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Verschiedene Annäherungen an Europa: Sprecher Hans Jürgern Stockerl, zweiter Preisträger Christof Waldecker, Jurorin Tanja Weber, Lokalpreisträgerin Gerda Frey, dritter Preisträger Roland Scheerer und Juror Gerd Holzheimer (v.l.).

Gautinger Literaturwettbewerb

Vier preiswürdige Ideen für Europa

„Europa – wo bist du?“ Mit diesem Motto des Gautinger Literaturpreises 2017 erfassten die Juroren den Zeitgeist. Es gab 147 Einsendungen. Beim Literaturfest im Bosco wurden die Gewinner gekürt.

Gauting – Anonym eingesandte Texte aus allen Altersgruppen hatte die Jury des Literaturforums zu bewerten, berichtete Werner Gruban beim Literaturfest im Bosco, bevor die vier Gewinner bekannt gegeben wurden. Die Überraschung war der zweite Preis: Der Gilchinger Elektromeister Christof Waldecker erhielt ihn für sein wunderbar rhythmisches Mundart-Gedicht „Wer kummt no?“. Den ersten Preis bekam Markus Neuert, der beruflich verhindert war. Roland Scheerer wurde dritter Preisträger und Gerda Frey erhielt den Lokalpreis. Die vier Preise sind mit 850 Euro dotiert, gestiftet von der Sparkassen-Stiftung,

Schriftstellerin und Jurorin Tanja Weber erinnerte an das Thema des Wettbewerbs: Europa. Flüchtlingsströme von 2015, Brexit und die neue Bewegung „Puls of Europe“ hatten dazu geführt.

Gerda Frey griff das Motto mit einer Erzählung in schlichter Kinderbuchsprache auf. Mit sprechenden Plüschtieren aus allen Herren Ländern, die sich im Kinderzimmer des kleinen Max auf einem großen Haufen stapeln, hatte die Gautinger Journalistin eine perfekte Metapher zum Wesen des bunten Europas gefunden und erhielt dafür den Lokalpreis. „Ein tolles Kompliment. Mein Text klang nie so toll wie bei Ihnen“, dankte die Journalistin dem Sprecher und Vorleser Hans Jürgen Stockerl.

Den dritten Preis erhielt die Geschichte „Gleixner musste lachen: Ein echtes Kulturvolk“. In der zu Recht prämierten Kurzerzählung des Gymnasiallehrers Roland Scheerer aus der Holledau erlebt der Mitarbeiter eines internationalen Konzerns, Gleixner, einen „Clash of Cultures“, als er in einem rumänischen Dorf versucht, Logo-Piraterie zu unterbinden. Er scheitert kläglich: „Westliche Marktinteressen prallen nämlich auf südöstliche Geschäftstüchtigkeit“, würdigte Laudatorin Sabine Zaplin die Erzählung des Autors, der bereits einen Gedichtband und einen Roman veröffentlicht hat.

„Wer kummt no – vielleicht a Schwarzer, a Weißer, a Gelber?“ Das Mundart-Gedicht von Christof Waldecker intonierte Sprecher Hans Jürgen Stockerl perfekt auf Bairisch. Literat und Laudator Gerd Holzheimer war ganz begeistert, wie der Autor die Skepsis des kleinen Mannes gegenüber dem Fremden transportierte. Mit dem Schluss: „Wenn’s alle so wär’n wie i, des wär furchtbar fad. Sonst wär i nie im Urlaub g’wen.“

Autor Christof Waldecker kam mit strahlendem Lächeln auf die Bosco-Bühne und freudig überrascht, denn: „In der Schule war ich im Schreiben ganz schlecht“, bekannte der Elektromeister aus Gilching. „Nur auf Bairisch kann i schreiben, so wie i sprich.“ Der frühere Stockdorfer berichtete am Rande der Preisverleihung, dass er als Schüler sogar Legastheniker gewesen sei.

Zum Finale verlas Sprecher Stockerl den Text des abwesenden ersten Preisträgers: „Europäisch sein heißt … ein Europapreis-Chaos, um noch reicher zu werden“ oder „Picasso als Hure“ und „Chopin als Säure“. Und: „Europäisch zu sein, verpflichtet leider zu rein gar nichts“, endet der Text. Sieger Markus Neuert, der seinen Preis nicht persönlich entgegennehmen konnte, beschreibt das Wesen Europas mit dem Werkzeug eines Schriftstellers, hieß es in der Laudatio von Sabine Zaplin. „Ein dicht komponierter Poesierausch.“

Von Christine Cless-Wesle

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