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Geothermie, wie hier in Freiham, soll auch im Unterbrunner Holz entstehen.

Nahwärmeversorgung

Neuer Schwung für Geothermie-Projekt: Gemeinderat beschließt Stellenschaffung

Mit Geothermie in eine klimafreundliche Zukunft starten: Gemeinsam mit den Gemeindewerken der Nachbarkommune Gilching will Gauting so die nachhaltige Wärmeversorgung in Angriff nehmen. Damit das Projekt vorwärtskommt, soll nun eine Stelle zu dessen Koordinierung geschaffen werden.

Gauting – Nun soll es schnell gehen: Bereits bis Ende des Jahres soll die Bürgerbefragung zum Anschluss an die Fernwärme in Gauting abgeschlossen sein, sodass die Probebohrungen für das interkommunale Geothermie-Projekt Anfang 2021 starten können. Bernd Schulte-Middelich, Geschäftsführer des Asto-Eco-Parks Gauting, stellte das Vorhaben am Dienstagabend im Gemeinderat vor.

Bis 2035 wolle der Landkreis die Energiewende mit „heimischen Ressourcen“ geschafft haben, erinnerte der Gautinger Umweltmanager Wilhelm Rodrian an den Grundsatzbeschluss des Kreistags. Doch abgesehen von den Windkraftanlagen in Berg gehe die autarke, lokale Energieversorgung nur „im Schneckentempo“ voran. Derweil sei Geothermie wie im nahen Neubaugebiet Freiham „eine über Jahrzehnte“ verfügbare einheimische Energiequelle „zum Festpreis“ für die Abnehmer, so der Umweltmanager.

Bohrplatz soll am Ostrand des Sonderflughafens Oberpfaffenhofens entstehen

Etwa 100 Grad heißes Wasser in einer Tiefe von „zwei bis drei Kilometern“, werde über einen Wärme-Tauscher in die Versorgungsnetze geleitet, erläuterte Bernd Schulte-Middelich die Grundzüge der Technik. Der Claim, also die Bohrerlaubnis, am Ostrand des Sonderflughafens Oberpfaffenhofens biete die ideale Voraussetzung für einen Bohrplatz. „Wir erwarten 14 Megawatt Leistung“, so der Geschäftsführer des Asto-Eco-Park. 30 000 Tonnen CO² im Jahr würden so eingespart.

Für die anstehenden Probebohrungen gebe es staatliche Fördermöglichkeiten, erläuterte der Gautinger Wirtschaftsförderer Dr. Fabian Kühnel-Widmann. Die Gemeindewerke im benachbarten Gilching zeigten großes Interesse, Teile der Fernwärme abzunehmen. Doch bevor Probebohrungen starten könnten, müsse erst feststehen, wie viele Abnehmer es in Gauting geben werde. Der geplante Gautinger Asto-Eco-Park im Unterbrunner Holz wäre einer, meinte Geschäftsführer Schulte-Middelich. Ebenso der Handwerkerhof an der Ammerseestraße, die Asklepiosklinik, das geplante Gewerbegebiet Gautinger Feld vor Unterbrunn, aber auch das Gautinger AOA-Neubaugebiet zwischen Ammersee- und Pötschenerstraße. Die Realisierung des Asto-Eco-Parks sei aber „kein Muss“ für das interkommunale Geothermie-Projekt, betonte Schulte-Middelich.

Konsortium aus mehreren Firmen will Risiko tragen

„Woher kommt Ihre Hoffnung, bei der Probebohrung auf heißes Wasser zu stoßen?“, wollte Tobias Mc Fadden (Piratenpartei/MfG) wissen und führte an, dass Geretsried und Bernried in gescheiterte Geothermie-Projekte „Millionen versenkt“ hätten. Die Stadtwerke München hätten schon während der Energiekrise in den 1970er-Jahren am Sonderflughafen Oberpfaffenhofen nach Öl gebohrt – und dabei statt Öl heißes Wasser gefunden, antwortete Schulte-Midelich. Und: „Das Risiko, wenn‘s schiefgeht, tragen nicht Sie, sondern das Konsortium“ aus vier Firmen.

Großes Interesse auch aus Gilching

Da Öl und Gas teuerer würden, sei das Interesse an autarker Versorgung auch im Nachbarort Gilching groß, so Schulte-Middelich. Etwa 40 Prozent der dortigen Haushalte würden sich laut einer Umfrage ans Fernwärmenetz anschließen lassen.

„Unser Ziel muss sein, dass wir ganz Gauting mit Fernwärme versorgen“, sagte Bürgermeisterin Dr. Brigitte Kössinger (CSU). Der Rat beschloss daraufhin einstimmig, für das Geothermie-Projekt im Unterbrunner Holz einen Koordinator einzustellen Die Stelle ist befristet auf drei Jahre.

Christine Cless-Wesle

Lesen Sie auch: Das wird am Asto-Eco-Park kritisiert.

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