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Neue Radrouten vorerst zu teuer

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Derzeit ein Trampelpfad: Einige Gemeinderäte wollen an der Ammerseestraße eine Radwegabkürzung zum Masurenweg – vor 2023 wird das jedoch nicht.
Derzeit ein Trampelpfad: Einige Gemeinderäte wollen an der Ammerseestraße eine Radwegabkürzung zum Masurenweg – vor 2023 wird das jedoch nichts. © Andrea Jaksch

Mehrere Gemeinderäte wollten per Antrag im Gautinger Westen neue Radwegeverbindungen schaffen – doch sie scheiterten an der leeren Gemeindekasse. Nächstes Jahr sollen die Ideen wieder auf den Tisch kommen.

Gauting – Mit einem Gemeinschaftsantrag „Radwege im Gautinger Westen“ stießen die Gemeinderäte Stephan Ebner, Florian Egginger (beide CSU), Dr. Matthias Ilg (Grüne) und Axel Höpner (Menschen für Gauting) im jüngsten Umwelt-, Energie- und Verkehrsausschuss auf Widerstand. Bürgermeisterin Dr. Brigitte Kössinger warnte vor Folgekosten auch durch die Verkehrssicherungspflicht, die die Gemeinde übernehmen müsste. Deshalb wurde der Antrag zurückgestellt – bis zu den Etatberatungen 2023.

Beim STAdtradeln hatten sich bekennende Alltagsradler und Gemeinderäte aus drei Fraktionen den Westen vorgeknöpft, erklärte der Königswieser Ilg (Grüne). Dort entstehen unter anderem Handwerkerhof und das künftige Gewerbegebiet „Gautinger Feld“. Für alle Verkehrsteilnehmer wäre es daher „von hohem Nutzen“, wenn Radler nicht auf der stark befahrenen Ammerseestraße unterwegs wären. Deshalb empfahl das Team um Mobilitäts-Referenten Egginger (CSU) einen Durchstich von der Staatsstraße nach Unterbrunn über den Masurenweg im Wald des sogenannten Kreuzlinger Dicks bis zur nördlichen Germeringerstraße am Schulcampus. Der momentan zugewucherte historische Masurenweg bis zur S-Bahn in Stockdorf sei bereits in Landkarten von 1920 eingezeichnet. Diese verbesserte Radroute wäre in überschaubarem finanziellem Rahmen realisierbar und von der Tiefbau-Ingenieurin Beatrice Bruns bereits geprüft, erläuterte Ilg.

Als zweiten befestigten Radweg schlug das Räte-Team den Trampelpfad am Wiesenrand zwischen Pötschener- und Danziger Straße vor, und die dritte verbesserte Radwegeverbindung wäre der im Gesamtverkehrskonzept verankerte Zwei-Kilometer-Radweg von Königswiesen bis zum Südeingang des Asklepios-Geländes. Diese bereits genutzte Route müsse lediglich befestigt werden.

Doch so einfach ist das nicht. Da die Wiese an der Pötschenerstraße, südlich des künftigen Neubaugebiets „Am Patchway-Anger“, bewirtschaftet werde, sei bereits der Trampelpfad am Rand „ein Problem“, gab Kössinger zu bedenken. Der dortige Eigentümer habe einen Radweg auf seiner Wiese bereits abgelehnt. Den Lückenschluss von der Staatsstraße zum Masurenweg befürworte sie zwar, aber: Man müsse die Ammerseestraße queren und den Radweg neben der Pentenriederstraße anbinden. „Das kostet“, warnte sie. Der gewünschte Lückenschluss von Königswiesen zur Asklepios-Klinik führe wiederum über forstwirtschaftliche Flächen mit Nutzungseinschränkungen. Wenn die Gemeinde Radwege schaffe, trage sie die Folgekosten für die Verkehrssicherungspflicht. Schließlich gebe es auf der anderen Seite der Bahn bereits die Fahrradstraße von Königswiesen nach Gauting, erinnerte die Bürgermeisterin.

Stephanie Pahl (MiFü 82131) kritisierte den Antrag: Auf den ersten Blick suggeriere die Initiative zwar Klimaschutz durch eine radfreundliche Kommune, aber es fehle „der Respekt“ vor dem Wald und vor den Eigentümern. Mit Radwegen „quer durch Wald und Feld“ würde der Gemeinderat lediglich bestehende Trampelpfade legalisieren. Und für die Verbindung über die Ammerseestraße zum Masurenweg müsste die Gemeinde womöglich eine neue Brücke bauen, warnte Pahl. „Das würde dem Ziel der Haushaltskonsolidierung widersprechen“, sagte sie und verlangte eine namentliche Abstimmung. Auch sie finde die Umsetzung im kommenden Gemeindehaushalt 2022 „seltsam“, zumal noch nicht mit allen Eigentümern gesprochen wurde, bemängelte Victoria Wechtl (FDP).

„Wir haben Respekt vor den Eigentümern und der Natur“, widersprach Ilg. Deshalb stehe ausdrücklich im Antrag, dass mit den Grundbesitzern im Vorfeld gesprochen wird – und der Masurenweg gehöre der Gemeinde. Durch die vorgeschlagene Route von Königswiesen durch den Wald nach Gauting West verkürze sich die Strecke im Vergleich zur Fahrradstraße von fünf auf zwei Kilometer. „Mit Respekt vor der Natur“ wolle er die Radwege für die Bürger realisieren, so Ilg.

„Aber was heißt ertüchtigen?“, wollte Bürgermeisterin Kössinger wissen. Zwei Meter breite, nicht asphaltierte Strecken mit gebundenem Belag, „damit man nicht im Matsch steht“, antwortete Ilg. Würde der Masuren- zum Radweg ausgebaut, müssten Forstarbeiter allerdings trotzdem mit den Maschinen durch und „wir tragen die Folgekosten“, warnte Kössinger. Deshalb solle der Antrag samt Kosten erst im Rahmen der Etatberatungen für den Haushalt 2023 behandelt werden. Nach einer kurzer Sitzungsunterbrechung stellte Egginger den Gemeinschaftsantrag so lange zurück.

Christine Cless-Wesle

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