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Wie kleine Drohnen große Taten vollbringen

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Von: Michael Stürzer

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Koordination ist wichtig bei den Einsätzen: Vorsitzender Maximilian Martin (l.) und Einsatzleiter Michael Klingsöhr besprechen jeden Schritt mit den Piloten.
Koordination ist wichtig bei den Einsätzen: Vorsitzender Maximilian Martin (l.) und Einsatzleiter Michael Klingsöhr besprechen jeden Schritt mit den Piloten. © ike

Drohnenpiloten übten am Samstag südlich von Buchendorf für Rettungseinsätze. Dahinter steht der neue Verein Rettungsnetzwerk, der die vielen Vorteile der kleinen Fluggeräte bei Notfällen ins Bewusstsein rücken will – bei Vermisstensuchen ebenso wie bei Hochwasser.

Buchendorf – Wie findet man einen Menschen in einem mehrere Hektar großen Feld am schnellsten? Zu Fuß schon mal sicher nicht. Normalerweise suchen Hubschrauberbesatzungen mit Wärmebildkameras aus der Luft, doch sind Helikopter nicht immer verfügbar, die Einsatzzeit ist begrenzt. Eine Alternative sind Drohnen, ferngesteuerte Fluggeräte, die viel mehr können als nur Fotos machen. Der vor wenigen Wochen gegründete Verein Rettungsnetzwerk, ein Zusammenschluss von Drohnenpiloten aus ganz Deutschland, will die Möglichkeiten der Flugmaschinen für Rettungseinsätze aufzeigen und steht mit Piloten für Einsätze bereit, wenn sie von Polizei und Rettungsorganisationen angefordert werden. Bei der ersten großen Übung am Samstag bei Buchendorf bewiesen die Piloten, was mit Drohnen machbar ist.

Als lockeren Zusammenschluss gibt das Netzwerk schon länger, nun ist es ein Verein – und mitten in Übung kam die Nachricht, dass er als gemeinnützig anerkannt ist. Maximilian Martin ist Vorsitzender, seinen Sitz hat der Verein in Unterschleißheim – aktiv ist er überall, und die Mitglieder kommen auch aus ganz Deutschland. Bisher hatten sie sich vor allem der Rehkitzrettung verschrieben, also dem Abfliegen von Feldern vor dem Mähen. Drohnen können aber ebenso Menschen finden, Rettern einen Überblick über Einsatzstellen geben und vieles mehr. Sie können auch nachts eingesetzt werden, sind teilweise mit Scheinwerfern und fast immer Wärmebildkameras ausgerüstet, größere können auch bei Regen fliegen und Durchsagen übertragen.

Drohnen, erklärt Technischer Leiter Michael Klingsöhr aus Neuried, professioneller Drohnenexperte und Ausbilder auch für Feuerwehren und Polizei, seien in bestimmten Situationen flexibler als Hubschrauber – sie können beispielsweise an Flüssen unter Überhänge am Ufer schauen – und können länger im Einsatz sein (die Akkus werden einfach getauscht). Nicht umsonst gibt es bei Feuerwehren und der Polizei immer öfter Drohnen-Einheiten, aber längst nicht bei allen – diese Lücke möchte der Verein schließen.

Start frei für die Suche: Das Drohnenteam des BRK Augsburg-Land wird regelmäßig alarmiert, vor allem zu Personensuchen. Sind mehrere Drohnen im Einsatz, können auch größere Gebiete schnell abgesucht werden. 
Start frei für die Suche: Das Drohnenteam des BRK Augsburg-Land wird regelmäßig alarmiert, vor allem zu Personensuchen. Sind mehrere Drohnen im Einsatz, können auch größere Gebiete schnell abgesucht werden.  © ike

Die Felder südlich von Buchendorf sind Michael Klingsöhrs Übungsgelände. Jugendliche der Gautinger und der Unterbrunner Feuerwehr versteckten sich in den Feldern, bis zu drei Drohnenteams suchten nach ihnen mit Wärmebild- oder hochauflösenden optischen Kameras. In der Regel dauerte es nicht mehr als 15 Minuten, die Jugendlichen zu finden – dann machten sich Helfer auf den Weg zu ihnen. Größere Drohnen bleiben bis zu 45 Minuten in der Luft, die kleineren eine halbe Stunde. Länger können Hubschauber oft auch nicht bleiben, weil sie zum Tanken müssen. Konkurrenz zum Hubschrauber sind die Drohnen nicht: „Wir ergänzen uns gegenseitig“, sagt Klingsöhr. Sind mehrere Drohnen im Einsatz, fliegen sie auf unterschiedlichen Höhen – das wird genau koordiniert. Die Piloten des Vereins haben alle nötigen Genehmigungen der Luftämter und Führerscheine.

Unter den Vereinsmitgliedern sind einige Vollprofis wie Michael Klingsöhr, andere fliegen nebenberuflich. Einige stammen aus Feuerwehren oder Rettungsdiensten – wie Joachim Scheffel und sein Drohnenteam des BRK Augsburg-Land. Dank Landkreis und Spendern haben sie mehrere Drohnen, auch eine große im Wert von rund 20 000 Euro. Inzwischen werden die Helfer öfter alarmiert, „vor allem zu Personensuchen“, berichtet er. Auch dann, wenn Helikopter wegen Nebel in größeren Höhen nicht fliegen können, die Drohnen aber schon – höher als 100 Meter dürfen sie eh nicht. Ein Team besteht immer aus mehreren Personen: einer fliegt, ein zweiter beobachtet die Monitore mit dem live übertragenen Bild, ein dritter koordiniert.

Welches Potenzial Drohnen haben, sahen sich Polizeibeamte bei der Übung an. Der Verein will helfen, weswegen Martin zufolge binnen sechs Stunden zwei Dutzend Drohnenpiloten bereitstanden, in den Hochwassergebieten im Westen Deutschlands Vermisste zu suchen oder Gebäude abzufliegen. Zum Einsatz kamen sie aber nicht.

Mehr Infos

und ein Spendenkonto auf rettungsnetzwerk.eu. Dort finden sich auch Infos zur Alarmierung.

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