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An der Berufsschule in Starnberg ist die Gautingerin Kristin Groß-Stolte Fachbetreuerin und arbeitet mit jungen Flüchtlingen aus aller Herren Länder.

Integration

Schule und Berufsbildung für Flüchtlinge

Der Informationsabend für ehrenamtliche Asylhelfer im Walter-Hildmann-Haus in Gauting war gut besucht.

Gauting – „Schule und Berufsbildung“ ist Thema Nummer eins bei der Integration von jungen Flüchtlingen. Im voll besetzten Walter-Hildmann-Haus informierten Isolde Wengenmayer, Rektorin der Gautinger Paul-Hey-Schule, und Kristin Groß-Stolte, Fachbetreuerin an der Berufsschule, ehrenamtliche Asyl-Helfer und deren Schützlinge. In den Gautinger Ü(bergangs)-Klassen und an der Berufsschule Starnberg hätten auch Jugendliche mit geringen Deutschkenntnissen eine Chance – wenn sie die Motivation mitbringen.

„Hoch motiviert waren Zuwanderer nach den Balkankriegen in den 1990er Jahren“, erinnert Rektorin Wengenmayer. Um sich zu unterhalten, hätten die Jugendlichen Deutsch als gemeinsame Sprache lernen müssen. Doch in den heutigen Flüchtlingsunterkünften kämen Kinder mit gleicher Muttersprache zusammen. Da sei die Motivation geringer, Deutsch zu lernen. Deshalb werde sie im kommenden Schuljahr eine neue Ganztagesklasse für „Ü“-Kinder beantragen. In der werde auch nachmittags Deutsch gesprochen.

Manche Flüchtlingskinder hätten auch nie Lesen oder Schreiben gelernt – und stammten aus anderen Kulturen als der europäischen. „Gestehen Sie diesen Kindern zu, dass sie nicht mit dem Abitur die Schullaufbahn beenden“, empfahl Isolde Wengenmayer. Die Ehrenamtlichen sollten nicht vermitteln, „Ihr kriegt alles“ – aber die Schüler von Ex-Migranten aus dem Bosnienkrieg „fallen hinten runter“. Schulpflicht sei ein heikles Thema. „Ich muss kontrollieren, ob alle da sind“, sagte die Rektorin. Kindern, die unentschuldigt fehlten, „muss ich hinterhertelefonieren“. Wenn das nicht funktioniere, sei die Polizei am Zuge.

Afghaninnen „hoch motiviert“

„Schulpflicht bis zum 21. Lebensjahr“ gilt auch an der Berufsschule, erklärte Fachbetreuerin Kristin Groß-Stolte. Dort gibt es bereits vier Förderklassen „Berufsintegrationsjahr“ – in Kooperation mit dem Bildungszentrum (bfz) in Weilheim. Im ersten Jahr lernten die Flüchtlinge Deutsch und Mathematik. Im zweiten Jahr wechseln sich drei Wochen Schule mit drei Wochen Betriebspraktikum ab. „Wenn einer toll anpackt“, bekomme er sogleich eine Lehrstelle.

Für Jugendliche ohne Ausbildung (JoA) ist neuerdings Migrationsbeauftragte Bianca Kunz-Mohamed von der Arbeitsagentur in Weilheim zuständig. Für einen Ausbildungsvertrag mit Betrieb und Handwerkskammer „brauchen Ihre Schützlinge die Genehmigung der Ausländerbehörde“, informierte Groß-Stolte die Asylhelfer. Bei Afghanen gebe es Einzelfallentscheidungen.

Über die praxisnahe Berufsschule sei der Weg grundsätzlich einfacher: Eine künftige Zahnarzthelferin lerne zum Beispiel gleich am Stuhl die Namen der Instrumente. Doch leider schmissen manche Migranten in den Integrationsklassen mit Praktikum zu früh hin. Afghaninnen seien dagegen „hoch motiviert“, weil sie in ihrer Heimat keine Schule besuchen durften, sagte Groß-Stolte.

Die ehrenamtlichen Helfer machten als Coaches und Nachhilfelehrer „einen Wahnsinns-Job“, für den sie von der Gesellschaft nicht immer gelobt würden“, sagte Rektorin Isolde Wengenmayer. Und ergänzte: „Auch Sie müssen mit Ihren Kräften haushalten.“

Christine Cless-Wesle

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