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Abschied: (v.l.) Der stellvertretende Landrat Georg Scheitz, Dieter Eisenschmidt, Claudia Fritsche-Henninger, Gezim Brahimi, Gautings zweiter Bürgermeister Dr. Jürgen Sklarek, Michaela Oswald, Rainer Hoberg, Stefan Näther, Phillip Bauer und Mambo Zola gestern bei der Abschlussveranstaltung in der AOA in Gauting.

Abschied

“Jonas Better Place“ verlässt den Landkreis

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Nach gut zwei Jahren nimmt „Jonas Better Place“ Abschied vom Landkreis Starnberg. Viele Bürgermeister und Mitglieder von Helferkreisen sehen das mit Sorge.

Landkreis – Spätsommer 2015. Es sind Zeiten, in denen viel improvisiert werden muss. Zeiten, in denen sich zeigt, wer flexibel und verlässlich mit den Herausforderungen umgehen kann. Es sind die Zeiten, in denen „Jonas Better Place“ im Landkreis Starnberg aktiv wird. „Damals dachten wir vor allem an die Sicherheit in den Gemeinden und den Notunterkünften“, erinnert sich der stellvertretende Landrat Georg Scheitz an diesem verregneten Dienstagnachmittag.

Securityfirmen wurden gesucht und eher zufällig fand man „Jonas Better Place“. „Wir sind keine klassische Securityfirma“, sagt Geschäftsführer Phillip Bauer. Der Leitsatz seines Unternehmens sei seit jeher „Betreuen statt bewachen“. Die meisten der rund 300 Mitarbeiter sprechen eine oder mehrere Fremdsprachen, viele haben einen sozialpädagogischen Hintergrund. „Ich habe schon gestaunt, als die Mitarbeiter der Firma nicht in den klassischen Securityuniformen herumliefen, sondern in den blauen T-Shirts und Kapuzenpullovern“, sagte Scheitz. Der Erfolg gab „Jonas Better Place“ recht. In den zweieinhalb Jahren, in denen das Unternehmen im Landkreis Starnberg tätig war, lief die Betreuung der Asylsuchenden weitgehend reibungslos ab. Ganz im Gegenteil zu anderen Teilen Deutschlands. Dabei waren auch hier die Rahmenbedingungen schwierig. Man erinnere sich nur an die Erstaufnahmeeinrichtung in der Turnhalle in Gilching (wir berichteten). Mittlerweile stehen überall im Landkreis Containerdörfer, in denen die Asylbewerber und Fremdbeleger untergebracht sind.

Nächste Woche wird Containerdorf in Gauting bezogen

Als letztes wird in der kommenden Woche das brandneue Containerdorf am Ortsrand von Gauting bezogen. Im AOA-Gebäude laufen die Umzugsvorbereitungen, während „Jonas Better Place“ zur Abschiedsparty geladen hat. Nachdem die meisten Containeranlagen fertiggstellt und bezogen worden waren, wechselte die Zuständigkeit für Sicherheit und Betreuung vom Landkreis zur Regierung von Oberbayern. Die Leistungen schrieb der Freistaat Bayern für das gesamte Bundesland aus. Und eine andere Firma bekam den Zuschlag. Für „Jonas Better Place“ bleibt nur noch die Containerverwaltung in Hechendorf.

„Wir haben etliche Unterkünfte in München, die wir weiter betreuen. Gerade hat unsere Akademie aufgemacht, in der wir Integrations- und Sprachkurse anbieten“, sagte der andere Geschäftsführer Stefan Näther. Die meisten der 30 Mitarbeiter, die bislang im Landkreis Starnberg tätig waren, konnten in Einrichtungen in München übernommen werden.

„Auf Wiedersehen, kein Lebewohl“

„Schade, dass mir erst bei der Abschiedsveranstaltung klar wird, was für hervorragende Arbeit sie geleistet haben“, sagt Johanna Dengkwitz vom Helferkreis aus Gauting. Sie hätte sich gewünscht, dass bereits zu Beginn des Engagements der Firma eine Infoveranstaltung stattgefunden hätte. Aber dafür fehlte damals einfach die Zeit.

Bis zu 17 Einrichtungen mussten von „Jonas Better Place“ betreut werden. Die Flüchtlinge brauchten ein Bett, ein Dach über dem Kopf, etwas zu essen. Sie brauchten aber auch ein offenes Ohr, Hilfe dabei, sich im neuen Land mit neuen Regeln zurecht zu finden. Das alles fanden sie bei den Mitarbeitern von „Jonas Better Place“ Sie halfen dabei, sich in der Unterkunft, der neuen Gemeinde und schlussendlich auch in Deutschland zurecht zu finden.

Seit der Übergabe der Einrichtungen an den neuen Träger mehren sich die Beschwerden aus vielen Orten. „Wir sagen nicht Lebewohl, wir sagen Auf Wiedersehen“, meinte denn auch Jonas-Better-Place-Chef Phillip Bauer mehrdeutig. In zwei bis drei Jahren werde die Betreuung neu ausgeschrieben.

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