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Der Bahnhof in Gauting.

Ideen zum Gautinger Bahnhof

„Keine Angst vor guter Architektur“

Ideen zum Bahnhof mobilisieren die Gautinger. Mehr als 200 Besucher drängten zur Auftaktveranstaltung der neuen Veranstaltungsreihe „ArchitekturSichten“ ins Bosco.

Gauting Das war ein optischer Anteiz: Zum Auftakt der lebhaften Debatte über Ideen zum Gautinger Bahnhof zeigte Dr. Andreas Romero eine Ansicht der Hamburger Elbphilharmonie des Star-Architekten-Büros Herzog & de Meuron als hochkarätige Zukunftsvision für das örtliche Bahnhof-Entrée. Überwältigt vom Publikums-Ansturm hatten Romero und Theaterforum-Vorsitzender Hans-Georg Krause die Veranstaltung kurzerhand von der Bar in den großen Bosco-Saal verlegt.

Auf dem Podium erläuterte Bürgerforum-Vorsitzende Dr. Ulla Ziegler die Historie des Gautinger Bahnhofs. Die Architekten Wolf-Eckart Lüps und Romero präsentierten bisherige Entwürfe: Von Peck/Lüps stammt ein Modell mit dynamischem Glasfassaden-Baukörper entlang der Gleise. Der Entwurf von Benedikt Sunder-Plassmann erhält das Kopfgebäude des Bahnhofs. Richtung Kino will der Architekt einen Glasanbau als neuen Bürgertreff setzen. Zur Diskussion stehen auch zwei Varianten des Gautinger Architekten Christian Hadlich: Plan eins wäre ein Neubau in ähnlicher Optik wie das jetzige Empfangsgebäude. In Hadlichs Plan B wird das schmale, sanierungsbedürftige Jugendstil-Empfangsgebäude restauriert. Die bisher nur über Stufen zugängliche Schalterhalle würde einem barrierefreien Anbau weichen.

Wenn der historische Bahnhof gut saniert werde, sagte Dr. Ulla Ziegler zum zweiten Hadlich-Entwurf, müsse sich der Bahnhof zwischen dem geplanten fünfgeschossigen Neubaukomplex auf dem Areal der früheren Grundschule nicht verstecken. Ziegler empfahl, die überquellende Gemeindebücherei aus dem Rathaus in den sanierten Bahnhof zu verlegen. Das Kopfgebäude verfüge auch über einen „wunderschönen“ Gewölbekeller.

„Es gibt am Bahnhof keinen öffentlichen Platz, der diesen Namen verdient“, kritisierte Hanne Degkwitz den entstehenden Riegel auf dem ehemaligen Grundschulareal. Bernhard Donhauser vermisst einen städtebaulichen Wettbewerb für den gesamten Ort Gauting. „Wir haben nur noch Kolosse“, ärgerte sich Johanna Krepold über Stückwerk ohne Gesamtkonzept. Auf dem Baderhof-Grundstück am Hauptplatz sei ein „Mordskasten“ entstanden, hinter dem sogar der Kirchturm verschwinde, wetterte die Gautingerin unter tosendem Applaus im Saal.

„Wie können wir solche Monster in Zukunft verhindern?“ fragte Neu-Bürgerin Angelika Siegmund. „Deshalb machen wir die ArchitekturSichten“, antwortete Romero, „um den Gemeinderat zum Nachdenken zu bringen.“

„Für prominente Plätze in Gauting wünsche ich mir eine Gestaltungskommission“, zeigte Architektin Dieta Richter einen Weg. Nicht immer maximale Bebauung wie am bald abgerissenen Bergmoser-Haus am Hauptplatz oder am Krapfberg, wo die gemeindliche Hofinger-Villa abgebrochen werde, verlangte Nikolaus Biederstett.

„Ich fürchte, wenn das mehrfach sanierte Kopfgebäude bleibt, wirkt der Bahnhof zum Rest wie ein Legohäuschen“, sagte Hans-Georg Krause und er forderte: „Keine Angst vor guter Architektur.“ Romero griff Krauses Gedanken auf: „Gauting liegt am Meer.“ Diesen Titel des jüngsten Literaturwettbewerbs schickte der Stadtplaner als Botschaft an den Gemeinderat.       Christine Cless-Wesle

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