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Aus dem Gerichtssaal

Sturz auf Gehweg: Witwe fordert 30 000 Euro

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Gauting - Ein Sturz mit verheerenden Folgen: Die Witwe eines Mannes aus dem Würmtal, der auf Glatteis ausgerutscht ist, klagt gegen die Gemeinde Gauting. Sie will 30 000 Euro Schmerzensgeld.

Wer ist schuld, dass der damals schon schwer kranke 56-jährige Mann auf dem Pfarrweg stürzte? Es war ein Mittwochvormittag im Januar 2014. Es hatte um die null Grad, als der Mann, gestützt auf seinen Rollator und in Begleitung seiner Frau, auf einer etwa drei Quadratmeter großen Eisplatte ausrutschte. Er zog sich einen komplizierten Kniebruch zu. Mit gravierenden Folgen, wie der Rechtsanwalt des Ehepaares, Jens Rasmussen, gestern vor dem Landgericht München sagte: „Wegen des Bruchs musste die Chemotherapie unterbrochen werden, deshalb ist der Krebs vorangeschritten.“ Im August 2015 erlag der Mann seiner Krebserkrankung.

Die Klage auf Schmerzensgeld gegen die Gemeinde Gauting und den damals für den Pfarrweg zuständigen Bauhof-Mitarbeiter hatte der Mann selbst noch angestrebt. Nach seinem Tod führt seine 63-jährige Witwe die Klage weiter. Einen Vergleich – die Klägerpartei stellt sich 15 000 bis 20 000 Euro vor – lehnte der Rechtsanwalt der Gemeinde Gauting, Günter Markthaler, gestern ab. Für ihn steht fest, dass die Gemeinde ihrer Räum- und Streupflicht nachgekommen ist. „Sie können nicht sagen, weil Eis da war, war nicht geräumt“, hielt er dem gegnerischen Anwalt vor.

Auch das Gericht meint, dass der Pfarrweg an jenem Vormittag um halb elf geräumt war. „Aber wurde ordentlich geräumt?“, fragte Richterin Linda Behmel-Ruoff. „Hat die Gemeinde ihrer Verkehrssicherungspflicht Genüge getan?“

Bauhof verweist auf seine Protokolle

Der inzwischen pensionierte damalige Bauhof-Chef Georg Schoger war überzeugt davon. „Zwischen 5 und 7.45 Uhr waren vier Fahrzeuge im Gemeindegebiet unterwegs, um die Gehwege zu räumen und zu streuen“, sagte er aus. Da sei der Pfarrweg dabei gewesen. Zwei Protokolle – sein eigenes über den Gesamteinsatz der Räumfahrzeuge an jenem Tag und der Bericht des Fahrers, der am Pfarrweg unterwegs war – dokumentierten dies. Es habe nicht mehr geschneit, deshalb sei davon auszugehen, dass der Pfarrweg acht bis zehn Stunden in Ordnung gewesen sei.

Aber wie ist die Eisplatte zu erklären? Da war der Bauhofleiter ratlos. „Vielleicht hat es sich durch einen Durchzug gebildet. Am Tag zuvor hatte es noch Plusgrade, der Boden war nicht durchgefroren.“ Ein Fehler beim Streuen sei auszuschließen: „Das ist alles elektronisch geregelt. Wenn etwas aussetzt, kriegt das der Fahrer sofort angezeigt.“

Polizei: "Nicht erwartet, dass es so glatt ist"

Doch es gab dieses spiegelglatte Stück Eis auf dem Pfarrweg, das ist unbestritten. Der Polizeibeamte, der zu dem Unfall gerufen worden war, rutschte selbst fast aus. „Der Pfarrweg war offensichtlich geräumt worden, und ich habe nicht erwartet, dass es so glatt ist.“ Denn die Eisplatte sei zunächst nicht zu sehen gewesen, erst aus einem anderen Blickwinkel.

Der Bauhof-Mitarbeiter muss keine Folgen fürchten. Das Gericht befand, dass die Gemeinde in der Pflicht sei, wenn es Ansprüche gäbe. Das Urteil soll am 29. September verkündet werden.

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