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Gautings Bürgermeisterin Dr. Brigitte Kössinger im Gespräch mit Merkur-Redakteur Stephan Müller-Wendlandt. 

Finanzen brennen auf den Nägeln

So wird das neue Jahr in Gauting

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Gauting – Die Gemeinde Gauting muss heuer auf große Sprünge verzichten. Die finanzielle Lage ist angespannt. Dennoch sollen bedeutende Projekte angeschoben oder umgesetzt werden, weil die Gemeinde nicht oder nicht allein Finanzier ist bzw. auf nicht unbedeutende staatliche Förderung hoffen darf.

Über alle Sachthemen hinweg ist Bürgermeisterin Dr. Brigitte Kössinger  fürs neue Jahr von einem persönlichen Wunsch beseelt. Der betrifft die politische Kultur in der Würmtalgemeinde. „Ich wünsche mir etwas mehr Toleranz und Respekt gegenüber anderen Meinungen. Die Diskussionen sind zu manchen Themen manchmal von einer unangemessenen Härte gekennzeichnet. Die Demokratie lebt von der Auseinandersetzung. Die muss aber respektvoll geführt werden. Wir leben in einer Welt, in der wir unsere Meinung offen sagen können, Mitmenschlichkeit zwar im Munde führen, aber trotzdem in den Diskussionen wirklich hart sind“, sagt die Bürgermeisterin im Gespräch mit unserer Zeitung und gibt einen Ausblick auf das neue Jahr.

Bauen

Beherrschend sind für die Gautinger Bürgermeisterin heuer Bauangelegenheiten. Ein besonderes Anliegen ist ihr, mit dem Bebauungsplan 100 an der Pötschener Straße – rund um die frühere Firma Apparatebau (AOA) – weiterzkommen. Dort soll bezahlbarer Wohnraum entstehen. Der Verband Wohnen möchte auf dem Areal 60 Wohnungen errichten. Auch das Katholische Siedlungswerk hat solche Pläne. Und der Gemeinde Gauting gehört dort auch Grund. Kössinger: „Mit dem Bebauungsplan waren wir schon recht weit, aber wir wollen ihn noch mal aufdröseln.“ Die Bürgermeisterin möchte das Gewerbe wegbekommen, das auf dem Gelände von AOA festgeschrieben ist. Denn wegen der Nähe zur Wohnbebauung müsste eine neun Meter Lärmschutzbarriere – ein Parkdeck ist angedacht – dort errichtet werden. „Wir können uns allerdings vorstellen, dort Einzelhandel zuzulassen, etwa einen Lebensmittelmarkt. Deshalb soll dort schon ein Mischgebiet bleiben, das verträglich ist mit dem Wohnen.“

Im Bereich des Bahnhofs wird heuer die städtebauliche Gestaltung von Bahnhofsgebäude und Vorplatz weiterentwickelt. Dazu soll in der Gemeinderatsitzung am 24. Januar über die Vergabe eines Plangutachtens beraten werden. „Die Frage ist: Was geschieht mit dem Bahnhof? Für das Gebäude gibt es einen Abrissbeschluss. Den möchte ich gerne aufheben. Es hat sich so viel geändert in dem Umfeld. Deshalb sollte der Bahnhof als Gebäude, das noch das Gesicht von Gauting trägt, stehen bleiben. Alte Gebäude neben moderner Architektur sind ja auch ein reizvoller Gewinn“, meint Kössinger.

Fertig werden soll in diesem Jahr der Querriegel bei der Grundschule neben dem Rathaus. Dort sollen weitere Klassenräume unterkommen. „Unsere Musikschule bekommt dann endlich auch ein ordentliches Büro und einen Übungsraum, wo die Instrumente untergestellt werden und auch stehenbleiben können. Die bekommen jetzt eine Heimat“, sagt die Bürgermeisterin.

In Stockdorf steht der barrierefreie Umbau des Bahnhofs auf der Agenda. Das ist Sache der Deutschen Bahn. Die Gemeinde Gauting will auf eigene Kosten eine Toilettenanlage errichten – „dafür gibt es Zuschüsse vom Staat“, so Kössinger – und sie wird den Unterhalt für die Fahrradabstellplätze übernehmen, die von der Bahn gebaut werden. Der Wunsch nach einem Bürgerzentrum sollte für die Stockdorfer heuer ebenfalls in Erfüllung gehen, wenn die Sparkasse dort das Feld räumt. Davon profitiert auch das Eltern-Kind-Programm (EKP), das mehr Platz bekommt, sein Spielhaus wieder eröffnen und die Mittagsbetreuung ausweiten kann.

