Durch Wasserwalze gespült: Junger Mann stirbt in der Isar

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Weiter kam der Bau nicht: Ein Teil der Halle in Gauting war errichtet, als der Baustopp erging. Der Kreis hat bis heute keinen Abnehmer für die Reste. 

Asylbewerber-Unterbringung

Fast eine Million für nie genutzte Halle

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Mit den Spätfolgen der Flüchtlingskrise hat der Kreis seine Not: Die in Gauting nie fertiggestellte Halle für Asylbewerber könnte den Kreis fast eine Million Euro kosten – dabei hat sie gar kein komplettes Dach.

Landkreis– Hat sich der Landkreis einen teuren Sonderweg geleistet oder am Ende Geld gespart? Die möglichen Folgekosten des Hallenkonzeptes zur Unterbringung von Asylbewerbern aus dem Jahr 2015 treiben manchem Kreisrat durchaus Sorgenfalten auf die Stirn und die Zornesröte ins Gesicht. In der Kritik steht der Freistaat.

Im Herbst 2015, als die Flüchtlingswelle stark und die Zahl der Unterkünfte gering war, musste der Landkreis schnell Kapazitäten für eine Notunterbringung schaffen. Turnhallen habe man nicht belegen wollen, sagte der zuständige Geschäftsbereichsleiter Stefan Derpa bei der gestrigen Kreistagssitzung – weil man die Schulen und Vereine nicht belasten wollte. Zudem musste nicht selten nach Ende der Zeit als Notunterkunft in die Hallen investiert werden, beispielsweise in Inning.

So entstand unter Federführung von Kreisbaumeister Dr. Christian Kühnel ein Konzept, aus ursprünglich als Reithallen gedacht Thermobauten Wohnhallen zu machen mit Zimmern, zwei Großküchen, Aufenthaltsräumen und dergleichen mehr. Vier Stück bestellte der Kreis – er ging davon aus, dass er sie brauchen wird. Jene in Gauting wurde begonnen, die in Starnberg, Höhenrain und Pöcking wurden geplant. Dann wurde die Balkanroute dichtgemacht, und die Flüchtlingswelle ebbte ab.

Der Kreis stornierte drei Hallen, was ihn 65 000 Euro Abschlag kostete. Die Gautinger Halle musste er Derpa zufolge abnehmen – so, wie sie war, nämlich halbfertig und ohne Dachplatten. Preis: rund 675 000 Euro. Mit Erschließung und dergleichen seien Gesamtkosten von fast einer Million aufgelaufen. Über eine Kostenerstattung durch den Freistaat verhandelt der Kreis zwar weiterhin, hat aber vom Innenministerium eine klare Absage: Da der Kreis seinerzeit die Halle vom Freistaat hätte bezahlen lassen können – was Landrat Karl Roth zu unsicher war, weil zu langwierig –, müsse er die Kosten nun auch selber tragen. Roth räumte im Kreistag ein, diese Rechtsauffassung sei zutreffend, jedoch sei die Folge der „Eilentscheidung unter Druck“ noch keineswegs ein finanzieller Totalverlust. Die Regierung von Oberbayern sei an der Halle interessiert und würde sie bezahlen. Selbst dann bliebe der Kreis auf mehreren Hunderttausend Euro sitzen.

Für Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) Anlass für scharfe Kritik am Freistaat: „Die Kommunen werden ein Stück weit alleingelassen.“ Klagen will Roth nicht, auch wenn ein Anwalt eingeschaltet sei – der Landrat will ein Gesamtpaket mit dem Freistaat vereinbaren, der ein paar Containeranlagen kaufen soll bzw. gekauft hat. Derpa machte deutlich: „Wir sind gut beraten, das Gesamtpaket anzunehmen.“ Details zu diesem Paket sind nicht bekannt – die Verträge sind nicht geschlossen, die Beratung erfolgte gestern nichtöffentlich.

Die Freien Wähler wollen nicht Geld des Kreises für Aufgaben des Freistaates verwendet sehen. „Wir haben die Halle nicht gekauft, um Sportveranstaltungen unterzubringen“, merkte Matthias Vilsmayer an. Sollte ein Verkauf der Halle an die Regierung von Oberbayern nicht klappen, wollen einige Kreisräte sehr wohl vor Gericht ziehen. Roth hingegen will eine wirtschaftliche Verwertung – meint Verkauf – der in Memmingen in einer angemieteten Halle gelagerten Leichtbauhalle.

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