Schwarze Plastikschnitzel: An der Lärchenstraße in Gauting ließ die Gemeinde damit Schlaglöcher verfüllen. Ein Anwohner ist irritiert, die Gemeinde spricht von einem gängigen Verfahren.
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Schwarze Plastikschnitzel: An der Lärchenstraße in Gauting ließ die Gemeinde damit Schlaglöcher verfüllen. Ein Anwohner ist irritiert, die Gemeinde spricht von einem gängigen Verfahren.

Anwohner wundert sich: Gemeinde verfüllt Schlaglöcher mit Kunststoffresten

Rätsel um schwarze Plastikschnitzel

Anlieger der Lärchenstraße in Gauting West wundern sich, dass die Gemeinde Schlaglöcher und Straßenkanten mit recycelten Plastikschnitzeln verfüllt. Denn Kunststoffpartikel landeten ja letztlich in der Kanalisation, fürchtet Anwohner Gidon Vogt.

Gauting – „Man sieht noch die Buchstaben von eingestanzter Werbung“, sagt Vogt. Als der Gautinger mit seinen Nachbarn vor seiner Haustür an der Lärchenstraße dieser Tage kleine schwarze Plastikschnitzel entdeckte, war er alarmiert – und schickte dem Starnberger Merkur ein Foto. Denn es könne doch wohl nicht sein, dass Plastikbecher und Wattestäbchen mit Plastik neuerdings verboten, aber im Straßenbau Kunststoffschnitzel zulässig seien, wundert sich der Gautinger.

Durch das UV-Licht der Sonne zerbrösele der Kunststoff auf der Straße und lande als Mikroplastik in der Kanalisation, fürchtet der Unternehmer, der sich auch beruflich für den Umweltschutz einsetzt. In seiner Manufaktur in Egling im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen baut Vogt mobile „Tiny Häuser“, also kleine Häuser aus Holz. Er verstehe zwar, dass die Straßenbauarbeiter nicht den schweren Rollsplitt als Verfüllmaterial schleppen wollen, räumt Vogt ein. Aber die recycelten Kunststoffschnitzel, die nicht verarbeitet wurden, verteilten sich ja zusätzlich, würden weggeschwemmt – und landeten schließlich als Mikroplastik in der Kanalisation. „Das ist nicht zu Ende gedacht“, bedauert Vogt.

„Das sind zwei getrennte Systeme“, widerspricht Klaus Krüger, Geschäftsführer des Würmtalzweckverbands (WZV) auf Anfrage. Der Verband sei nur für die „reine Schmutzwasserbeseitigung“ aus Wohnhäusern oder Betrieben zuständig. Dieses fließe in einen eigenen Kanal. Für die Straßenentwässerung sei indes ausschließlich die Gemeinde zuständig – und habe dafür ebenfalls ein eigenes System mit Kanal. „Wasser vom Straßenrand gerät also nicht in unseren Kreislauf“, versichert Werkleiter Krüger. Problem in der Kläranlage sei das Mikroplastik aus Kosmetikprodukten. „Aber das ist ein anderes Thema“, betont Krüger. Verfüllte Kunststoffschnitzel von der Straße gelangten nicht ins WZV-System.

„Ganz normal und unspektakulär“ seien die verfüllten recycelten Plastik-Schnitzel an der Lärchenstraße, erklärt die gemeindliche Tiefbauingenieurin Beatrice Bruns. Was beim Verfüllen übrig bleibe, „wird von der Straße gekehrt und entsorgt“. Das Verfüllen von recyceltem Kunststoff für Ausbesserungsarbeiten „entspricht dem Stand der Technik“, zitiert Rathaussprecher Fred Rauscher das Bauamt.

Christine Cless-Wesle

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