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Patenbitten in Dorfen: Sophie Kllingler, Dr. Brigitte Kössinger, Martin Zehentbauer, Sarah Stimmer, Maximilian Ketterl, Andreas Ketterl und Igor Stimmer (v.l.) haben ihr wertvollen Trachtengewänder vor unliebsamen Flüssigkeiten geschützt.

Tradition und Brauchtum

Wie d’Würmlust zur neuen Fahne kommt

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Der Gebirgstrachten-Erhaltungsverein d‘Würmlust Gauting bekommt eine neue Vereinsfahne. Die Weihe dieses guten Stücks wird am 16. Juli groß gefeiert.

GautingWenn am Sonntag, 16. Juli, Fähnrich Igor Stimmer mit weißbehandschuhten Händen in der katholischen Pfarrkirche St. Benedikt die neue Fahne übernimmt, geht für den GTEV D’Würmlust eine dreijährige Zeit des Planens, Organisierens und Finanzierens zu Ende.

1912 ist das Gründungsjahr der Gautinger Würmlust. In den ersten Jahren begnügten sich die Trachtler mit einer Standarte, wie auf alten Fotos zu sehen ist. Zehn Jahre später wurde dann eine Fahne angeschafft und geweiht. Am Tuch dieses Vereinssymbols hat im Laufe der Jahrzehnte der Zahn der Zeit genagt. Der Stoff ist spröde und brüchig geworden. Eine Sanierung der Fahne, so erzählen Schriftführerin Sarah Stimmer und Rainer Fuchs, „das historische Gewissen des Vereins“ (Stimmer), wäre zu aufwendig und zu teuer gewesen. So entschloss man sich vor drei Jahren, eine neue Fahne in Auftrag zu geben. Die finanziellen Mittel waren da, „wir hatten gut gehaushaltet“, sagt Fuchs. Aber Geld darf ein gemeinnütziger Verein auch nicht horten, darauf haben die Finanzbehörden ein sorgsames Auge. Mit den Zuwendungen einiger passiver Mitglieder war die Anschaffung gesichert, ohne dass der Verein in die roten Zahlen zu rutschen drohte.

Demokratische Entscheidung

Wie soll die neue Fahne aussehen? Bei dieser Frage waren alle Mitglieder des GTEV gefordert. Sie sollten Vorschläge unterbreiten. Dieser Aufforderung kamen sie nach, indem sie Skizzen vorlegten oder mit Worten beschrieben, wie sie sich das neue Vereinswahrzeichen vorstellen. In einem „demokratischen Prozess mit Mehrheitsentscheidung“, so Stimmer, war die Gestaltung des Fahnentuchs schließlich festgelegt (siehe: Zwei Seiten eines Fahnentuchs).

Ein Fahnenausschuss nahm sich der weiteren Aufgaben an. Man holte Angebote von verschiedenen Fahnenherstellern ein, die ihrerseits unterschiedliche Fertigungsvarianten vorschlugen. „Der eine vernäht das Fahnentuch, der andere verklebt es“, erläutert Fuchs. Der Fahnenausschuss entschied sich für „pure Handarbeit“. Und vergab den Auftrag im Herbst vorigen Jahres an die Fahnenstickerei Jaeschke in Engelsberg. Am vergangenen Samstag wurde die fertige Fahne in Gauting übergeben.

Dankbare Fahnenmutter

In der Zwischenzeit waren die Mitglieder der Würmlust nicht untätig. Galt es doch die Weihe der neuen Fahne vorzubereiten. Das ist keine Aufgabe, die sich einfach aus dem Ärmel schütteln lässt. Die Tradition und das Brauchtum schreiben penibel vor, was zu berücksichtigen und zu beachten ist.

Wer soll die neue Fahne als Fahnenmutter übernehmen? Es sollte auf jeden Fall eine Frau aus dem eigenen Verein sein, sagt Fuchs, die dazu gehört und eine enge Verbindung zu den Mitgliedern hat. Es gab eigentlich keinen Anlass, lange zu überlegen: Rosemarie Großmann war die erste Wahl. Und die nahm die ehrenvolle Aufgabe mit Freude und Dankbarkeit an. Die Fahne „soll Sinnbild sein für Kameradschaft, Verpflichtung zum Beisammensein, Sitte und Erhaltung des Brauchtums in guten und in schweren Zeiten“, schreibt die Fahnenmutter in ihrem Grußwort zur Festschrift.

Es musste ein auswärtiger Trachtenverein gefunden werden, der die Weihe der Fahne als Pate begleitet. Auf der Wunschliste der Gautinger stand der Heimat- und Volkstrachtenverein Starnberg. Aus verschiedenen Gründen, erklärt Fuchs: „Der Verein hat eine lange Tradition, ist nicht so weit entfernt und gehört einem anderen Trachtengau als wir an, nämlich dem Huosigau.“ Sarah Stimmer ergänzt: „Das war uns wichtig, als Mitglied im Isargau wollten wir mal über den Tellerrand hinausschauen.“

Patenverein aus Dorfen

Die Starnberger haben sich geschmeichelt gefühlt, bestätigt Fuchs. Und hätten die Ehre der Patenschaft auch gerne übernommen. Allerdings stand eine unüberwindliche Hürde dagegen: Der Weihetag 16. Juli war bei den Starnberger Trachtlern bereits belegt. An diesem Tag veranstalten sie ihr alle fünf Jahre stattfindendes Prinzregent-Luitpold-Fischerstechen.

Also mussten die Gautinger erneut auf Patensuche gehen. Und wurden auch fündig – allerdings innerhalb des Tellerrandes. Mit dem Trachtenverein d’Stoarösler Dorfen (Gemeinde Icking) aus dem Isargau haben sie einen ebenbürtigen Ersatz gefunden. „Das sind Vorzeige-Trachtler, sie haben gute Musiker und gute Tänzer, die sich bei Wettbewerben hervorragend geschlagen haben“, weiß Fuchs.

Die Dorfener haben die Patenschaft gerne übernommen, was beim traditionellen Patenbitten dann auch offiziell besiegelt wurde (siehe Bericht von Sarah Stimmer und Rainer Fuchs im Kasten).

Überraschung bis zum Schluss

In wenigen Tagen ist es soweit. Am Sonntag, 16. Juli, wird die neue Fahne der Trachtler von vier Fahnenjungfern in die Kirche St. Benedikt getragen, wo Pfarrer Otto Gäng sie weihen wird. Der Festgottesdienst beginnt um 10 Uhr. Anschließend geht es in einem Umzug zunächst zum Kriegerdenkmal an der Bahnhofstraße, wo ein Kranz niedergelegt und Böllerschüsse abgefeuert werden. Daran nehmen eine Blaskapelle, befreundete Trachtenvereine aus der Umgebung, die Feuerwehr und Vertreter anderer Ortsvereine teil. Ab 13 Uhr wird in der Mehrzweckhalle Unterbrunn mit allen Gästen bei Tanz und Volksmusik gefeiert. Der Verein würde sich freuen, wenn auch die Bevölkerung die Einladung zu dem Fahnenfest zahlreich annimmt.

Eine Überraschung bleibt für die Trachtler noch bis zum Schluss: Die aus Messing gefertigte Spitze des Fahnenstocks wird erst zur Weihe geliefert. „Es hat sich aber herumgesprochen“, sagt Sarah Stimmer, „dass in diese Spitze ein Abbild des Wasserrades vom Lederersteg in der Würm eingearbeitet ist. Und das soll sich drehen lassen. Wir lassen uns überraschen.“

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