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Symbolbild

Lokale Geldanlage

Bürger sollen ins Stromnetz investieren

Eine sichere Geldanlage mit bis zu dreieinhalb Prozent Zinsen verspricht die Energiegenossenschaft Fünf-Seen-Land den Bewohnern des Würmtals.

Gauting – „Alle warten auf Gauting“, betont Gerd Mulert, Vorsitzender der Energiegenossenschaft Fünf-Seen-Land, am Freitagabend bei der Grünen-Versammlung im Gasthaus Zum Bären in Gauting. Der Stromnetz-Übernahme durchs Regionalwerk will deshalb die örtliche Grünen-Fraktionssprecherin Anne Franke durch einen aktuellen Rats-Antrag neuen Schub geben: Über eine Bürgerbeteiligung soll der Anteil von 2,5 Millionen Euro der klammen Kommune Gauting finanziert werden. Das vor zehn Jahren gegründete Regionalwerk habe schon Lehrgeld zahlen müssen, erinnerte Franke an Rechtsberatungs- und Prozesskosten in Höhe von etwa 660 000 Euro. Doch die Steuergelder sollten nicht in den Sand gesetzt werden, denn nun sei die Chance da für den Stromnetzerwerb über die Bietergemeinschaft der Wümtalholding (WHOL) von Gauting, Planegg und Krailling mit dem neuen Partner E.on (wir berichteten).

Die von der Bundesnetzagentur diktierten Monopol-Preise für die Stromdurchleitung versprächen eine Rendite von zwei bis dreieinhalb Prozent. Knackpunkt: Weil Gauting 50 Prozent Anteile hält, müsste die hiesige Gemeinde 2,5 Millionen Euro Kapital in die WHOL einzahlen. Denn das Stromnetz in den drei dicht besielten Würmtalgemeinden werde mit insgesamt zehn Millionen Euro bewertet. Weil Gauting aber kein Geld hat, beantragt Anne Franke von den Grünen die Finanzierung über ein Bürgerdarlehen.

Zwei Prozent Zinsen sind garantiert

In Null-Zins-Zeiten seien die risikoarmen Anteile am Stromnetz gefragt – und ein Beitrag zur lokalen Energiewende. Wie das Modell funktioniert, rechnete Gerd Mulert vor: Derzeit finanziere die Genossenschaft schon größere und kleinere Fotovoltaikanlagen mit Bürgerbeteiligung. Im Falle der Stromnetz-Übernahme durch die WHOL-Würmtal mit E.on müsste Gauting 2,5 Millionen Euro Kapital einbringen. „Die Banken finanzieren das gern“, so Mulert. Allerdings würden die Geldinstitute einen Eigenanteil von 30 Prozent verlangen. Das wären 750 000 Euro.

Der einfachste Weg wäre, diese Summe über das schon beim Gilchinger Energiespar-Schulprojekt erprobte „Nachrangdarlehen“ zu zahlen. Bürger, die Anteile halten, bekämen ab dem 1. Tag zwei Prozent sicheren Zins, ab dem dritten Folgejahr drei Prozent. „Nach 15 Jahren zahlen wir das Darlehen zurück“, so Mulert weiter.

Es gebe für dieses Modell dreiseitige Standard-Verträge im Internet – ohne Anwaltskosten, betont der Vorsitzende der Energiegenossenschaft Fünf-Seen-Land. „Das Regionalwerk Würmtal ist die Keimzelle“ – in fünf Jahren womöglich für ein Landkreis-Regionalwerk, blickte Gerd Mulert hoffnungsfroh in die Energiewende-Zukunft. cc

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