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Die Batterien im Glasmantel gehörten einst zum Windrad des Dörzbachhofes in Oberwies. Von der Anlage hat Hermann Geiger nur ein Foto. Das Windrad ist im Deutschen Museum zu sehen. 

Tag des offenen Denkmals

Bleischwere Relikte von Herkules

Ständig ist er auf der Suche nach historischen Relikten vornehmlich aus der Gegend um sein Heimatdorf Unterbrunn. Jetzt ist Hermann Geiger auf Speicher-Batterien eines ausgedienten Windrades gestoßen.

Unterbrunn– „Das war ein Mordsding“, erzählt Landwirtin Lydia Schaumberger vom Dörzbachhof im Gautinger Weiler Oberwies: Vier starke Mannsbilder haben einen Holzschrank mit etwa 250 Kilo schweren Original-Batterien vom Speicher ihres Dörzbachhofes geholt. Die Batterien haben die Energie gespeichert, die mit einem Windrad auf dem Hof produziert wurde. Die Windkraftanlage ist längst außer Betrieb und abgebaut worden.

Am Tag des offenen Denkmals, Sonntag, 10. September, 13 bis 18 Uhr, präsentiert Hermann Geiger den eindrucksvollen Schrank aus dem Jahr 1905 samt den Batterien im Unterbrunner Pumpenhaus.

Heimatforscher Geiger ist hellauf begeistert von seinem neuesten Coup. Bei einem Ausflug mit dem Obst- und Gartenbauverein war er mit Elisabeth Jungwirt ins Gespräch gekommen. Die Enkelin der Gründer des Dörzbachhofs in Oberwies berichtete ihm von den Originalbatterien des Windrads auf ihrem Speicher. Geiger war sofort elektrisiert: „Stromspeichern ist doch heute wieder das große Thema.“ Und er erinnerte sich: „In Unterbrunn hatten wir auch ein großes Windrad, das unsere Wasserpumpe antrieb.“ Geiger ließ die Batterien mit dem Schrank nach Unterbrunn bringen.

Laut Kreisheimatpfleger Gerhard Schober, der im historischen Unterbrunner Dorfschulhaus wohnt, kaufte Friedrich Dörzbach aus dem badischen Rappenau den Grund in Oberwies um 1815. Nachfahrin Lydia Schaumberger erinnert sich, wie ihr Vater Christoph Dörzbach am etwa zwölf Meter hohen Windrad hochklettern musste, um die Anlage zu warten. „Wenn‘s wenig Wind gab, ging der Benzinmotor an“, berichtet die 74-jährige Zeitzeugin.

In den mit dickem Glas ummantelten, bleischweren Batterien wurde einst der Strom für den Einödhof gespeichert. „Aber oft sind wir abends dagesessen, um im Radio ein Wunschkonzert zu hören – und dann war plötzlich der Strom weg“, erinnert sich die Älteste von vier Geschwistern an ihre Kindheit. Erst Mitte der 1960er-Jahre, als das Kieswerk Zeitler im angrenzenden Oberbrunn mit dem Betrieb begann, „kamen wir an die Stromleitung“, sagt die Landwirtin. Die 1905 erbaute Windrad Herkules von den Deutschen Windturbinenwerken Dresden steht heute nicht mehr beim Dörzbachhof, sondern im Deutschen Museum München. Das Windrad hatte noch bis 1965 Strom erzeugt.

Am Sonntag können interessierte Technikfreunde im Unterbrunner Pumpenhaus am Kirchweg im Rahmen des Tags des offenen Denkmals die historischen Batterien bewundern. Auch alte Fotos hat Sammler Hermann Geiger im kleinen Heimatmuseum ausgestellt. Zu sehen ist zum Beispiel eine alte Wasserleitung aus Holz (wir berichteten), aber auch eine Aufnahme des historischen Unterbrunner Windrads. Die 18 Meter hohe Anlage aus Stahl versorgte einst die Pumpe im Wasserhäusl mit Strom – bis zum Ersten Weltkrieg, schreibt Gerhard Schober in „Geschichte der Gemeinde Unterbrunn.“ Sahnehäubchen: Im direkt angrenzenden Geigerhof gibt es ab 13 Uhr Kaffee und Kuchen.

Christine Cless-Wesle

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