Zankapfel der Gautinger Kommunalpolitik: die Villa am Krapfberg 5. Schon beim Kauf vor 50 Jahren, argumentiert die CSU, war deren Erhalt nicht geplant. Die zuständigen Behörden haben einen Denkmalschutz-Status abgelehnt. Die SPD sucht derweil schon Liebhaber, die die Villa erhalten wollen.
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Zankapfel der Gautinger Kommunalpolitik: die Villa am Krapfberg 5. Schon beim Kauf vor 50 Jahren, argumentiert die CSU, war deren Erhalt nicht geplant. Die zuständigen Behörden haben einen Denkmalschutz-Status abgelehnt. Die SPD sucht derweil schon Liebhaber, die die Villa erhalten wollen.

Streit um Villa gewinnt an Schärfe

Die Debatte um den Erhalt der Villa auf dem Areal Krapfberg 5 in Gauting nimmt an Schärfe zu. Die SPD sucht einen Käufer, die CSU macht früheren Bürgermeistern Vorwürfe.

Gauting – „Liebhaber*in gesucht!“ – so steht es auf einem Flugblatt der Gautinger SPD, das Ende der Woche verteilt wurde und mit dem die SPD Investoren sucht, die der gemeindlichen Villa am Krapfberg 5 „zu neuem Glanz verhelfen“. Da eine Gemeinderatsmehrheit die leer stehende, zuletzt verwüstete Landhaus-Villa mit neuem Baurecht verkaufen will, drohe ihr der Abriss, warnt SPD-Fraktionssprecher Eberhard Brucker. Am morgigen Dienstag (19.15 Uhr, Rathaus) steht die ortsbildprägende Immobilie wieder auf der Tagesordnung des Bauausschusses des Gemeinderats. Die Fraktion Miteinander Füreinander 82131 hat eine Ortsbegehung beantragt.

Sowohl Kreisheimatpfleger Gerhard Schober als auch die Altbürgermeister Dr. Ekkehard Knobloch und seine Amtsnachfolgerin Brigitte Servatius (SPD) hatten im Vorfeld an Rathauschefin Dr. Brigitte Kössinger sowie die Gemeinderäte appelliert, die Villa zu erhalten. An der alten Römerstraße bilde das historische, aber nicht denkmalgeschützte Gebäude mit dem Gasthaus „Krapf“, der Jugendstil-Christuskirche sowie der „hervorragend renovierten“, denkmalgeschützten Nachbarvilla an der Königswieser Straße „ein lockeres Ensemble im Grünen“.

Mit einem großen Foto der leer stehenden, „stark vernachlässigten“ Jugendstil-Villa sucht der SPD-Ortsvorsitzende und Fraktionssprecher Eberhard Brucker nun „Liebhaber“ für das leer stehende Haus von 1911. Auf Erbpachtzins könnte das Gebäude nach einer Renovierung „zur perfekten Adresse“ für Wohnen und Arbeiten werden. Der Buchendorfer Wasserturm, das historische Gasthaus „Zum Bären“ und die Alte Schule in Stockdorf seien schließlich „durch großes Bürgerengagement“ gerettet worden. Bis heute seien diese historischen, neu belebten Gebäude „Anker für eine Gautinger Identität“. Ein solches Engagement wünscht sich die SPD für die Villa.

Die Zeit drängt: Die Bauvoranfrage für einen neun Meter hohen Neubau mit Flachdach sowie acht Stellplätzen hat die Bauausschuss-Mehrheit bereits durchgewunken (wir berichteten). Ob das dann wirklich dort gebaut wird, ist eine andere Frage – es ist mehr eine Art Baurechtsermittlung, um den Wert des Grundstücks abschätzen zu können.

Die CSU-Fraktion hat derweil aus dem Rathaus Antworten auf einen Fragenkatalog zu dem Areal erhalten. Ergebnis: Einstimmig hat demnach der Gemeinderat im Herbst 2015 beschlossen, die Immobilie zur Finanzierung des Tafel-Neubaus zu verkaufen. Für einen zweiten Bauabschnitt des Rathauses mit Festsaal, Gaststätte und Jugendräumen habe die Gemeinde die Immobilie vor etwa 50 Jahren erworben. Vor drei Jahren seien die letzten Mieter ausgezogen. Seit den Neunzigerjahren seien technische und bauliche Mängel bekannt, die nur durch eine Generalsanierung zu beheben gewesen wären. Seit dem Kauf seien kaum bis gar keine Investitionen am Gebäude vorgenommen worden, heißt es in der Stellungnahme der Bauverwaltung.

In einer Pressemitteilung wundern sich nun Stephan Ebner und Gemeinderat Franz Jaquet (beide CSU), warum sich ausgerechnet die Altbürgermeister Knobloch und Brigitte Servatius an die Spitze des Bürgerengagements für den Erhalt der Villa stellen. Beide seien für den „Zerfall“ des Gebäudes verantwortlich. Die Altbürgermeister weisen das zurück. „In meiner Amtszeit war das Haus vermietet, die Mieter zufrieden“, antwortet Knobloch auf Anfrage. Er hoffe darauf, dass sich wieder Gautinger um das Bürgerforum scharten, um „dieses wertvolle Stück“ Alt-Gauting zu erhalten. „Geld ist nicht alles“, ergänzte Servatius auf Anfrage. Statt alles „zu verscheuern“, solle ihre Nachfolgerin „die Bürger einbinden und die Villa erhalten“. Anstelle des geplanten „0815-Baus“ würde die Enkelgeneration die Wurzeln des alten Gauting noch sehen können, so Brigitte Servatius.

Die CSU-Fraktion sieht keine Chance, den Bau aus heutiger Sicht zu erhalten: „Die finanzielle Lage der Gemeinde lässt ein Abwenden von der jahrzehntelangen Planung jetzt nicht mehr zu“, erklärte Franz Jaquet. Christine Cless-Wesle

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