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Das Kompetenzzentrum am OvT-Gymnasium ist eröffnet: Ingmar Ahl, Rolf Kussl, Stephan Zahlhaas, Sylke Wischnevsky, Luka Knieling und Moritz Wuppinger (v.l.).

Otto-von-Taube-Gymnasium

Förderung der künftigen Elite

Gauting - Das Otto-von-Taube Gymnasium Gauting sammelt schon seit Jahren Erfahrungen bei der Förderung hochbegabter Schüler. Jetzt ist es mit sieben weiteren Gymnasien in den bayerischen Schulbezirken zum Kompetenzzentrum für Hochbegabtenförderung ernannt worden. Ein Grund zum Feiern.

„Durch ihre hohe Denkgeschwindigkeit sind diese Schülerinnen und Schüler für jede Gruppe eine Bereicherung – und werden so integriert.“ Diese Erfahrung macht Direktorin Sylke Wischnevsky mit hochbegabten Kindern am Otto-von-Taube-Gymnasium Gauting. Bei einem Festakt, musikalisch umrahmt von der Big Band, eröffnete Leitender Ministerialbeauftragter Stephan Zahlhaas dort das neue Kompetenzzentrum für Begabtenförderung Oberbayern-West.

Wissbegierig robbt der gerade mal ein halbes Jahr alte Bub mit Mühe zum älteren Bruder, der mit seinem roten Feuerwehrauto spielt. Mit dieser Familienszene erläuterte die Direktorin das Prinzip der Hochbegabten-Förderung am Gautinger Gymnasium. Statt dem Kleinen behilflich zu sein, am Spiel teilzuhaben, erfreue sich das Pädagogenteam am Talent des Nachwuchses, dem älteren Bruder nachzueifern. Besonders begabte Gymnasiasten seien fantasievoll, geistig beweglich und hätten die Ausdauer für Denkaufgaben. Mit der Fähigkeit, eigenständige Problemlösungen in der Gruppe zu erarbeiten, werden diese individuell geförderten Schülerinnen und Schüler am Gautinger Gymnasium herausragend vorbereitet – als künftige „Generalisten in Führungspositionen“, sagte die Direktorin. Statt auf Langeweile im Unterricht hätten diese klugen Kinder ein Anrecht auf adäquate Förderung.

Im Austausch mit ihren Kollegen an den örtlichen Grundschulen und den oberbayerischen Gymnasien „entwickeln wir unser Konzept für Begabte in Regelklassen weiter“, erläuterte Wischnevsky das Ziel des Kompetenzzentrums an ihrem Gymnasium. Ausdrücklich dankte die Direktorin ihrer anwesenden Amtsvorgängerin: Christel Stolz hatte die Gymnasial-Förderklassen für Hochbegabte im Jahr 2002 „auf die Schiene gesetzt.“

Heterogenität der Schülerschaft sei heutzutage eine Chance und keine Bedrohung, sagte Ministerialbeauftragter Zahlhaas. Beim praxisorientierten Impulstag hätten die Gymnasial-Pädagogen aus ganz Oberbayern das Gautinger Konzept bereits kennen gelernt. Selbstständiges Lernen, auch beim Wissenschaftstag am TUM-Kolleg der TU München oder in den Bläserklassen des Otto-von-Taube-Gymnasiums, sei Bestandteil der individuellen Hochbegabten-Förderung. Somit sei das gut vernetzte Kompetenzzentrum ein Impulsgeber.

Die Notwendigkeit des Aufstieges der Begabten hatte bereits der deutsch-jüdische Entwicklungspsychologe William Stern im Jahre 1920 entdeckt, betonte Dr. Ingmar Ahl vom Vorstand der Karg-Stiftung: Der Bildungsforscher der Weimarer Republik, der in die USA emigrieren musste, stellte der Volk- und Rasse-Ideologie der Nationalsozialisten neues System der messbaren demokratischen Begabtenförderung entgegen – auf Grundlage der von ihm entwickelten IQ- Tests. „Hätte das Otto-von-Taube-Gymnasium noch keinen Namensgeber – so würde ich William Stern empfehlen“, sagte Kahl an diesem denkwürdigen 9. November, dem Jahrestag der Reichskristall-Nacht.

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