiegen. Stephan Limmer führt auch zu den Hügelgräbern aus der Bronze-, Hallstatt- und Laténe-Zeit in Obermühlthal. Noch heute hat die dort bestattete „Sehrerin“ ihre Verehrer, wie an den bunten Stoffstreifen an den Bäumen und Sträuchern abzulesen ist. Im Biergarten des leer stehenden Wirtshauses „Obermühlthal“ kann der Radler oder Wanderer seine Brotzeit auspacken, gibt der Autor einen Tipp.

An Hand alter Lithografien erklärt Limmer die Geschichte von Bad Petersbrunn. „Vor Jahrhunderten entsprang hier aus einer Endmoräne eine Wasserquelle“, ist in dem Führer „Mühltal – Eine Zeitreise“ nachzulesen. Der Diplom-Geographiker Gerhard Ongyerth sowie der Gautinger Gymnasialprofessor Wolfgang Kraemer vermuteten, dass es in Petersbrunn schon zur Römerzeit einen „geordneten Badebetrieb“ gegeben habe. Ergänzend zum Pilgrim-Mahnmal, das bei der Kapelle in Petersbrunn steht, hat Stephan Limmer den erschütternden Todesmarsch-Bericht eines namenlosen Häftlings durchs Würmtal ausgegraben – und abgedruckt.

Über Schloss Leutstetten mit einer nie gesehenen Drohnen-Aufnahme vom Endmoränen-Durchbruch, führt die Tour über die Drei-Bethen-Quelle die Obere Mühle mit Schusterhäusl und die untere Mühle zurück nach Gauting. Der Karlsburg, dem Burgstall und der Reismühle mit der sagenumwobenen „Wiege“ Karls des Großen hat der Gautinger eigene Kapitel gewidmet.

Der Führer „Mühltal“ mit Limmer-Tochter Theresia auf dem Cover animiert zur Entdeckungstour des Würmtals. Rechtzeitig zum Ferienbeginn ist der Band erschienen und für 14,90 Euro erhältlich – auch zum Beispiel bei der Gautinger Buchhandlung Kirchheim.

Von Christine Cless-Wesle

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