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Der Bahnhof und sein Umfeld soll zur Belebung des Gautinger Zentrums beitragen, hofft Dr. Brigitte Kössinger im Gespräch mit Merkur-Redakteur Stephan Müller-Wendlandt. 

Ausblick 2018

Fortschritt statt Stillstand

Die Gautinger Bürgermeisterin hat keinen Anlass, mit Groll das vergangene Jahr zu verabschieden: „Es gibt nichts, was ich vergessen machen möchte.“ Allerdings weiß sie um die Herausforderungen, die ihr und der Gemeinde in 2018 bevorstehen.

Gauting – Die Eröffnung des nach dem Umbau barrierefreien Bahnhofs in Stockdorf („Damit ist ein lang gehegter Wunsch der Stockdorfer erfüllt“) und die Fertigstellung des Querriegels bei der Grundschule neben dem Rathaus (mit eigenen Räumen für Musikschule, Arbeitskreis Ausländerkinder, Schule der Fantasie und Nutzungsmöglichkeiten für die Volkshochschule) machen Dr. Brigitte Kössinger Mut, die Aufgaben des neuen Jahres anzugehen. Vor allem drei Aspekte stehen für sie im Fokus.

Bahnhofsumfeld

Als größte Herausforderung bezeichnet die Bürgermeisterin das Bürgerbegehren gegen die Neubebauung auf dem früheren Grundschulgelände an der oberen Bahnhofstraße. „Ich hoffe, dass es mit unserer Planung weitergehen kann. Es wäre für die Gemeinde nach meiner Meinung nach sehr schlecht, wenn hier ein Stillstand eintreten würde. Ein Stopp mit Neuplanung ist ein Stillstand“, sagt Kössinger im Gespräch mit dem Starnberger Merkur. Die Erfahrung mit dem Grillgrundstück beim Hauptplatz habe gezeigt, dass auch eine jahrzehntelange Diskussion nicht zu der Lösung führe, die alle zufrieden stelle.

Kössinger: „Wir brauchen die 60 Wohnungen auf dem ehemaligen Grundschulareal beim Bahnhof, wir brauchen auch dort den Supermarkt und den Drogeriemarkt zur Belebung des Ortszentrums. Die Gewerbetreibenden warten dringend darauf.“ Die Belebung sei notwendig, um ein Sterben weiterer kleinerer Geschäfte zu verhindern. Die Bürgermeisterin hält die Neuplanung für ortsverträglich, weil sie in der Größe der bisherigen Bebauung angeglichen sei. Kössinger fürchtet nicht nur die zeitliche Komponente, sollte das Bürgerbegehren erfolgreich sein: „Je nachdem, wie lange eine Neuplanung ingesamt dauern würde, wird der Investor auch irgendwann sagen, da mache ich nicht mehr mit. Der wird nicht neun Millionen investieren, die für ihn nichts ergeben, sondern nur im Boden liegen.“ Sollte der Investor abspringen, wäre das nicht nur für die Gemeinde ein enormer Schaden. Der Stillstand wäre auch fatal für die Geschäftsleute vor Ort: „Die warten auf einen Magneten, in der Hoffnung, dass die Gautinger, die jetzt nicht mehr in ihrer Gemeinde einkaufen, wieder zurückkommen. Denn es fließt zu viel Kaufkraft aus Gauting ab.“

Gewerbe

Die zweite Herausforderung sieht die Bürgermeisterin in der Frage: Wie werden wir die Planung heuer für die drei angepeilten Gewerbegebiete voranbringen? Es geht um die sogenannte Insel-Lösung beim Unterbrunner Holz an der Grenze zum Gilchinger Gewerbegebiet Süd sowie um die Flächen neben der Asklepios-Klinik und gegenüber beim Kreisverkehr an der Ammerseestraße. „Wir müssen schauen, dass wir in den Entwicklungen in diesem Jahr wesentlich weiterkommen. Weil wir zur Sicherung der finanziellen Leistungsfähigkeit der Gemeinde Gewerbe und die Gewerbesteuer benötigen“, gibt die Bürgermeisterin die Marschrichtung vor. Bei den Beratungen für den neuen Gemeindehaushalt werde deutlich, „dass wir den Gürtel wieder eng schnallen müssen“. Die freiwilligen Leistungen der Gemeinde stünden auf dem Spiel, zum Beispiel die Unterstützung für der Vereine, die wesentlich zum Zusammenhalt in der Gemeinde beitragen würden. Es gehe aber auch um das kulturelle Angebot, zum Beispiel im Bosco, das breiten Schichten der Bevölkerung Theaterbesuche ermöglichen soll. Kössinger: „Wir wollen den ansässigen Gewerbebetrieben, die zum Teil in beengten Verhältnissen tätig sind, helfen, dass sie am Ort bleiben können. Die zahlen schon Gewerbesteuer. Aber zur Erhöhung der Steuereinnahmen benötigen wir neues Gewerbe. Das soll in Nachbarschaft zum Sonderflughafen Oberpfaffenhofen angesiedelt werden.“ Für die Bürgermeisterin gibt es keine Prioritätenliste: Alle drei Gewerbegebiet-Planungen müssten in diesem Jahr weiterkommen.