Der Baubeginn der Caritas-Seniorenanlage steht an. Und voraussichtlich auch die Seniorenwohnanlage des BRK an der Starnberger Straße. Auf jeden Fall, so die Bürgermeisterin, wird in der Mehrgenerationenanlage mit dem Bau der Kinderbetreuung begonnen, zwei Kindergarten- und zwei Krippengruppen entstehen dort.

Gewerbe

„Wir müssen unsere Einnahmesituation verbessern, das brennt uns auf den Nägeln“ wechselt die Bürgermeisterin zum nächsten Schwerpunktthema: „Wir müssen mit unserem Gewerbegebiet am Flughafen weiterkommen, mit unseren Inseln im Grünen.“ Ziel sei, das Areal aus der Wasserschutzzone zu bekommen. 1991 habe die Regierung mitgeteilt, dass das Wasser dort nicht sauber sei, „und wir sehen in diesem Punkt keine Veränderung“, sagt Kössinger.

Die Gemeinde müsse auch für das örtliche Gewerbe etwas tun, für die Betriebe, die auf zu engem Raum arbeiten. „Wir wollen diese Firmen im Ort halten, die sollen nicht abwandern, weil sie sich vergrößern müssen, Da eignet sich ein Grundstück neben der Asklepios-Klinik, auch das wird in diesem Jahr ein Thema werden“, sagt die Bürgermeisterin. Die Gemeinde habe zudem ein Grundstück an der Gautinger Straße beim Kreisel erworben. Dort soll in Richtung Unterbrunn und in Verlängerung des Areals, auf dem die neue Polizeistation geplant ist, expandierenden Handwerksbetrieben die Möglichkeit zur An- oder Umsiedlung geboten werden.

Weiterentwickelt werden könnte auf dem Sonderflughafen Oberpfaffenhofen ein schmaler Streifen Grund, der der Gemeinde Gauting gehört. Dort hat sich flugaffine Gewerbe angesiedelt. Ein Teil des Areals ist noch frei. Allerdings sei dieses Gelände nicht groß genug, um das geplante Insel-Konzept zu beherbergen, wie die SPD es beantragt hat (wir berichteten). „Eine von den Grünen in Unkenntnis der Tatsachen behauptete Erweiterungsmöglichkeit besteht dort nicht. Die Flächen direkt an der Landebahn sind bereits Weßlinger Flur“, betont Kössinger.

Verkehr

Das Gesamtverkehrskonzept wird die Gemeinde noch im Januar erstmals in die Bürgerbeteiligung geben. Es geht nicht nur um die Tempo-30-Zonen, da hatte sich die Gemeinde, wie berichtet, einen Schiefer der Regierung von Oberbayern eingezogen, die verlangt hatte, einige der Tempo-30-Schilder abzuhängen. Die Bürgermeisterin: „Es geht insgesamt um die Verbesserung des Rad- und Fußgängerverkehrs. Wenn wir die Bedingungen für den Radverkehr verbessern, sollte es gelingen, auch den selbstgemachten Verkehr zu vermindern.“ Ein Brennpunkt sei die Bahnhofstraße, „ein Radlschutzstreifen ist dort machbar“, sagt Kössinger. An der Münchener Straße geschehe das auch. Da laufe ja gerade der Ausbau. „Überall, wo wir etwas erneuern, werden wir versuchen, mit Schutzstreifen zu arbeiten“, verspricht die Bürgermeisterin.

Energiewende

Die Bürgermeisterin spricht von „kleineren Projekten“, die die Gemeinde mit ihrem Energiereferenten umsetzen möchte. So will die Kommune Vorbild sein in Sachen E-Mobilität. Kössinger: „Wir haben im Rathaus ein E-Bike als Dienstradl angeschafft, damit die Mitarbeiter mehr Fahrradfahren können.“ Zu den Initiativen gehören auch Klimagespräche, zu denen die Bevölkerung eingeladen wird, um zu besprechen, was getan werden kann auf dem Weg zur Energiewende. Zudem arbeitet der Energiereferent mit Schülern aller Schultypen zusammen, um bei der Jugend das Energiebewusstsein zu stärken.

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