Francise (26) ist mit dem Elektrofahrrad mobil.

Asylbewerber

„Immer etwas zurückgeben“

Gauting - Integration kann ganz einfach sein. Man muss nur wollen. Das beweist der Fall von Francise, der aus Nigeria kommt und doch längst durch und durch ein Gautinger ist.

Mit der Sonne am weiß-blauen Himmel strahlt Francise (26) um die Wette. Am Rande des Gautinger Begegnungs-Fests holt er bereits die vierte Eiscreme-Ladung für Flüchtlingskinder, die im nahen Rathausgarten feierten. Den Eis-Transport erledigte der Schwarzafrikaner mit dem Elektro-Lasten-Rad seines Arbeitsgebers.

Francise arbeitet nämlich seit 2014 für den Gautinger Hausmeisterservice von Steffen Beljan (41). „Alle Leute sind glücklich mit mir“, erzählt der Asylbewerber in flüssigem Deutsch. Kein Wunder. Denn wenn der Schwarzafrikaner mit seinem Elektro-Lasten-Bike den Bahnhofsberg hinauf radelt, winkt er seinen Bekannten aus Gauting fröhlich zu.

Die Offenheit Francises erstaunt. Denn der Nigerianer entstammt einem Bürgerkriegs-Land. Die islamistische Sekte „Boko Haram“ kontrollierte einst große Teile seiner Heimat: „Selbstmordattentate, extreme Gräueltaten wie Enthauptungen hielten die Bevölkerung in Atem“, schreibt die Bundeszentrale für politische Bildung im Netz. Bis zum Machtwechsel im Mai 2015 stieg die Zahl der Flüchtlinge in Nigeria auf zwei Millionen.

Einer von ihnen war Francise: Seit drei Jahren lebt der gebürtige Nigerianer als Asylbewerber in Deutschland. Inzwischen ist der 26-Jährige anerkannt und zahlt deshalb in der Gautinger Sammelunterkunft Ammerseestraße auch Miete. Mit Unterstützung des örtlichen Helferkreises lernte der Schwarzafrikaner zügig Deutsch: „Eines Tages hat mich seine Betreuerin angerufen, dass Francise eine feste Arbeit sucht und schon Deutsch kann“, erzählt sein Chef Steffen Beljan.

Vor zwei Jahren hat der Leiter des gleichnamigen mobilen Hausmeister-Services den Asylbewerber zunächst für den Winterdienst eingeteilt. „Anfangs hatte ich Bedenken, ob der Schwarzafrikaner auch bei den Kunden ankommt“, räumt Steffen Beljan ein. Doch Francise sei eine „so offene Person“. Auch in sein Team habe sich der Nigerianer gut integriert, schwärmt der Chef. Außerdem sei Francise sehr fleißig: „Deshalb habe ich ihn fest eingestellt.“

Doch für den mobilen Hausmeister-Service in Gauting und der näheren Umgebung, brauchte Francise einen Führerschein. Der Nigerianer hatte zwar bereits mit dem Erste-Hilfe-Kurs begonnen, aber hatte keinen Pass und konnte deshalb auch keine deutsche Führerschein-Prüfung ablegen.

Doch sein Arbeitgeber nahm auch diese Hürde: Freudestrahlend zeigt Francise sein nagelneues Transport-Elektrobike, das sein Chef für ihn eigens angeschafft hat. „Francise will denen, die ihm geholfen haben, zum Dank immer etwas zurückgeben“, sagt der Gautinger Pfarrer Dr. Günter Riedner. Der Asylbewerber habe zunächst als Ein-Euro-Kraft in der Christuskirche begonnen – und kam auch zu den Gottesdiensten. Als Dank für die Hilfe von Rolf Gerdes, der ihn bei der Jobsuche unterstützte, habe Francise nach dem Sonntags-Café das evangelische Gemeindehaus gereinigt – und sich beim Gemeindefest offiziell bedankt. Auch im „Chorallen“-Kirchenchor singe der Nigerianer manchmal mit.

Doch der katholisch getaufte Christ „wollte echtes Mitglied unserer Kirchengemeinde werden“, erzählt Dr. Riedner. Eines Tages kam Francise mit seinem Gehaltszettel zu Pfarrsekretärin Anita Drexler – und fragte sie, „ob er sich das leisten kann“. Er konnte, natürlich: „Am Sonntag vor zwei Wochen haben wir Francise aufgenommen“, berichtet der evangelische Seelsorger von einem rundum geglückten Beispiel an Integration.

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