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Auch die Vereinszuschüsse diskutiert der Gautinger Gemeinderat - hier ein Konzert der Musikschule Gauting/Stockdorf.

Gautinger Haushalt

Bei Etatberatungen regiert der Rotstift

Gauting muss den Gürtel noch enger schnallen. Bei der ersten Etatberatung im Finanzausschuss war der Rotstift wichtigstes Handwerkszeug. Dann fand das Streichkonzert seine Fortsetzung.

GautingAusgaben von zehn Millionen Euro muss die Gemeinde Gauting heuer stemmen. Kämmerin Heike Seybarth schlug in der Sitzung des Finanzausschusses Alarm: Sie habe große Mühe, die steigenden Kosten zu decken. Zum Auftakt der Etatberatungen setzten die Räte deshalb konsequent den Rotstift an. Das ging quer durch den Finanzgarten. Selbst vor Minibeträgen machten die Gemeinderäte nicht Halt – und bei sich selber auch nicht. Auf Antrag von Britta Hundesrügge (FDP) kürzte eine Mehrheit von 9:4 die bisher den Bürgervertretern bezahlte Technikpauschale von 40 auf 30 Euro.

Dachsanierung: Kostet „mehrfachen Millionen-Betrag“

Genau unter die Lupe nahm das Gremium gestiegene Sachkosten. Allein im Rathaus sind die Heizkosten in zwei Jahren von knapp 26 000 auf 40 000 Euro geschnellt. Das liege an den zusätzlichen Räumen im dritten Obergeschoss, erläuterte die Kämmerin. Das Rathaus stamme aus den 1970er Jahren. Die Isolierung des Flachdachs sei so schlecht, „dass wir ins Freie heizen“. Anne Franke (Grüne) empfahl eine Dachsanierung. Das koste „einen mehrfachen Millionen-Betrag“, winkte Bürgermeisterin Dr. Brigitte Kössinger sofort ab.

Jens Rindermann (Grüne) waren die Kosten für externe Sachverständige (10 000 Euro für Miet- und Pachtverträge) ein Dorn im Auge. Das Rathaus lasse alle Entgeltverträge für die Gaststätte Römerbad, fürs Schlosspark-Salettl, aber auch die unentgeltliche Nutzung des von Vereinen mitgenutzten Querriegels der Grundschule unabhängig und extern überprüfen, erläuterte die Bürgermeisterin.

Hitzige Debatte um Fünf-Seen-Filmfestival

Auch die Kulturförderung geriet ins Visier der Räte. Im Vergleich mit anderen Vereinen bekomme die Musikschule mit der von 162 000 auf 164 000 Euro gestiegenen Jahrespauschale besonders viel, sagte SPD-Fraktionssprecherin Stephanie Pahl (SPD). Das hänge mit Personalkostenzuschüssen zusammen, erklärte die Rathauschefin. Die Gemeinde wünsche, dass sich jedes Kind bis zum Jugendalter den gesponserten Musikunterricht leisten könne. Erwachsene zahlten die Unterrichtsgebühren selbst.

Eine hitzige Debatte entbrannte um den Zuschussantrag von Matthias Helwig für sein Fünf-Seen-Filmfestival. Im Feuer standen 15 000 Euro. Anne Franke (Grüne) kämpfte für wenigstens 10 000 Euro. Andernfalls sei auch Helwigs Gautinger Breitwand-Kino mit „hohem künstlerischem Niveau“ gefährdet, zitierte Franke aus dem Antrag. Vergeblich. „Mich ärgert diese Argumentation“, sagte Stephan Ebner (CSU). Die Kunstförderung des renommierten Fünf-Seen-Filmfestivals (7. bis 19. September) sei die eine Seite. Helwigs Breitwand-Kino in Gauting aber ein „wirtschaftlicher Betrieb“. Gegen drei Stimmen aus der Grünen-Fraktion gewährte die Ausschussmehrheit dem Festival nur 5000 Euro Zuschuss.

Vereinszuschüsse auf dem Prüfstand

Keine Chance hatte der spontane Antrag von Britta Hundesrügge. Um den Verkehr mit Eltern-Taxis in Gauting einzudämmen, hatte die FDP-Fraktionssprecherin eine kostenfreie Schülerbeförderung vorgeschlagen – ohne Ticket-Kontrolle. Denn die Linien-Busse führen ja sowieso, ob sie gut besetzt oder leer seien. Das wäre eine neue freiwillige Leistung nach dem Gießkannenprinzip. Also auch für Familien, die das locker bezahlen könnten, widersprach die Bürgermeisterin. Die Gemeinde müsste dann an anderer Stelle in der Jugendarbeit sparen.

In dem Bereich sei es jetzt schon knapp, berichtete Tobias McFadden (Piratenpartei). Weil die 450-Euro-Kraft wegen des niedrigen gemeindlichen Reinigungszuschusses abgesprungen war, putzten die ehrenamtlichen Vorstände des Trägervereins das Haus des Jugendzentrums (JUZ) an der Bahnhofstraße momentan selbst, sagte McFadden, der bei der Interessengemeinschaft Jugendfreizeitzentrum mitwirkt. Einstimmig erhöhte das Gremium danach den Zuschuss für die JUZ-Reinigung auf 12 300 Euro im Jahr.

Bei der Gemeinderat-Klausur im September werden sämtliche Vereinszuschüsse auf den Prüfstand kommen, kündigte die Bürgermeisterin an. Gestern Abend gingen die Beratungen weiter.

Von Christine Cless-Wesle

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