Kinderbetreuung

Dritte Herausforderung ist für Kössinger die Kinderbetreuung – von der Krippe bis zum Hort. Die zwei neuen Kindergarten- und eine Kinderkrippen-Gruppen auf dem Mehrgenerationencampus des BRK seien dringend nötig, aber würden bei weitem noch nicht ausreichen. „Wir werden weiter planen müssen. Auch um das Defizit in der Mittagsbetreuung zu beseitigen. Da sind wir gefordert“, macht die Bürgermeisterin deutlich.

Energie

Gauting will sich in diesem Jahr dem Thema Geothermie annähern. Auf einem Claim in der Nähe des Flughafens Oberpfaffenhofen sollen heuer Probebohrungen stattfinden. Es sei vorgesehen, das dort geplante Gewerbegebiet mit Erdwärme zu versorgen. Aber auch andere neue Bereiche, wie die beiden weiteren Gewerbegebiete sollen regenerative Energien nutzen. „Mit Erdwärme, so unser Wunsch, soll auch das Neubaugebiet im Bereich des Bebauungsplanes 100, das auch das frühere Apparatebau-Areal umfasst, versorgt werden.“ Das lasse sich alles von einem möglichen Geothermie-Standort beim Sonderflughafen aus bewerkstelligen, habe eine Machbarkeitsstudie ergeben. Die Voruntersuchungen hätten auch gezeigt, dass die geologischen Gegebenheiten im Umkreis des Flughafens geeignet seien, Geothermie unproblematisch zu nutzen. Kössinger: „Die Gemeinde Gilching könnte ein möglicher Partner sein. Die sind meines Wissen nach auch schon vorbereitet, haben schon Erdwärmeleitungen verlegt.“

Regenerative Energie, zum Beispiel mit Fotovoltaik, kommt auch bei der neuen Tafel und bei der Grundschule am Rathaus zum Einsatz. Eine öffentliche Ladestation für Elektrofahrzeuge steht auf der Agenda der Gemeinde. Für E-Bikes gebe es diese Möglichkeit schon beim Rathaus, erklärt die Bürgermeisterin.

Senioren

Die Eröffnung des neuen Seniorenzentrums der Caritas steht heuer an. „Um das neue Marienstift sind wir sehr froh“, versichert Kössinger: „Man hört immer wieder von Leuten, die in ihren Häusern warten, dass sie endlich umziehen können.“ Die Caritas verzeichne mehr Anfragen als sie zufrieden stellen könne. Deswegen werde auch der Mehrgenerationencampus des BRK sehr nachgefragt sein, mit der Fertigstellung sei für 2020 zu rechnen. „Dann haben wir wieder zwei Senioreneinrichtungen mit Betreutem Wohnen und Pflege, die zentral liegen und einen Einkauf im Zentrum fußläufig ermöglichen“, sagt Kössinger.

Der persönliche Wunsch der Bürgermeisterin: „Ich wünsche mir, dass wir den Bürgerentscheid vernünftig über die Bühne bringen. Unter aufrechten Demokraten sollte es möglich sein, unterschiedliche Meinungen sachlich auszutragen, ohne dass es zu einer Spaltung in der Bürgerschaft kommt. Ich wünsche mir, dass es weitergeht, dass es keinen Stillstand gibt, dass die Mehrheit der Gautinger abstimmt und sich nicht auf die anderen verlässt. Das ist mir ein großes Anliegen. Und ich wünsche mir, dass im sozialen Bereich der Zusammenhalt, der Gauting prägt, auch im neuen Jahr fortgesetzt wird. Das macht Gauting lebenswert.“

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