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Anschauungsunterricht im Wald: Förster Franz Jäger (3.v.r.) und Christian Gick (3.v.l.) von der Waldbesitzervereinigung demonstrieren an einer Fichte die Arbeitsweise des Borkenkäfers.

Forstwirtschaft

Keine Entwarnung im Jahr vier nach Niklas

Es ist das Jahr vier nach Orkan Niklas. Die vom Sturm gefällten Fichten waren für Borkenkäfer ein gefundenes Fressen. Seitdem vermehren sich die Schädlinge ungebremst, erklärten Christian Gick von der Waldbesitzervereinigung Starnberg und Gautings Förster Franz Jäger Teilnehmern einer Informationsveranstaltung bei Unterbrunn. Ein Patentrezept, um den gefräßigen Tieren beizukommen, hatten sie nicht parat. Genau das hätten die anwesenden Waldbesitzer gerne gehört.

Unterbrunn – Wer Wald besitzt, ist gesetzlich verpflichtet, seine Bäume regelmäßig auf Käferbefall zu kontrollieren und entsprechende Maßnahmen gegen eine Ausweitung des Befalls zu ergreifen. Das heißt, die Wirtsbäume gegebenenfalls fällen und mindestens 500 Meter vom Wald entfernt lagern oder im Sägewerk verarbeiten lassen.

Beides ist nicht unproblematisch. „Unser dicht bewaldeter Landkreis verfügt kaum über geeignete Lagerflächen und die Sägewerke können die angelieferte Holzmenge nicht mehr bewältigen“, sagte Jäger und ergänzte: „Das Entrinden trocknet die Larven aus, ist aber ein enormer Aufwand.“

Dem Einsatz von Insektiziden stehen die Forstleute kritisch gegenüber. Insektengift sei uneffektiv und vernichte auch Nützlinge. Schwierig zu organisieren sei der Gifteinsatz obendrein, denn selber spritzen dürften die wenigsten Waldbesitzer. Das übernehme ein Fachmann aus Frieding, und der fahre für ein paar Bäume nicht bis Leutstetten, wusste ein Teilnehmer aus Erfahrung. Es gebe zwar auch natürliche Feinde wie Spechte oder Ameisenbuntkäfer. „Die können die hohe Population aber nicht in Schach halten“, erklärte Jäger.

In einem Waldstück demonstrierten die Förster an einer Fichte das Wirken des Käfers. Der falle nicht nur über umgefallene und kranke sowie mehr als 50-jährige Bäume her. Das Anschauungsobjekt war nämlich höchstens 20 Jahre alt. Ein Waldbesitzer berichtete auch von befallenen Jungbäumen. Wer Käferbefall entdeckt, muss rasch handeln. denn die Käfer vermehren sich jährlich 100 000-mal.

Was ist zu tun? Wirksame Bekämpfung sei schwierig. Es bleibe, den Ursachen entgegenzuwirken. Ein Grundproblem seien Fichten-Mono-Kulturen. „In Mischwäldern stellen wir weniger Befall fest“, sagte Jäger. Eigentlich sollte sich der Käferbestand nach drei Jahren merklich dezimieren. Die zur Bestandskontrolle aufgestellten Lockfallen bewiesen das Gegenteil: Die Schädlinge seien nach wie vor in Scharen unterwegs. Das bestätigte eine Waldbesitzerin aus Unterbrunn: Sie kämpft seit zehn Jahren erfolglos gegen die Borkenkäfer. Jetzt ergreift sie das einzige sichere Mittel und ersetzt die Fichten nach und nach mit Buchen oder Eichen.

Von Michéle Kirner

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