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A rechte Gaudi: Mit ihrer Inszenierung des Brandner Kaspars zeigt die Theatercompagnie des Otto-von-Taube-Gymnasiums wieder einmal, wie gut Schultheater sein kann.

Otto-von-Taube-Gymnasium

Vor der Premiere eifrig Bairisch geübt

Die Gautinger Theatercompagnie des Otto-von-Taube-Gymnasiums hat mit „Der Brandner Kaspar“ voll überzeugt. Weitere Vorstellungen gibt es am heutigen Mittwoch und morgigen Donnerstag.

GautingAus ursprünglich sechs Rollen wurden 102, aus einer Kurzgeschichte von Franz von Kobell ein zweieinhalbstündiges Theaterstück. Den Brandner Kaspar kennt hierzulande jeder. Jetzt hat die Theatercompagnie des Otto-von-Taube-Gymnasiums Gauting das Kultstück um Kaspars Spiel mit dem Tod auf die Bühne gebracht – in einer ganz eigenen Version. Das ist bei diesem Bühnenwerk Tradition. Bei jeder Inszenierung werden lokale und aktuelle Bezüge eingebaut. So handhabt es auch Regisseur Markus Hagenbucher. „Ich versuche immer, die Drehbücher im Sinne der Autoren zu adaptieren“, sagt er. In diesem Jahr bedeutete das für ihn, 96 Sprechrollen zum ursprünglichen Skript hinzuzufügen.

Aber noch etwas anderes ist in diesem Jahr für die Schüler-Darsteller besonders: Der Text des Theaters wird Bairisch gesprochen. „Normal spricht keiner an der Schule Dialekt“, erzählt Hagenbucher und lacht. Dafür überzeugen die Schüler aber teilweise mit einem Bairisch, wie es breiter kaum sein könnte. Das Drehbuch habe er vollständig in Lautschrift geschrieben, sagt der Hobbyregisseur. Deshalb mussten die jungen Schauspieler üben, üben, üben.

Und wie immer zeichnet sich der Fleiß der ständig wachsenden Gruppe aus. Vor der Pause überzeugen die Gymnasiasten mit ihrer tiefgründigen, aber nicht pathetischen Darstellung einer Dorfgemeinschaft, die vom Tod heimgesucht wird. Als Kontrast dazu wird es bei den Himmelsszenen nach der Pause so heiter, als wäre man beim Derblecken auf dem Nockherberg. So nimmt die heilige „Liberalitas Bavariae“ (großartig bairisch gespielt von Paulina Sporrer) beispielsweise Gautings erste Bürgermeisterin aufs Korn. Die heilige Sylke, Schutzpatronin der Hochbegabten (Anspielung auf die Direktorin Sylke Wischnevsky), freut sich erst über die Förderung ihrer Schützlinge im Würmtal. „Aber itz schmeißt ma d’Landesregierung wieder ois durchanand“, gibt Sophia Maier eine überzeugend genervte Heilige.

Bereits zum sechsten Mal steht Philipp Klingen für die Compagnie auf der Bühne. Zum Abschluss verkörpert er in seinem letzten Jahr an der Schule noch einmal die Titelrolle. Vom schlitzohrigen Kaspar, der mit dem Boandlkramer wettet, bis zu dem später demütig vor den Himmelstoren auf Einlass wartenden Brandner, zeigt der Abiturient viele Facetten seines Spieltalents. Herausragend vom ersten bis zum letzten Moment ist aber vor allem der rumpelstilzchenhafte Boandlkramer. Sebastian Kemme mimt diesen so überzeugend, dass er einem Toni Berger kaum nachsteht. Dafür gibt’s bei der Premiere tosenden Applaus in der vollen Aula der Schule.

Maren Knödl

Weitere Vorstellungen

finden am heutigen Mittwoch und morgen, Donnerstag, statt, jeweils ab 19 Uhr.

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