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Das gelungene Backhäusl bewundern (v.l.) Hermann Geiger, Martina Bayer, Franz Bayer, Bürgermeisterin Dr. Brigitte Kössinger, Angelika Göschl, Kirsten Albrecht, Nikolaus Höger, Florian Gemach sowie Florian „Nockerl“ Lindau. 

Backhäusl im Pfarrhof Unterbrunn

Das neue Leben der alten Güterhalle

Die Unterbrunner sind – dank Hermann Geiger – für manche Überraschung gut: Nach der Sanierung des historischen Feuerwehrhauses ist der Dorfgemeinschaft ein weiteres Paradestück gelungen – ein Backhäusl aus alten Steinen der abgetragenen Güterhalle am Gautinger Bahnhof.

Gauting Die offizielle Einweihung des Backhäusls im Unterbrunner Pfarrhof war gestern. Seine Feuertaufe hatte das Häusl aber bereits am vergangenen Wochenende beim „Winterzauber“ im Pfarrhof bestanden. „Das war richtig stimmungsvoll“, schwärmte Bürgermeisterin Dr. Brigitte Kössinger von der vorweihnachtlichen Veranstaltung. Christine Kratochwil aus Oberpfaffenhofen hatte im Backhäusl Kindern und deren Eltern aus ihrem Märchenbuch vorgelesen, berichtete Pfarrhof-Verwalterin Angelika Göschl bei der Einweihungsfeier.

Göschl war gleich „Feuer und Flamme“, als ihr das Unterbrunner Urgestein Hermann Geiger erstmals von seinem Backhäusl-Projekt vorgeschwärmt hatte. „Ich wollte den Gautingern das schlechte Gewissen nehmen“, scherzte er. Denn die historische Güterhalle beim Bahnhof war dem Verkehr im Weg gestanden und musste abgetragen werden. Der leidenschaftliche Sammler Geiger kam auf die Idee, die Steine aus dem Abbruch wieder zu verwenden. Im Gegensatz zum mehrfach modernisierten Bahnhofsgebäude war die zwischen 1880 und 1890 im Jugendstil erbaute Halle noch im Original erhalten, erklärte Hochbauamtsleiterin Christiane Ait.

Geiger schritt zur Tat: Wie schon zuvor beim Erhalt des historischen Unterbrunner Feuerwehrhauses unterstützte Ait den Unterbrunner und die Dorfgemeinschaft. Etwa 20 Ehrenamtliche packten mit an. Aus dem riesigen Steinhaufen, der auf dem Gelände der Asklepios-Klinik zwischengelagert war, klopften Frauen, Kinder und Männer den Mörtel von den Steinen. Ein einzelner historischer Baustein kostet mindestens drei Euro, rechnete Geiger vor. „Und wir haben im Backhäusl 1200 bis 1300 Steine verbaut, also der Gemeinde Gauting etwa 3500 Euro gespart.“

Das Ergebnis gediegener Handwerkskunst kann sich sehen lassen. Den Garten des denkmalgeschützten Pfarrhofs, ein restauriertes Juwel aus dem Jahr 1915, schmückt nun das Backhäusl. Die Gemeinde hat in das drei mal vier Meter Grundfläche messende Häusl 14 000 Euro investiert, erläuterte Christiane Ait. Aus der Gemeindekasse wurden nur der gezimmerte und gedeckte Dachstuhl und die Elektrik finanziert: „Der Rest waren freiwillige Leistungen.“

Die Jugendstil-Außenlampe, aber auch die mit zwei Rosetten von der Güterhalle verzierte Holztür aus einem Gautinger Abbruchhaus stammen aus dem reichen Fundus von Geiger: Einen mobilen Backofen aus der Jahrhundertwende von einem Hof in Oberbrunn wird der Sammler noch liefern. Zum Abschluss des Projekts wird ein gelernter Ofenbauer, 80-jährig und bereits in Rente, den Ofen mauern. Pfarrhof-Verwalterin Angelika Göschl freut sich schon aufs gemeinsame Brotbacken. Selbst Kreisheimatpfleger Gerhard Schober, der gegenüber im alten Schulhaus wohnt und dem Backhäusl erst skeptisch gegenüberstand, sei inzwischen „total happy“, verriet Geiger.

Christine Cless-Wesle

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