Gautings Spitzname „Pendelfing“ passt

Im Volksmund hat die Gemeinde Gauting den Spitznamen „Pendelfing“ schon seit den 1990er Jahren weg. Der Trend hat sich seitdem fortgesetzt. Zwischen 2007 und 2017 ist die Zahl der in die Würmtalgemeinde einpendelnden Menschen um 1000 Personen gestiegen.

Gauting– Diesen Wert nannte Christian Breu, Geschäftsführer des Regionalen Planungsverbands (PV) Äußerer Wirtschaftsraum München, in der jüngsten Sitzung des Umwelt-, Energie- und Verkehrsausschusses.

20 Prozent der Arbeitsplätze im Ort würden von Gautingern besetzt, 80 Prozent der Arbeitskräfte kämen von außerhalb. Folge: Ein Viertel des Verkehrs in Gauting entfalle auf die Pendler. Denn die Arbeitnehmer blieben lieber an ihrem in der Regel preiswerteren Wohnort und führen von dort zum Arbeitsplatz. Ein wesentliches Problem dieser Entwicklung nannte Breu auch: Der Wohnungsbestand halte mit der wirtschaftlichen Entwicklung nicht Schritt. Und weil die Wirtschaft stetig wachse, verlängerten sich die Distanzen, die Pendler zurücklegten. Wohnraum und Arbeitsplätze stünden nicht mehr in einem „harmonischen Verhältnis“, erläuterte der PV-Geschäftsführer. Die Folge davon sei eine Zunahme der Verkehrsbewegungen. Breu: „Wir exportieren unseren Wohnraumbedarf nach außen und importieren dafür den Verkehr.“ Deshalb sollten andere Mobilitätsstrukturen geschaffen werden.

„Wir hätten schon längst die S-Bahn ausbauen und mehr Züge einsetzen müssen“, zog Anne Franke (Grüne) ihr Fazit aus dem Vortrag von Breu und ergänzte: „Wenn wir den Verkehr importieren, ist es nicht verwunderlich, dass man morgens und abends in Gauting im Stau steht.“

Mit dem neuen Expressbus, der Gauting unter anderem mit dem Gilchinger Gewerbegebiet Süd und der U-Bahn-Station Großhadern verbindet, habe man ja bei der Mobilität einen Anfang gemacht, sagte Bürgermeisterin Dr. Brigitte Kössinger (CSU). Bei der Entwicklung von Gewerbegebieten werde „zu kleinräumig gedacht“, kritisierte Heinrich Moser (Grüne). Es gebe genügend Arbeitsplätze „mit kurzen Distanzen“ im ganzen Landkreis. Die Bürgermeisterin verwies aber auf die prekäre Situation bei den Gemeindefinanzen. So lange sich die Politik der kommunalen Finanzierung nicht ändere, müsse Gauting seine eigenen Gewerbegebiete entwickeln, um die Steuereinnahmen aufzubessern.

Von Christine Cless-Wesle

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