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Die Planer Professor Hans-Peter Hebensperger-Hüther und seine Frau Sibylle Hüther (v.r.) erläutern den aktuellen Entwurf für den Rahmenplan 100 für das ehemalige Apparatebaugelände und die angrenzende W iese.

Neubaugebiet in Gauting

Infomarkt für Rahmenplan weckt Interesse

Der Bebauungsplan 100 für das frühere Apparatebau-Areal und die Wiese im Anschluss treibt die Gautinger um. Mehr als 200 Bürger kamen zum Infomarkt ins Rathaus.

Gauting –- Die Gautinger gaben sich am Montagabend im Rathaus die Klinke in die Hand. Dort präsentierten die Wettbewerbsgewinner Professor Hans-Peter Hebensperger-Hüther und Sibylle Hüther vom Münchner Büro H2R-Architekten den aktuellen Stand des Rahmenplans 100. „Wir brauchen dringend bezahlbare Wohnungen für Alleinerziehende, junge Familien, Rentner oder Erzieherinnen“, hatte Bürgermeisterin Dr. Brigitte Kössinger (CSU) vorab im Pressegespräch betont. Und sie machte klar, dass im alten, rechtskräftigen Bebauungsplan für das 2,8-Hektar-Areal zwischen dem geräumten AOA-Gelände an der Ammerseestraße und der südlichen Wiese an der Pötschenerstraße ein doppelt so großes Baurecht bestand.

Gemeinsam mit Katholischem Siedlungswerk und Zweckverband Wohnen werde die Gemeinde auf der jetzigen Wiese an der Pötschenerstraße ein neues Quartier mit mehr Grünflächen und dringend benötigtem zahlbarem Wohnraum schaffen, so Kössinger. Wie nötig das sei, beweise aktuell der Fall eines Gautinger Feuerwehrmannes, der mit Frau und Kind nach Germering ziehen musste, weil er im teuren Gauting keine Wohnung gefunden hatte. Ihn hat die Feuerwehr als Aktiven verloren.

Die Gemeinde entwickle für junge Familien im Plan 100 auch verdichtetes Wohnen im Einheimischenmodell. Vorbild sei die benachbarte Bungalow-Siedlung im Westen der Paul-Hey-Straße. Professor Hebensperger-Hüther plane ein ähnliches Modell mit flexibel nutzbaren 27 bis 28 Atriumhäuschen. Auf dem geräumten AOA-Gelände, wo ein mit Wohnungen überbauter Supermarkt geplant ist, werde die Gemeinde erstmals ihre SoBoN (Satzung zur Sozialen Bodennutzung) anwenden, so die Bürgermeisterin weiter. Denn durch Wohnungsbau werde die jetzige Industriebrache aufgewertet.

Mit den 1110 m², die im Erdgeschoss des Neubaus für soziale Einrichtungen wie Diakonie, Kindergarten und Mobilitätszentrum geplant seien, werde der entstehende Wertzuwachs verrechnet. Für fußläufige Einkäufe der künftigen Bewohner gebe es einen Vollsortimenter – auch mit unterirdischen Kundenparkplätzen.

Um die großzügige geplante Grünfläche für Fußballspiel oder gemeinsames Picknicken werden fünfgeschossige, staatlich geförderte Mehrfamilienhäuser geplant, erläuterte Planer Hebensperger-Hüther. Kritik und Anregungen aus der Nachbarschaft habe er bereits im Vorfeld umgesetzt, erklärte der Professor den anwesenden Bürgern anschließend. Die kritisierte durchgehende viergeschossige Wand auf dem AOA-Gelände an der Ammerseestraße habe er reduziert. Die Anlieferungszone für den Supermarkt werde eingehaust. Wegen Kritik an befürchteter Beschattung wurde die beiden Komplexe auf der grünen Wiese bei der Günther-Caraciola-Straße zurückversetzt, die Etagen von fünf auf drei bis dreieinhalb abgespeckt. Dort gebe es auch nur eine Zufahrt für Besucher und Notfahrzeuge. Besucherparken werde beim Supermarkt zentriert. Die künftigen Bewohner parkten in Tiefgaragen, um das neue Quartier von Lärm und Abgasen zu entlasten.

Im Vergleich zum ursprünglichen Wettbewerbs-ergebnis wurde die Geschossfläche von 26 700 auf 29 900 m² erhöht, räumte der Stadtplaner ein. Im alten Bebauungsplan von 2002 waren 35 700 m² möglich. Je nach Wohnungsgröße rechne er mit einem Zuzug von 700 Personen ins Neubaugebiet, so der Planer auf Nachfrage eines Bürgers. Frühestens Ende 2020 sei der neue Plan in trockenen Tüchern, erklärte die Bürgermeisterin.

Von Christine Cless-Wesle

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