Betrieben wird das Spezialfahrzeug von der Feuerwehr Gauting, vorige Woche begannen die Schulungen – etwa an schnell aufblasbaren Schleusen zur Dekontamination.
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Betrieben wird das Spezialfahrzeug von der Feuerwehr Gauting, vorige Woche begannen die Schulungen – etwa an schnell aufblasbaren Schleusen zur Dekontamination.

Zuwachs im Fuhrpark

Spezialfahrzeug: So übt die Feuerwehr für den Umweltschutz

Die Freiwillige Feuerwehr Gauting hat Zuwachs im Fahrzeugpark bekommen: Der Landkreis stationiert im Würmtal den vor Kurzem gelieferten Gerätewagen Gefahrgut. Für die Ehrenamtlichen heißt das erst einmal: üben, üben, üben. Das Spezialfahrzeug steht zudem gar nicht in Gauting.

Gauting – Von außen sieht man dem neuen Gerätewagen Gefahrgut (GW-G) nicht, dass er im Prinzip ein Puzzle aus mehreren hundert Teilen ist. Das Spezialfahrzeug des Landkreises ist bei der Feuerwehr Gauting stationiert worden, wird bei einem Unglück aber im ganzen Landkreis eingesetzt. Ende Januar wurde es beim Hersteller abgeholt, vorige Woche begann die Feuerwehr mit den Schulungen. Die werden sich Monate hinziehen. Kreisbrandrat Peter Bauch und Gautings Kommandant Stefan Klaußner rechnen damit, dass der GW-G ab Herbst in den Einsatzdienst kann.

Was ist ein GW-G? Laien können ihn kaum von anderen Feuerwehrfahrzeugen unterscheiden, ein GW-G jedoch ist ein Spezialfahrzeug für Unglücke, die auch im Landkreis passieren, wenn auch zum Glück selten: wenn gefährliche Stoffe wie Öl, Chemikalien oder dergleichen auslaufen oder austreten, gebunden oder Lecks abgedichtet werden müssen. Der GW-G ist mit Spezialwerkzeug beladen, das keine Funken schlägt – unabdingbar in explosiven Umgebungen. Er hat Atemschutzgeräte, Schutzanzüge, Dekontaminationsausrüstung, Spezialgeräte wie Adapter für Tank- und Kesselwagen, eine breite Palette an Messgeräten auch für Strahlungsunfälle und spezielle Behälter an Bord sowie Material zum Abdichten von Kanal- oder Gewässereinläufen. Und das auch in größerem Umfang. Laufe Öl aus einem Pkw aus, könne das jede Feuerwehr beherrschen, erklärt Bauch. Schlägt ein Tanklastzug mit 30 000 Liter leck, was beispielsweise an der A 95 in Höhenrain vorgekommen ist, sind die Kapazitäten des GW-G gefordert. Der Landkreis habe drei sogenannte Störfallbetriebe, also Unternehmen mit höherem Gefährdungspotenzial. Dazu gehört beispielsweise das Kraillinger Tanklager. Der Gefahrgut-Gerätewagen käme auch bei Chlorgasunfällen in Hallenbädern und dergleichen zum Einsatz – auch das hat es schon gegeben, auch in Gauting. Doch auch in einem normalen Wohnhaus kann es zu Szenarien kommen, in denen der GW-G zusammen mit dem sogenannten Gefahrgutzug anrücken muss – etwa, wenn ein größerer Öltank kaputt ist. Für kleinere Vorkommnisse dieser Art sind die Wehren ausgerüstet, für größere oder länger dauernde Einsätze nicht.

Unscheinbar, aber vielseitig: Der neue Gerätewagen Gefahrgut wird landkreisweit eingesetzt, wenn gefährliche Stoffe wie Öl oder Chemikalien in größeren Mengen austreten – er ist damit ein Feuerwehrfahrzeug für den Umweltschutz. 

Der Gefahrgutzug setzt sich aus Spezialfahrzeugen zusammen, die dem Landkreis gehören und bei mehreren Feuerwehren stationiert sind. So steht der Gerätewagen Atem-/Strahlenschutz bei der Feuerwehr Starnberg, andere Einheiten in Gilching. Nächste Beschaffung in ein bis zwei Jahren ist ein Gerätewagen Messtechnik, der in Tutzing stehen soll und mit Geräten ausgestattet ist, die auch ungewöhnliche Stoffe registrieren können. Dort stand der bisherige, deutlich kleinere GW-G aus dem Jahr 1995, der nun ausgemustert wird. Bauch über das neue Fahrzeug: „Bisher gab es kein Fahrzeug in dieser Form im Landkreis.“

Das Fahrzeug kostete den Landkreis rund 450 000 Euro, erklärte Sprecher Stefan Diebl. Rund 295 000 Euro davon trägt der Freistaat über ein Förderprogramm. Die Förderung ist höher als normal, weil der Landkreis über die Kreisbrandinspektion und Kreisbrandinspektor Helmut Schweickart eine Beschaffungsallianz mit Stadt und Landkreis Ansbach sowie dem Landkreis Weilheim-Schongau geschmiedet hatte und vier baugleiche Fahrzeuge anschaffte. Solche Kooperationen belohnt der Freistaat mit einem zehn Prozent höheren Zuschuss. Der Landkreis hebt hervor, dass der GW-G dem Umweltschutz diene.

Das Fahrzeug in geschlossenem Zustand.

Die personell starke Gautinger Wehr hatte sich bereit erklärt, den GW-G zu übernehmen, obwohl sie in ihrem sowieso zu kleinen Gerätehaus für den Lkw gar keinen Platz hat. Da der GW-G kein Fahrzeug ist, das häufig alarmiert wird und zumeist nachgefordert wird, steht er nicht in Gauting, sondern in einer Garage des Gerätehauses an der Pentenrieder Straße in Krailling. Wird der GW-G benötigt, fahren Gautinger Kameraden hin und holen ihn. Das geht einfach, denn der GW-G hat eine Besatzung von zwei Mann. Die weiteren Kräfte werden dann mit anderen Löschfahrzeugen direkt von Gauting aus ausrücken.

Da der GW-G Hunderte einzelne Ausrüstungsgegenstände – neben Spezialwerkzeugen geht es um Eimer, Bürsten, Lampen – geladen hat, die teils in Rollcontainern verstaut sind, ist der Schulungsaufwand hoch. Zwar kennen die Gautinger viele Geräte bereits, weil sie sie auch auf ihren Fahrzeugen haben, manches jedoch sei neu, sagt Kommandant Klaußner. Und sie müssen wissen, wo was verstaut ist. Die Schulungen ziehen sich auch über Monate hin, weil derzeit coronabedingt keine regulären Ausbildungen möglich sind – nur in kleinen Gruppen und nur mit FFP2-Masken. Auf Kreisebene plant Bauch einen Speziallehrgang, wenn das denn wieder möglich ist.

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