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Der Vorsitzende der Musikfreunde Gauting, Dr. Ernst Blümner, präsentiert das Programmheft zum Jubiläum des Vereins. 

Vereinsjubiläum

Musikfreunde feiern mit Beethoven

Die Gautinger Musikfreunde feiern heuer Geburtstag, einen runden – den 50. In den Mittelpunkt ihrer Jubiläumskonzerte stellen sie eine Musikgröße, dessen Geburtstag sich 2020 ebenfalls „rundet“: Ludwig van Beethoven wurde vor 250 Jahren geboren.

Gauting „Eine falsche Note zu spielen, ist unbedeutend, ohne Leidenschaft zu spielen, ist unverzeihlich.“ Mit diesem Beethoven-Zitat gratuliert Gautings Bürgermeisterin Dr. Brigitte Kössinger dem „herausragenden“ Orchester des Vereins der Musikfreunde zum 50. Geburtstag. Dem ersten Violinisten des Ensembles und Vorsitzenden des Vereins, Dr. Ernst Blümner, spricht der „Gigant“ Ludwig van Beethoven mit seinen Worten aus dem Herzen.

Premiere feierte das Orchester mit dem Eröffnungskonzert fürs Otto-von-Taube-Gymnasium 1968 – damals noch im Anbau der mittlerweile abgerissenen historischen Grundschule beim Bahnhof. „In Gauting gab es in jener Zeit nur wenig Kulturleben“, wirft Blümner den Blick zurück. Um die Musiker-Szene am Ort zu beflügeln, wurde daher der Verein der Musikfreunde gegründet. „Etwa 250 Konzerte haben wir veranstaltet – davon 170 mit großem Orchester“, zieht der erste Violinist nach einem halben Jahrhundert eine beeindruckende Bilanz.

Bei der Gründung stand George Byrd am Pult. In den 1970er Jahren und dann wieder seit 1993 leitete der Klinge-Preis-Träger Ulrich Weder, früherer Dirigent am Münchner Gärtnerplatz-Theater, das Orchester. Das Repertoire umfasst das gesamte Spektrum von Barock bis Moderne. Nach dem plötzlichen Tod von Weder 2012 übernahm sein ehemaliger Schüler Dorian Keilhack „die Gautinger“. Vom Leiter der Opernschule des Landeskonservatoriums Innsbruck und Chefdirigent der Vogtland Philharmonie und dessem Netzwerk profitiert das Orchester: Die junge Sopranistin Sofia Pisching brillierte gerade beim umjubelten Weihnachtskonzert (wir berichteten).

Solisten und junge Preisträger aus der Region zu engagieren, ist eines der größten Anliegen der Musikfreunde. So konzertierte die inzwischen weltbekannte Geigen-Virtuosin Julia Fischer schon als Zehnjährige mit dem Orchester ihrer Heimatgemeinde. Weil es damals das Bürger- und Kulturhaus Bosco noch nicht gab, ging das Mozart-Violin-Konzert mit Julia Fischer in der Turnhalle der alten Realschule über die Bühne. Ebenso das Brahms-Konzert mit der heutigen Weltklasse-Geigerin im Jahr 2003. Mehrfach spielte ein weiterer Violin-Virtuose aus dem Würmtal mit den Gautingern: Professor Ingolf Turban. Und die heutige Violin-Professorin Lena Neudauer begeisterte 2002 mit dem Dvorak-Konzert. Geglückt ist die Zusammenarbeit der Musikfreunde mit der Kirchenmusik von St. Benedikt. Über die Gemeindegrenzen hinaus bekannt sind die gemeinsamen Aufführungen am zweiten Weihnachtsfeiertag in der stets zum Bersten vollen Gautinger Pfarrkirche.

Langjähriger Mäzen der Musikfreunde war der 2009 verstorbene Senator Günther Klinge. Die Gemeinde Gauting und die Sparkassen-Stiftung fördern inzwischen die Konzerte des Vereins mit professionellen Solisten und Bläsern. Doch weil die Gemeinde ihre freiwilligen Zuschüsse aus Geldnot senken musste, sucht Vereinschef Blümner noch dringend Sponsoren – insbesondere für das gerade begonnene Jubiläumsjahr.

Drei Konzerte anlässlich des 50. Vereinsgeburtstages stehen auf der Agenda des Orchesters. Zum Auftakt konzertieren die Gautinger am Sonntag, 29. März, mit dem im Würmtal aufgewachsenen Pianisten Benjamin Moser. Aufgeführt wird Beethovens Klavierkonzert Nr. 3 in c-Moll. Aber auch die „Die Große“ (Sinfonie) von Franz Schubert wird unter der Leitung von Dorian Keilhack erklingen. Ein weiterer Höhepunkt werden die Mozart- Arien mit Bariton Christian Hilz und Kontrabassist Alexander Rilling am Sonntag, 5. Juli. Auch Beethovens „Eroica“ steht bei dem zweiten Jubiläumskonzert auf dem Programm. Und mit dem Weihnachtskonzert beschließen die Musikfreunde die Geburtstagsfeiern. Aufgeführt wird am zweiten Weihnachtstag gemeinsam mit Solisten und dem Chor von St. Benedikt der „Messias“ von Georg Friedrich Händel.

Für den Mediziner und Mathematiker Dr. Ernst Blümner, der als Gymnasiast sozusagen nebenher am Augsburger Musikkonservatorium Violine studierte, ist es ein Rätsel: Warum arbeiten hochkarätige Dirigenten wie einst Weder und heute Keilhack mit einem Laien-Ensemble? „Das macht mir Freude, weil ich sehe, dass etwas dabei herauskommt“, zitiert Blümner die Antwort Keilhacks auf seine Frage. Das erinnert den 72-jährigen Violinisten wieder an das Beethoven-Zitat: „Eine falsche Note zu spielen ist unbedeutend; ohne Leidenschaft zu spielen ist unverzeihlich.“

Von Christine Cless-Wesle

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