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„immertanz“ übertrifft sich selbst

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Die Schöpfung beginnt: 16 Damen und ein Herr von „immertanz“ bringen die Schöpfungsgeschichte grandios auf die Bühne. Die Premiere fand coronabedingt erst im vierten Anlauf statt.
Die Schöpfung beginnt: 16 Damen und ein Herr von „immertanz“ bringen die Schöpfungsgeschichte grandios auf die Bühne. Die Premiere fand coronabedingt erst im vierten Anlauf statt. © Andrea Jaksch

Die Gautinger Tanzgruppe „immertanz“ hat es im vierten Anlauf geschafft - die Premiere ihres neuen Stücks „Genesis“ im Bosco klappte. Einstudiert hatten die Damen und der eine Herr die Aufführung teils digital.

Gauting – Eine kaum zu übertreffende Glanzleistung: Bravorufe und nicht enden wollenden Beifall gab es bei der Premiere des Tanztheaterprojekts „Genesis“ der Gruppe „immertanz“ unter Leitung der Gautinger Choreographin und Tänzerin Bettina Fritsche im ausgebuchten Bosco-Saal. Am Donnerstagabend brachten die 16 „Immertänzerinnen“ im Alter von 68 plus mit einem Herrn ihre gemeinsam erarbeitete Version der Schöpfungsgeschichte auf die Bühne – coronabedingt erst im vierten Anlauf.

„Wir sind so froh, dass Sie wieder da sind, mit Schmerzen vermisstes Publikum“, dankte Bettina Fritsche. Denn ihre tanzbegeisterten Damen und der einzelne Herr, manche „weit in den 80ern“, mussten Sequenzen der Schöpfungsgeschichte im Lockdown zunächst per Zoom-Video einstudieren, einsam vom heimischen Wohnzimmer aus. Inspiriert von der Musik von Christian Ludwig Mayer brachten die hervorragend eingespielten „Immertänzer“ die sieben biblischen Schöpfungstage in ihrer ureigenen Version auf die Bühne.

Am Anfang war… die Musik: Sphärische Xylophon-Klänge, eine Tonleiter sind aus dem Off zu hören. Die Bühne versinkt in dunkler Finsternis. Spot on. Zu temporeicher Klaviermusik brechen die „Immertänzer“ regelrecht ins Scheinwerferlicht, erobern mit dynamischen Bewegungen, synchronen Drehungen den Bühnenraum, vermitteln mit weit ausgebreiteten Armbewegungen ihr großes Staunen über das Licht. „Es war finster, Wasserfluten bedeckten alles. Und Gott sprach: Es werde Licht“, spricht dazu die Kinderstimme von Jannis Hofmüller aus dem Off. Es ist der erste Schöpfungstag, und die „Immertänzerinnen“ auf der Bühne erwachen, vibrieren wie Espenlaub, bewegen sich synchron in Gruppen – mühelos auch über den Boden.

Tief beeindruckende Körperbeherrschung

Beim vierten Schöpfungstag – „Die Erde soll grün werden“ – zeigen einzelne Tänzerinnen des von Bettina Fritsche genial instruierten Ensembles zu rhythmischer Percussion eine tief beeindruckende Körperbeherrschung mit Drehungen, Schlangenbewegungen. Die dynamische Szene mündet im Stopp von drei Menschenskulpturen. Köstlich sind schließlich die getanzten Szenen zur Erschaffung der Tierwelt. Fische in blauen Shirts zappeln auf dem Boden im Wasser, Vögel erheben sich mit endlosen Armschwüngen und fließenden Bewegungen in die Lüfte. Und zu Lande schiebt sich die Gautinger Künstlerin Elke Hack als Reptil mit Riesenaugen über die Bühne. Zu beflügelnder Klaviermusik verkörpern „Immertänzerinnen“ wiederum einen Riesen-Elefanten mit schwingendem langem Rüssel.

„Dann schuf Gott Menschen nach seinem Bild: Er schuf Mann und Frau“, tönt die Stimme aus dem Off. Pantomimisch als Marionette erhebt sich eine Tänzerin vom Boden. Eine Frau geht auf den einzigen Mann zu. „Vermehrt euch und breitet euch auf der Erde aus – zu eurer Verantwortung“ lautet die göttliche Anweisung. Doch es folgt der Wirbel, das Donnergrollen: Gott schafft nämlich sein Ebenbild, die Menschheit. Paare mit Blindenbinde streiten sich, tragen schwer an der Last ihrer gefüllten schwarzen Plastiksäcke… Doch die grandiose Gautinger Uraufführung der „Genesis“ endet versöhnlich. Nach der Ruhe des biblischen siebten Tages richten sich die „Immertänzerinnen“ zur Auftaktmusik des kongenial komponierten Werkes wieder auf. Voller Bewunderung für die göttliche Schöpfung erheben sich Arme der Tänzerinnen und des Tänzers langsam dem (Sonnen-)Licht entgegen. Hoffnungsfroh und strahlend bewegt sich zum Finale die kleine Anna Wolf an der Hand von Immertänzer Manfred Suttorp aufs Publikum zu...

Mit dieser genialen Uraufführung der „Schöpfungsgeschichte“ hat „immertanz“ sich selbst übertroffen, wirklich alles gegeben. Da bleibt nur eines: Der Wunsch nach weiteren Aufführungen – gerne verfilmt.

Von Christine Cless-Wesle

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