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Dreimal bringen die Gautinger Gymnasiasten „Die zwölf Geschworenen“ auf die Bühne.

Otto-von-Taube-Gymnasium Gauting

„Die zwölf Geschworenen“ elegant adaptiert

50 Jahre Otto-von-Taube-Gymnasium Gauting und zehn Jahre Theatercompagnie an dieser Schule. Das galt es groß zu feiern – zum Beispiel mit der Vorstellung von „Die 12 Geschworenen.“

Gauting– In der gut gefüllten Aula brachte die junge Compagnie das von Regisseur Markus Hagenbucher inszenierte Stück über Gerechtigkeit auf die Schulbbühne. In dem Rollenspiel vermitteln die Darsteller in allen Facetten, wie Geschworene um ihr Urteil ringen: Ist der junge Angeklagte des Mordes schuldig oder nicht?

In eindrucksvollen Szenen mit dem selbstzufrieden grinsenden „großen Constabler“ (Schutzpolizist) alias Moritz Antuch-Krause vermittelt die Schülertruppe, wie es in einem heruntergekommenen US-Stadtbezirk der 1950er Jahre zuging. Der junge Angeklagte soll seinen saufenden und schlägernden Vater ermordet haben.

Durch einen Kunstgriff hat Regisseur Hagenbucher den bekannten Gerichtsfilm von Reginald Rose elegant adaptiert – mit neuen Rollen. Zu romantischer Orchester-Musik turtelt ein Liebespaar – bis die beiden Uniformierten den schwarz verhüllten „Corpus Christi“ im Eilschritt abtransportieren. Regungslos, stumm kauert der Angeklagte (Sebastian Kemme) im Scheinwerferlicht. Atemlos berichten zwei Reporterinnen (Franziska Wolf, Lorena Drexler) live vom „spektakulären Fall“ aus dem Gerichtssaal: Bestialisch soll der Sohn seinen Vater ermordet haben. Eindeutig sei die Beweislage, versichert der Polizeipräfekt (Kaspar Virnekäs). Und: Die Todesstrafe habe noch niemandem geschadet.

In einem aufwändigen Bühnenbildaufbau tagt das Hohe Gericht. Wie im amerikanischen Original tragen Richterin (Lena Winklhofer), Staatsanwalt (Florian Natter) und Verteidigerin (Lara Bühler) lange weiße Lockenperücken. „Ein widerwärtiges Kapitalverbrechen“, so fordert der Staatsanwalt den Tod durch Strang. „Nur Indizien“ kontert die Verteidigerin, denn: „Wir wissen nicht, wer der Mörder war.“ Mit Schreckens weiten Augen blickt der Angeklagte wortlos ins Leere.

Szenenwechsel. Unterm Kreuz Christi tagen die zwölf Geschworenen. „Ich glaube, er ist nicht schuldig“, sagt der Analytiker (Florian Blumenhagen) und der Zerstreute Professor (Tobias Thurner) ergänzt: „Der Junge hatte es von Anfang an nicht leicht.“

Im Geschworenen-Zimmer nimmt die Geschichte Fahrt auf. In einer berührenden Szene mit den Geschworenen unterm rot ausgeleuchtetem Kruzifix erhebt sich der ins Herz treffende Choral aus Bachs Matthäus-Passion. Erschüttert, stumm blicken die Geschworenen ins Publikum. Vorhang auf: „Der Erste“ überreicht dem Hohen Gericht den Zettel mit dem Urteil der zwölf Geschworenen. Der Angeklagte reicht seiner geliebten Freundin die Hand. Ein nicht enden wollender Beifallssturm braust durch die Schulaula. Weitere Aufführungen sind am heutigen Mittwoch, 5., und am Donnerstag, 6. April, jeweils ab 19 Uhr im Gautinger Gymnasium. 

Christine Cless-Wesle

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