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Glühendes Eisen bearbeiten die Meisterschmiede Stephan Klein (l.) und Jörg Euteneuer in der gemeinsamen Werkstatt im Gautinger Ortsteil Unterbrun n.

Handwerk

Schmiedekunst vom Feinsten

Sie sieht täuschend echt aus. Eine aus Eisen geschmiedete schwarze Katze weist den Weg zum Eingangstor. Im rückwärtigen Anbau eines Unterbrunner Hauses betreiben die beiden Handwerksmeister Stephan Klein und Jörg Euteneuer die Schmiede Klein.

Unterbrunn– Die heiße Glut lodert im Ofen. Praktikant Emilian (13) aus Aufkirchen schmiedet an einer gebogenen Auto-Stahlfeder. Und die beiden Meisterschmiede präsentieren ihre eindrucksvolle Handwerkskunst. Der schlicht gestaltete Drehhocker ist ein gelungenes Werk von Stephan Klein. Schwere, handgeschmiedete Eisenbratpfannen stellt Jörg Euteneuer her und verkauft sie direkt aus der Schmiede in Unterbrunn heraus.

In der Schmiede Klein entsteht nicht nur Neues. Dort wird auch Vieles repariert und restauriert. „Das entspricht unserer Überzeugung“, sagt Klein. Mit abgebrochenen Kochtopfgriffen kommen Kunden in die Schmiede. Ein schon recht verrostetes Tor fällt dem Besucher gleich ins Auge. Die aufwendige Jugendstil-Arbeit stammt aus einer denkmalgeschützten Villa in München-Bogenhausen, erzählt Klein. Auch für Schloss Linderhof hat der Meister schon gearbeitet. Die Befestigung der vor vier Jahren neu vergoldeten Mariensäule im Gautinger Ortsteil Buchendorf stammt ebenfalls aus seiner Schmiede. Im Auftrag der Gemeinde hat der Meister die Eisentüren des Unterbrunner Wasserhäusls von 1904 restauriert.

Hängeleuchten geschmiedet

„Viele wissen gar nicht, dass man alte Schmiedearbeiten wieder zum Leben erwecken kann“, sagt der Gründer der Unterbrunner Schmiede. Bei Restaurierungen arbeitet der Meister deshalb mit einer Allgäuer Stahlfirma zusammen, „die verrostete historische Tore oder Geländer nicht kaputt strahlt“.

„H.F. Stolberg von 1912“ prangt auf der drei Tonnen schweren Friktionsspindelpresse. Mit der Blechscheibe werden geschmiedete Schalen nachbearbeitet, erklärt Klein und zeigt eine schwarze Halbkugel, innen schimmert Blattgold – es handelt sich um den Korpus einer Hängeleuchte. „Wir haben unsere Nische gefunden“, sagt der Stockdorfer. Der fast zwei Meter groß gewachsene Handwerksmeister hat die Schmiede Klein in Unterbrunn vor 13 Jahren gegründet. Maschinen wie die „Mössner Rekord“, eine historische Vertikalsäge, um Schriften zu sägen, hat der Meister aus einer aufgelösten alten Münchener Kupferschmiede nach Unterbrunn geschafft.

Zwei Firmen unter einem Dach

„Wir sind zwei getrennte Firmen unter einem Dach“, Jörg Euteneuer (44) aus Pöcking, Vater von zwei Buben, ist mit einer Modedesignerin liiert – er kam 2010 in die Unterbrunner Schmiede. Die beiden kreativen Handwerker kennen sich seit ihrer Ausbildung im Fachbereich Gestaltung an der Münchner Meisterschule für Metallbau. „Im Portfolio haben wir auch Bohrschablonen für Knochennägel, die in der Medizintechnik benötigt werden.“

Die beiden sind ein eingespieltes Team. „Wir können auf dem Amboss sehr gut zu zweit schmieden“, sagen die beiden und demonstrieren es mit schwingenden Hämmern. Die Funken sprühen.

Zuarbeit für BMW-Konceptcar

Für die Innenausstattung eines aktuellen Konzeptcars von BMW baut die Schmiede Klein zurzeit technische Aluteile. Jörg Euteneuer zeigt Bilder seines modern gestalteten Gitters mit abstrakten Figuren: Eine Auftragsarbeit für ein renoviertes 1980er-Jahre-Haus in Pöcking.

Toter Edelstahl, der nicht rostet, ist für die beiden Meister tabu: Gebrauchsspuren seien schließlich „die Seele“ ihrer Handwerksarbeit. Wer die Füße von Kleins schlichtem Drehhocker mit Eichensitz angefasst hat oder die schweren Eisenpfannen von Euteneuer, weiß, was damit gemeint ist.

Christine Cless-Wesle

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