Haushalt

Gautinger Rathaus drohen Personalprobleme

Gauting steuert auf ein Personalproblem im Rathaus zu – viele Mitarbeiter gehen in den nächsten Jahren in Ruhestand, Nachwuchs ist derzeit kaum zu finden.

Gauting – Auf lange Sicht hat die Gemeinde Gauting kaum Chancen, Personal einzusparen. Ein Viertel der 149 Tarifbeschäftigten und neun Beamten sei bis 2031 im Rentenalter, erläuterte Personalamtschef Markus Rathner am Donnerstagabend während der Haushaltsberatungen. Nachwuchs ist nicht in Sicht, der Markt sei leergefegt. Ob die Digitalisierung Entspannung bringt, ist offen.

Der Stellenmarkt sei bereits jetzt blank, bewies Rathner mit seitenweisen Stellenanzeigen im gedruckten Staatsanzeiger. Bundesweit sei das Personal im öffentlichen Dienst der Städte und Gemeinden inzwischen durchschnittlich 44,9 Jahre alt und nur 5,2 Prozent jünger als 25 Jahre. In Gauting ist die Lage nicht besser: Das Durchschnittsalter der Tarifbeschäftigten und Beamten liege noch höher als im Bundesdurchschnitt, nämlich bei 46,4 Jahren. In zwei Jahrzehnten seien knapp 60 Prozent in Rente. Spätestens ab 2041 beginne der Konkurrenzkampf ums Personal, prognostizierte Rathner.

Weil der freie Markt nicht ans öffentliche Tarifrecht gebunden ist, seien die Gehälter dort attraktiver. Deswegen verlören öffentliche Verwaltungen Mitarbeiter. Nur 1,3 Prozent des Gautinger Personals seien jünger als 25 Jahre. Durch die Digitalisierung werde die Lage nicht besser, blickt der Personalchef voraus. Datenschutz und „Tax Compliance“ (steuerliche Pflichterfüllung) erforderten die Präsenz von Personen – Homeoffice geht also nicht überall. Eine digitale Verwaltung könne der Rat zwar anstoßen, antwortete Rathner auf Nachfrage von Hans-Wilhelm Knape (Grüne), aber: Im Einwohnermelde-, im Steueramt und der IT müssten deshalb sogar mehr Leute sitzen. Auch der Schulungsaufwand für Digitalisierung sei im ersten Schritt höher, werde dann „aber eventuell weniger“, ergänzte Bürgermeisterin Dr. Brigitte Kössinger. Eine Prognose für den künftigen Personalbedarf sei deshalb schwierig, so Kössinger.

Der Stellenplan fürs Haushaltsjahr 2021 lässt hoffen: Die Gesamtzahl der Beamtenstellen steigt von bisher zwölf auf 13. Beamte sind leichter zu finden. Am 1. März werde er wohl den neuen Kollegen in der Kämmerei begrüßen können, deutete der Personalchef an. Die Zahl der Tarifbeschäftigten erhöhe sich durch Teil- oder Altersteilzeit von 144 auf 149. Einige kümmerten sich um die Pflege von Angehörigen, Väter in Elternzeit hätten die Möglichkeit, ihre Arbeitszeit zu reduzieren.

Zehn Prozent Einsparung und eine gute Nachricht

Erstmals gab es bei den Gautinger Haushaltsberatungen für 2021 keine neuen Botschaften über Steuereinbrüche, sondern gute Nachrichten – gespart werden muss trotzdem. Die Einnahmen nach dem Kinderbildungs- und Betreuungsgesetz, also die Zuschüsse für die Kitas, werden um 427 000 Euro steigen, hat Sozialamtsleiterin Alexandra Heckl errechnet. Das entspannt die Lage mit einem „Loch“ von rund 900 000 Euro, löst die Probleme aber nicht.

„Fast täglich werden wir von der Aktualität eingeholt“, erläuterte Volkswirt Josef Nießl am Donnerstagabend bei den Haushaltsberatungen im Haupt- und Finanzausschuss. Denn weil Gauting derzeit weder Kämmerer noch Stellvertreter hat, berät der Dozent an der Hochschule für angewandtes Management die Kommune in finanziellen Fragen. Die Mehreinnahmen für Kindereinrichtungen senken die veranschlagten Ausgaben in Höhe von fast 8,2 Millionen Euro dadurch um rund 400 000 Euro, weil kein eigenes Geld einzusetzen ist. Im Endergebnis rechne er mit 800 000 Euro mehr Förderung, prognostizierte der Berater. Grund: „Ganz ganz neu“ sei die Erhöhung des Basiswertes für die Zuschüsse, erläuterte die zuständige Sozialamtsleiterin Alexandra Heckl in der Sitzung.

„Vorsicht“, warnte Bürgermeisterin Dr. Brigitte Kössinger. Durch die Mehreinnahmen durchs BayKiBiG sei der Gautinger Verwaltungshaushalt mit einem Gesamtvolumen von 46,34 Millionen „noch nicht ausgeglichen“. Die Finanzierungslücke lag zuletzt bei rund 880 000 Euro (wir berichteten). Deshalb habe sie die Rathausverwaltung angewiesen, in allen Sachgebieten Ausgaben um zehn Prozent zu kürzen. Doch diese Liste ist bisher nichtöffentlich. Vorab erklärte Annette Derksen (Grüne) im Finanzausschuss: In der Corona-Krise wären Kürzungen im sozialen und kulturellen Bereich „das falsche Signal“. Deshalb sollten die Gemeinderäte bei jedem Einzelplan des Verwaltungsetats Vorschläge machen, wie Mehreinnahmen erzielt oder Kosten gespart werden könnten.

Die Gautinger FDP hat unterdessen eine Änderung beim Sommerbad zur Kostensenkung ins Spiel gebracht. Gemeinderätin Britta Hundesrügge regte in ihrem regelmäßigen Newsletter an, „den kostenintensiven Betrieb des gemeindlichen Sommerbades in einen interkommunalen Zweckverband zu überführen. So könnte die Gemeinde die vielen anderen freiwilligen Leistungen, wie beispielsweise die Zuschüsse in Kultur und Vereine, aufrecht erhalten und gleichermaßen den Bestand dieser beliebten Freizeiteinrichtung sicherstellen.“ In Gremien wurde darüber noch nicht gesprochen.

Christine Cless-Wesle

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