Aus dem Amtsgericht

Letzte Chance für Mehrfachtäter

Gauting - Gerade noch einmal ohne Gefängnis kam ein 45-Jähriger davon, der wegen Fahrens ohne Führerschein angeklagt war. Es war nämlich nicht das erste Mal.

Seine Hilfsbereitschaft muss ein 45-jähriger Mann aus Gauting teuer bezahlen. Vor dem Starnberger Amtsgericht hatte sich der bereits sechsfach vorbestrafte Angestellte wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis zu verantworten und handelte sich gerade nochmals eine Bewährungsstrafe ein.

Familiärer Freundschaftsdienst mit fatalen Folgen: Als seine künftigen Schwiegereltern Mitte April mit einem Rohrbruch zu kämpfen hatten, krempelte der Gautinger spontan die Ärmel hoch und packte mit an. Nach getaner Arbeit war seine Verlobte zu müde zum Heimfahren und bat den Angeklagten, sich hinters Steuer zu setzen. Was die junge Frau nicht wusste: Ihrem Ehemann in spe war bereits im Februar 2014 wegen einer Trunkenheitsfahrt die Fahrerlaubnis entzogen worden. Seitdem hat der Gautinger keinen neuen Führerschein erworben. Zwar war die Strecke von München-Bogenhausen nach Gauting nur etwa 20 Kilometer lang, doch das Schicksal meinte es nicht gut mit dem 45-Jährigen. Knapp vor der Wohnungstür geriet das Paar in eine Verkehrskontrolle und die Sache flog auf.

Staatsanwaltschaft wollte vier Monate Haft

„Ich bereue es zutiefst. Ich bin Alleinversorger unserer Familie“, erklärte der Gautinger vor Gericht und bat eindringlich um eine Strafaussetzung zur Bewährung. Für die Staatsanwaltschaft kein Grund zum Einlenken. „Vier Bewährungsstrafen liegen vor. Eine läuft noch. Der Angeklagte hat viele Chancen bekommen“, sagte der Staatsanwalt und plädierte für eine viermonatige Vollzugsstrafe.

Dass er dennoch auf freiem Fuß bleiben darf, verdankt der Gautinger dem Urteil von Richterin Christine Conrad. Trotz offener Bewährung drückte das Gericht ein Auge zu und setzte die viermonatige Freiheitsstrafe für den werdenden Vater zur Bewährung aus. Die Bewährungszeit beträgt drei Jahre, und der Angeklagte muss eine Geldauflage von 2500 Euro bezahlen. „Die Frage einer letzten Chance stand Spitz auf Knopf. Ich habe mich aber doch noch für eine letzte Chance entschlossen. Wenn noch mal etwas vorkommt, dann können Sie ihre Zahnbürste packen“, sagte die Richterin unmittelbar nach der Urteilsverkündung.

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa/dpaweb

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