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Aus diesem Wrack stieg Michael Frenzel am vergangenen Montag. Sein Skoda Octavia war erst unter der Mittelleitplanke zum Stehen gekommen.

Auf A95 Richtung München

Nach Reifenplatzer mit 180 km/h in die Leitplanke: So erlebte der Fahrer den Horrorunfall

  • Tobias Gmach
    vonTobias Gmach
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Wie ist es, einen Autounfall mit 180 km/h unverletzt zu überleben? Kaum jemand kann das wohl besser erzählen als der Gautinger Friseur Michael Frenzel. Schließlich hat er ein solches Szenario nun schon zum zweiten Mal erlebt.

  • Bei rund 180 km/h ist einem Gautinger auf der A 95 ein Reifen geplatzt.
  • Der 45-jähriger Fahrer stieg danach aus und sagte: „Mir fehlt nichts“.
  • Nun hat er den Horror-Unfall aus seiner Sicht geschildert.

Gauting – Der Montagabend dieser Woche, 20.50 Uhr, die A 95zwischen den Anschlussstellen Sindelsdorf und Penzberg: Michael Frenzel fährt mit seinem Skoda Octavia auf der linken Spur Richtung München. Der Gautinger, 45 Jahre alt, lässig-sportlicher Typ, kommt vom Walchensee. Er war dort beim Tauchen. Die Autobahn ist ziemlich frei und trocken. Es geht gerade aus – mit 180 km/h. „Auf einmal tut es einen Schnalzer. Alles fängt an zu vibrieren. Ich habe schnell vermutet, dass irgendwas mit dem Reifen ist“, erzählt Frenzel. Mit dem Platzer des rechten Hinterreifens beginnt ein Horrorunfall, an dessen Ende sein Auto völlig demoliert unter der Mittelleitplanke hängen wird. Aber Frenzel wird aussteigen und zu hilfsbereiten anderen Autofahrern sagen: „Mir fehlt nichts.“

Reifenplatzer bei 180 km/h auf der A 95 Richtung München: Gautinger nur leicht verletzt

Drei Tage später. Der Gautinger Friseur ist aus dem Krankenhaus entlassen worden und arbeitet schon wieder. Die Ärzte haben ihn ausgiebig durchgecheckt, per Computertomografie den ganzen Körper durchleuchtet. Doch der kleine Schnitt an der linken Hand ist die einzige Verletzung, die an den Unfall erinnert. Frenzel ist klar: „Es war wahnsinnig viel Glück dabei. Die meisten steigen da nicht aus und sagen: Mir fehlt nichts. Sie sagen nie wieder was.“

Aus diesem Wrack stieg Michael Frenzel am vergangenen Montag. Sein Skoda Octavia war erst unter der Mittelleitplanke zum Stehen gekommen.

Sekunden nach dem Reifenplatzer bricht das Heck des Skodas aus. Frenzel versucht, erst leicht gegenzulenken und dann vorsichtig zu bremsen. „Ich dachte kurz, es funktioniert“, wird er später sagen. Tut es nicht. Er verliert die Kontrolle über den Wagen, kann das Schleudern nicht verhindern, prallt gegen die rechte Leitplanke, driftet dann nach links und rast auf die Mittelleitplanke zu. Frenzel: „Ich habe mich auf den Einschlag vorbereitet.“ Komischerweise, so sagt er jetzt, erinnert er sich in diesen Sekunden an Videos von Motorradfahrtrainings. Deshalb streckt er die Arme durch. Dann presst er sich in seinen Sitz und schließt die Augen.

Gefühlte vier Sekunden später. Der Skoda hängt mit der Front in die Gegenrichtung unter dem Blech. Im Auto regiert der Qualm der pulverisierten Airbags, alle sechs Stück sind aufgegangen. Frenzel steigt aus, sammelt noch Handy, Geldbeutel, Schlüssel ein. Er denkt an seinen Ausweis. „Ich war sicher unter Schock, aber auch sehr gelassen und klar.“ Ein Arzt und ein Polizist, die beide zufällig vorbei kommen, kümmern sich um ihn, bringen Wasser und fragen nach seinem Befinden. Eine Frau stellt ein Warndreieck auf und drosselt den Verkehr per Handzeichen. Polizei, Sanka und Feuerwehr sind schnell da, den Notruf hat Frenzels modernes Auto gleich selbst abgesetzt.

Reifenplatz bei 180 km/h - „Ich musste noch nie den Führerschein abgeben.“

Drei Tage später. Sind Sie generell eher der Schnellfahrer? Diese Frage muss sein. Frenzel betont: „Nein, ich fahre dem Verkehr angepasst. Ich musste noch nie den Führerschein abgeben.“ Und viel Erfahrung habe er auch. Für eine große deutsche Haarkosmetik-Firma war der gebürtige Gautinger jahrelang bundesweit als Fachtrainer unterwegs, klärte Friseure über die Spezifika der Beauty-Produkte auf. 250 000 Kilometer sei er in dieser Zeit gefahren – „unfallfrei“. Was nicht heißt, dass er vor dem Crash auf der A 95 noch nie einen hatte. Vier waren es insgesamt sogar. „Und die Autos konnte man immer zum Schrottplatz bringen.“

Zum Beispiel im Jahr 2009 bei Köln. Damals war kein Reifenplatzer schuld, sondern laut Frenzel ein anderer Fahrer, der vom Autobahnzubringer gleich auf die linke Spur zog. Frenzel, auch damals mit 180 km/h unterwegs, stieg in die Eisen, sah aber, dass sich der Aufprall auf den Wagen vor ihm nicht verhindern ließ. Deshalb lenkte er in eine Betonwand an der Seite, zur Kollision kam es trotzdem. Doch es ging gut aus. Frenzel und der andere stiegen aus, beide nahezu unverletzt. Heute, elf Jahre später, sagt der Gautinger mit den wohl meisten Schutzengeln: „Autounfälle kann ich jetzt, da brauche ich keine mehr.“

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