Stammzellenspender aus Überzeugung: Alexandra Höchstetter und ihr Sohn Lukas.
+
Stammzellenspender aus Überzeugung: Alexandra Höchstetter und ihr Sohn Lukas.

„Ich wusste, der Mensch lebt“

Mutter und Sohn als Lebensretter: Zwei Gautinger erste Stammzellenspender aus derselben Familie

  • Simon Nutzinger
    vonSimon Nutzinger
    schließen

13 Jahre ist es her, als Alexandra Höchstetter einem Menschen das Leben gerettet hat. Nun hat Sohn Lukas es ihr gleichgetan. Gemeinsam sind sie beiden Gautinger die ersten Stammzellenspender aus derselben Familie.

Gauting – Es ist nur ein Satz. Lediglich ein paar Worte, festgehalten in einer schlichten Postkarte. Sonst nichts. Doch lässt die Nachricht bei Alexandra Höchstetter, 52, auch nach 13 Jahren noch immer die Gänsehaut sprießen. „Danke für ein geschenktes Leben von mir und meiner Familie“, steht in der Karte, die damals plötzlich im Briefkasten lag. Absender unbekannt. Aber das machte nichts. Die Gautingerin wusste, von wem sie kam. Etwa ein Jahr zuvor hatte sie Stammzellen gespendet, um einem Blutkrebs-Patienten das Leben zu retten. Mit der Postkarte war klar, dass es geklappt hatte. „Ich wusste, der Mensch lebt“, sagt Höchstetter. „Ein unbeschreibliches Gefühl, dass mich bis heute berührt.“ Vor wenigen Wochen hat Sohn Lukas es ihr gleichgetan. Auch er hat seine Stammzellen weitergegeben. Gemeinsam sind sie nun die ersten beiden Stammzellenspender der Gautinger Stiftung Aktion Knochenmarkspende Bayern (AKB), die aus derselben Familie kommen.

„Ein wirklich sehr außergewöhnliches Ereignis“, sagt Dr. Ulrich Hahn von der AKB. Zwei Spender, die miteinander verwandt sind, gebe es hin und wieder. Aber Mutter und Sohn als Lebensretter, das sei neu. „So etwas hat es bei den mittlerweile weit über 5000 Spenden, die unsere Stiftung vermittelt hat, noch nicht gegeben.“

Nach 13 Jahren kam der Anruf von der AKB

Alexandra Höchstetter hatte sich bereits 1995 als 26-Jährige als freiwillige Stammzellenspenderin registrieren lassen. Den Anruf von der AKB, dass ihre Zellen gebraucht werden, erhielt sie aber erst 13 Jahre später. Dann ging alles sehr schnell. Ein Tag in der Klinik, schon war die Aktion vorbei. „Das fand ich damals total verrückt“, sagt die dreifache Mutter. „Mich hat die Spende lediglich einen Tag meines Lebens im Krankenhaus gekostet – und für den Empfänger hat sie alles bedeutet.“

Fasziniert von dieser Erfahrung, drängte Alexandra Höchstetter in der Folge darauf, dass sich ihre Familienmitglieder ebenso als Stammzellenspender melden. Kaum 18 Jahre alt, ließ sich ihr heute 22-jähriger Sohn Lukas also in das weltweite Spendenregister aufnehmen. Bei einer Typisierungsaktion in Gauting gab er seine Blutprobe ab, aus der seine Gewebemerkmale analysiert wurden. Vor wenigen Wochen, also vier Jahre später, war es dann soweit: Seine Gewebemerkmale passten mit denen eines schwerkranken Leukämie-Patienten überein – Lukas Höchstetter wurde von den Ärzten als Stammzellenspender ausgewählt. Eine gründliche Voruntersuchung und einen Tag im Krankenhaus später, dann war auch hier alles erledigt. Seine Mutter sagt: „Dass es so viele Jahre nach mir bei einem meiner Söhne dazu kommt, hätte ich niemals gedacht.“

„Ein Kennenlernen wäre sehr schön“

Ob die Spende von Lukas erfolgreich war, wissen die Höchstetters nicht. Es ist den Empfängern selbst überlassen, ob sie mit ihren Spendern in Kontakt treten möchten. Alexandra Höchstetter ist zwar bis heute sehr glücklich über die Postkarte von damals, hat allerdings sonst keinerlei Informationen, wer der Mensch ist, dem sie vor 13 Jahren das Leben gerettet hat, oder wie es ihm geht. Ihrem Sohn wünscht sie, dass es bei ihm anders läuft. „Die Möglichkeit eines Kennenlernens wäre sehr schön“, sagt sie. „Man ist ja so etwas wie genetische Zwillinge – da gäbe es sicher Spannendes zu erzählen.“

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare