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Wut über weniger Beratung: Helfer ruft Landtag an

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Der Freistaat reduziert die Beratung für Asylbewerber und anerkannte Flüchtlinge. Professor Jürgen Schade vom Helferkreis Gauting hat daraufhin eine Petition an den Bayerischen Landtag eingebracht.

Landkreis – Der Freistaat reduziert die Beratung für Asylbewerber und anerkannte Flüchtlinge. Statt elf Vollzeitstellen sollen bis Jahresende nurmehr 6,7 Vollzeitstellen für die Beratung von Migranten zur Verfügung stehen. Das bedeutet vermutlich vor allem mehr Arbeit für die Helferkreise. Denn die Beratung soll künftig nicht mehr in allen Unterkünften stattfinden. Prof. Jürgen Schade aus Gauting versucht mit einer Petition an den Landtag, diese Entwicklung zu stoppen.

Bis Ende 2017 gab es zwei Formen der Beratung, die im Landkreis der Trägerverein Hilfe von Mensch zu Mensch (HvMzM) angeboten hat. Die eine war die Asylsozialberatung für Asylsuchende und geduldete Asylbewerber. Die andere Form war die Migrationsberatung für anerkannte Asylbewerber und Menschen mit Migrationshintergrund. Eine Richtlinie des bayerischen Sozialministeriums führt diese beiden Formen der Beratung zusammen. „Ab jetzt gibt es keine Unterschiede mehr“, sagt die HvMzM-Vorsitzende Sadija Klepo. „Ab 1. Februar gibt es eine Flüchtlings- und Integrationsberatung für alle Menschen mit Migrationshintergrund.“

Die Zusammenlegung der beiden Beratungsformen stört den Verein nicht so sehr. „Die neue Richtlinie gibt uns den Auftrag, die Integration zu beschleunigen“, sagt Klepo. Die Wahl sei einfach: „Die Leute müssen raus aus den Unterkünften und rein ins Leben – oder wir müssen ihnen helfen, dass sie freiwillig in ihre Heimat zurückkehren.“ Was Klepo und die für den Landkreis zuständige Mitarbeiterin Ramona Greber an der Neuerung stört: Die Beratungen sind künftig für einen erweiterten Kundenkreis, aber in weniger Zeit zu erledigen. Zum Jahresende waren es elf Vollzeitstellen, die in Starnberg für die Beratung eingeteilt waren. Derzeit sind es laut Greber 8,37 Stellen bzw. zehn (Teilzeit-)Mitarbeiter. Zum Jahresende 2018 sollen es 6,7 Vollzeitstellen sein.

Für den Asylhelfer Schade ist das kaum zu schaffen. „Wenn man nur von den 1682 Flüchtlingen ausgeht, die im Landkreis untergebracht sind, ergibt sich bei 6,7 Stellen ein Schlüssel von 251 zu betreuenden Personen pro Stelle“, schreibt er in einer Petition an den Landtag. Mit der will er erreichen, zumindest den alten Zustand mit elf Stellen wieder herstellen zu können. Denn für Schade ist klar: Wenn der Einsatz der hauptamtlichen Helfer für Menschen mit Migrationshintergrund weniger wird, bleibt mehr Arbeit an den ehrenamtlichen Helfern hängen.

Das befürchtet Landrat Karl Roth auch. Er hat deshalb beim Landkreistag einen Vorstoß gemacht, die Richtlinie zu ändern. „Aber auf normalem Weg geht das nicht mehr“, sagt er. Deshalb begrüßt er Schades Petition, weil er die Reduzierung der Stellen für problematisch hält. „Grundsätzlich ist es gut, dass die Asylberatung und die Migrationsberatung von derselben Person gemacht werden“, sagt Roth. Doch die Themen seien vielfältig, da brauche man einfach Zeit. „Bisher hatten wir einen Schlüssel von 150:1.“

Roth, Schade und ehrenamtliche Helfer befürchten eine weitere negative Entwicklung durch die Reduzierung von Sprechstunden. Der Verein Hilfe von Mensch zu Mensch bietet seine Beratungen künftig nicht mehr in allen Flüchtlingsunterkünften an, sondern nur noch in Starnberg, Gauting, Herrsching und Weßling. „Dadurch wird gewährleistet, dass keiner der Geflüchteten eine Fahrzeit von über 35 Minuten – in den meisten Fällen deutlich weniger – mit öffentlichen Verkehrsmitteln auf sich nehmen muss, um eine Beratungsstelle aufzusuchen“, teilt der Verein mit. Doch gleichzeitig ist die Präsenz in den anderen Unterkünften nicht mehr gegeben. Das heißt, auch bei sozialen Spannungen ist niemand da, um helfend einzugreifen. „Der Beratungsbedarf ist nach wie vor sehr hoch“, sagt Roth. „Am besten wäre es, es gäbe die vier Büros und jemanden vor Ort als Ansprechpartner.“  edl

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