Jagden sind in Corona-Zeiten schwierig, müssen aber sein: Kurz vor Weihnachten werden 35 Jäger und Treiber bei Königswiesen Jagd auf Wildschweine machen – um der Afrikanischen Schweinepest Einhalt zu gebieten.
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Jagden sind in Corona-Zeiten schwierig, müssen aber sein: Kurz vor Weihnachten werden 35 Jäger und Treiber bei Königswiesen Jagd auf Wildschweine machen – um der Afrikanischen Schweinepest Einhalt zu gebieten.

50 Teilnehmer zugelassen

Kampf gegen Afrikanische Schweinepest: Drückjagd erlaubt

  • Victoria Strachwitz
    vonVictoria Strachwitz
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Es gibt nicht nur Corona – da ist auch noch die Gefahr durch die Afrikanische Schweinepest. Im Königswieser Forst findet daher ausnahmsweise eine größere Veranstaltung statt: eine Drückjagd.

Königswiesen/Hausen – Die Drückjagd im Königswieser Forst hat Tradition. Und sie ist eine der wenigen Traditionen, die in diesem Corona-Jahr Bestand haben, denn sie darf stattfinden. Es wird aber einiges anders sein als sonst: Strecke legen, Schüsseltreiben, all dies wird es nicht geben. „Der gesellschaftliche Aspekt, den der einzelne Jäger schätzt, fällt flach. Es ist eine reine Zweckveranstaltung“, sagt Wilhelm Seerieder, Betriebsleiter der Bayerischen Staatsforsten. Es gelte, den Bestand an Wildschweinen zu reduzieren, um die Verbreitung der Afrikanischen Schweinepest (ASP) zu vermeiden. „Im Raum Gauting gibt es große Wälder, die Lebensraum für Schwarzwild sind“, sagt Seerieder.

Am Montag, 21. Dezember, darf die Jagd daher mit einer Ausnahmegenehmigung des Landratsamtes Starnberg und einem ausgeklügeltem Hygienekonzept durchgeführt werden. „Die Voraussetzung ist, dass bei dieser Bewegungsjagd Schwarzwild gejagt wird“, erklärt Seerieder. Das Landratsamt habe 50 Teilnehmer zugelassen. „Das wird bei uns deutlich unterschritten.“ 35 Jäger, Hundeführer und Treiber sollen zum Einsatz kommen.

Hartwig Görtler, Vorsitzender der Kreisjägerschaft Starnberg, findet es in Zeiten von Corona richtig zu überlegen, ob und wie man eine Großveranstaltung durchführe. Im Forst Kasten, auf der anderen Seite der Gemeinde Gauting, wurde die Drückjagd der Städtischen Forstverwaltung München heuer abgesagt (wir berichteten). Aufgrund der Nähe zur Stadt und der entsprechenden Bedeutung dieses Waldes als Naherholungsgebiet fand diese Entscheidung seine Zustimmung. Grundsätzlich ist Görtler aber überzeugt, dass man der Afrikanischen Schweinepest entgegentreten muss. Insofern begrüßt er es, dass die Drückjagd im Königswieser Forst stattfinden soll: „Das kann man durchaus verantworten.“

Seerieder erläutert, die Schweinepest sei in Brandenburg und Sachsen nachgewiesen worden. „Das wandert zunehmend nach Süden“, sagt er. Es gebe eine Abschussprämie vom Staat, die kürzlich erst von 20 auf 70 Euro pro Stück erhöht worden sei. „Daran kann man ablesen, dass ein gewisser Druck dahinter ist.“ Görtler erklärt den Ernstfall: „Sollten wir einen Schweinepest-Fall haben, gibt es ein absolutes Betretungsverbot der Wälder und Wiesen, da wird dann radikal bejagt, um die Infektionskette zu unterbrechen.“ Dann könne die Bevölkerung nicht mehr in die Natur gehen, was in Zeiten der Corona-Pandemie besonders tragisch wäre.

In den vergangenen Jahren seien bei der Drückjagd im Königswieser Forst immer rund zehn Stück Schwarzwild innerhalb von zwei Stunden geschossen worden. „Auf der Einzeljagd braucht man dafür Wochen“, sagt Seerieder. Letztlich hänge der Erfolg von Wetter, Hunden und Schützen ab. „Wir hoffen, dass wir erfolgreich sind.“

Für die Drückjagd am 21. Dezember gilt auf der Kreisstraße STA 3 zwischen Hausen und Königswiesen zumindest zwischen 9 und 12 Uhr eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 50 Kilometer pro Stunde.

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