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Oskar Maria Graf statt Max Dingler

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Der Name kommt weg: Eine erklärende Tafel zu Max Dingler reichte der Ratsmehrheit nicht.
Der Name kommt weg: Eine erklärende Tafel zu Max Dingler reichte der Ratsmehrheit nicht. © D. Rutt

Die Max-Dingler-Straße in Stockdorf wird in Oskar-Maria-Graf-Straße umbenannt, bei der Ina-Seidel-Straße wartet die Gemeinde ab. Auch die Zugspitzstraße bekommt einen neuen Namen.

Gauting – In der umstrittenen Umbenennung mehrere Straßen in Stockdorf hat der Gemeinderat erste Entscheidungen getroffen. Eine Umbenennung wurde zurückgestellt.

Seit Jahren schwelt der Konflikt um die Umbenennung dreier Straßen in Stockdorf. Die Anwohner sind weniger begeistert. Der Stockdorfer Thomas Kuchler appellierte im Vorfeld in der Bürgerfragestunde an Gautings Rathauschefin Dr. Brigitte Kössinger: Da seine Ehefrau an der Max-Dingler-Straße eine Praxis betreibe, kämen auf ihre GmbH durch eine Umbenennung hohe Kosten zu, etwa für den Notar. Bei einer Anhörung hatten 34 von 60 befragten Personen an der Max-Dingler-Straße den bisherigen Namen mit ergänzendem Zusatzschild gewünscht, hieß es in der Vorlage der Verwaltung – das war auch einmal so beschlossen worden.

Um die Max-Dingler-Straße entspann sich eine lebhafte Debatte. Stephanie Pahl (MiFü) plädierte für die Umbenennung, ihr Fraktionskollege Dr. Jürgen Sklarek hielt die Lösung mit Ergänzungsschild, das die Historie der NS-Zeit „ins Bewusstsein“ rücke, für besser. Gauting sei die einzige Kommune, die noch eine Straße nach dem Hitler-Putschisten benennt, hielt Markus Deschler (FDP) dagegen. Der Liberale sprach sich für Oskar-Maria Graf aus. Ein Straßenname sei grundsätzlich „eine Würdigung“ des Geehrten, pflichtete Heinrich Moser (Grüne) bei. Auch Stefan Berchtold (MfG/Piraten) forderte die Umbenennung. In Unterbrunn habe er auch den neuen Namen „Gautinger Landstraße“ in Kauf nehmen müssen. Die Gemeinde könne nicht einerseits Holocaust-Überlebende mit Gedenkveranstaltungen ehren, andererseits aber Menschen, „die gefoltert und umgebracht haben“, mit Straßenschildern ehren, appellierte Victoria Wechtl (FDP). „Max Dingler war Nazi, hat aber niemanden gefoltert“, merkte Kössinger an. „Aber er hat an der Ideologie mitgewirkt“, beharrte Wechtl.

Bei Ina Seidel wartet der Rat eine Untersuchung ab

Als „Blut-Orden“-Träger sei Dingler „Mittäter“, forderte Maximilian Platzer (CSU) eine Distanzierung. „Wer wird schon ein Zusatzschildchen lesen?“, fragte Sozialdemokrat Eberhard Brucker. Es passe nicht zu Gauting, solche Menschen mit Straßennamen zu ehren. „Wir können Geschichte nicht ungeschehen machen, indem wir Namen ändern“, plädierte die Bürgermeisterin für die von der Anwohner-Mehrheit gewünschten Zusatzschilder. „Sie gehen da einfach nonchalant übers Votum der Bürger weg“, kritisierte Dr. Andreas Albath (UBG) seine Vorredner. Nach einer Sitzungsunterbrechung votierte eine deutliche Mehrheit für die Umbenennung der Max-Dingler- in Oskar-Maria-Graf-Straße.

Bei der Ina-Seidel-Straße wartet die Gemeinde erst einmal ab. Von 16 angeschriebenen Anwohnern hätten sich elf Personen für ein erläuterndes Zusatzschild und gegen die Umbenennung nach der unbescholtenen Schriftstellerin Marieluise Fleißer ausgesprochen. Ina Seidel (1885 - 1974) hatte mit ihrem Gedicht „Lichtdom“ bekanntlich Adolf Hitler gehuldigt und ihm „treueste Gefolgschaft“ geschworen. Im Falle von Ina Seidel solle der Gemeinderat die Entscheidung „solange zurückstellen“, bis die wissenschaftliche Expertise des Stadtarchivs München vorliegt, regte Markus Deschler an – das wurde auch beschlossen. Brucker hält auch sie für belastet: Sie gehöre zu den „Claqueuren“ am Straßenrand.

Einstimmig war indes das Votum zur Zugspitzstraße in Stockdorf. Wegen der „Verwechslungsgefahr“ für Rettungsdienste oder Navis mit der älteren Zugspitzstraße im Hauptort Gauting votierte das Gremium nach der Anwohner-Anhörung einmütig für den neuen Namen Wettersteinstraße. Sobald der Haushalt 2023 rechtskräftig ist, werden die Schilder ausgetauscht. Die 62 betroffenen Personen an der jetzigen Zugspitzstraße hätten danach ein halbes Jahr Zeit, ihre Ausweise umschreiben zu lassen, ergänzte Geschäftsleiter Dr. Michael Groth. (cc)

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