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Dienstags ist Orchesterprobe: Dorian Keilhack probt mit den Streichern für das Konzert am 19. März. 

Orchester der Musikfreunde Gauting

Zwischenstopp auf musikalischem Pflaster

„Jetzt dürft Ihr ausflippen“, feuert Dirigent Dorian Keilhack seine 30 Streicher an. Die lassen sich das nicht zweimal sagen: Nach zarten Pizzicati der Violinen schwillt das Crescendo dramatisch zur vollen Lautstärke an. Besuch bei einer Orchesterprobe des Gautinger Musikvereins.

Gauting Ungewöhnliches Bild: Vor dem Wandgemälde mit Burschen in Lederhosen, in Dirndl gewandete Madln und historischem Gautinger Mühlrad musizieren 30 Streicher. Weil der Raum im Pfarrheim St. Benedikt an diesem Abend belegt ist, geht die Orchesterprobe ausnahmsweise im Trachtlerheim über die Bühne. Es sind nur noch einige Tage bis zum Konzert. Das findet am Sonntag, 19.  März, ab 19 Uhr in der Aula der Gautinger Realschule statt.

„Können eure Synkopen mehr singen?“ Dirigent Dorian Keilhack, leger im Pullover, ist konzentriert bei der Sache. Takt 186 in Beethovens Tripelkonzert C-Dur für Klavier, Violine, Violoncello und Orchester wird wiederholt – bis die tänzerischen Sechzehntel stimmen: „Denkt an Kaffeetasse dadám“, ruft Keilhack: „Und an dieser Stelle spielt das Klavier einen langen Triller“, und „wir dürfen ein großes Crescendo machen“. Gesagt getan: Mit Verve bringen die hoch motivierten Streicher das Crescendo zum Strahlen. „Das ist ein herausforderndes Programm“, gesteht Konzertmeister Ernst Blümner nach der Probe. Beim Frühjahrskonzert des Vereins der Musikfreunde spielt das Orchester nicht nur das anspruchsvolle Beethovenkonzert, sondern auch die Pathétique in h-Moll von Pjotr Tschaikowski.

Das Programm ist technisch anspruchsvoll

Konzertmeister Ernst Blümner weiß, wovon er spricht: Seit den 1980er-Jahren spielt der hauptberufliche Arzt in dem Ensemble mit. „Ich habe eine typische Laienkarriere absolviert“, sagt der Konzertmeister bescheiden. „Seit meinem sechsten Lebensjahr spiele ich Violine.“ Auch Agnes Pretzl, erste Geige, spielt schon seit 1989 mit: „Seit den Sommerferien proben wir: Das Programm ist technisch anspruchsvoll – und wir müssen sehr viel üben“, sagt die Gautingerin und ergänzt: „Mit Dorian Keilhack macht das sehr viel Spaß.“

Mit dem 49-jährigen Pianisten und Dirigenten ist frischer Wind ins Gautinger Orchester gekommen. „Weihnachten 2012 bin ich erstmals für den verstorbenen Ulrich Weder eingesprungen“, erinnert Keilhack. Die Freundschaft zwischen den beiden Musikerfamilien Keilhack und Weder reiche bis in die 1970er-Jahre zurück, damals lebte man noch in Bremerhaven. „Für mich war Ulrich Weder ein großer Mentor und wunderbarer Mensch, der junge Künstler sehr unterstützt hat“, sagt Keilhack. Weders Sohn Dietrich spielt den mittleren Bass im Gautinger Orchester. Schwiegertochter Andrea ist Solocellistin. Und bei den schon legendären Weihnachtskonzerten in St. Benedikt ist Weder-Tochter und Sopranistin Susanne Winter regelmäßig mit von der Partie.

Dirigent ist Leiter der Opernschule Innsbruck

„Ich komme sehr gern hierher“, schwärmt Keilhack. Denn mit so großen Künstlern wie Violinprofessor Ingolf Turban sei Gauting „ein tolles Pflaster“ für Musiker. Keilhack, Professor und Leiter der Opernschule Innsbruck, pendelt mit dem Zug zwischen seinem Wohnort Erlangen und Innsbruck – dienstags mit Zwischenstopp im Würmtal. „Ich bin stolz, wie die sich reinhängen“, lobt Keilhack sein wachsendes Gautinger Orchester: „Es kommen immer wieder Junge dazu.“ Anders als die reinen Profis gingen die Gautinger Musiker, die alle anderen Berufen nachgehen, eben „nicht zum Dienst“ – sondern setzten Emotionen frei: „Da kommt wirklich Freude auf.“

Christine Cless-Wesle

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