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Verkehrsausschuss

Tempo 30 scheitert an Weilheim

Gauting - Der telefonbuchdicke Lärmaktionsplan wird den Gautingern kaum etwas bringen. Das Staatliche Bauamt lehnt die effektivste Maßnahme ab: Tempo 30 auf den innerörtlichen Staatsstraßen.

Enttäuscht waren Lärm geplagte Anwohner nach der Debatte im Umwelt- Energie- und Verkehrsausschuss: Weil das Staatliche Bauamt Weilheim und Kreisverkehrsmanagerin Susanne Münster nicht mitspielen, ist die effektivste Maßnahme an Gautings Staatsstraßen gar nicht machbar. Um den Lärmpegel zu senken, hatte das mit dem Lärmaktionsplan beauftragte Ingenieurbüro Möhler + Partner innerörtlich grundsätzlich Tempo 30 vorgeschlagen. Vergeblich.

Die Ausschussmitglieder hantierten mit zwei Grenzwerten: den strengeren des Bundesumweltamts und den großzügigeren bayerischen Auslösewerten. Gesundheitsschädlicher Verkehrslärm – zumindest nach den Werten des Bundesumweltamts – belastet momentan 384 Gautinger an den Staatsstraßen im Ort. Nachts leiden noch 312 Personen unter einem schlafraubenden Pegel von 55 dBA, zitierte Rainer Härta vom Gautinger Bauamt aus dem Bericht. Mit einer ganz einfachen Maßnahme könnte man einen spürbaren Effekt erzielen, unterstrich Härta. Stünden an Gautings innerörtlichen Staatsstraßen Tempo 30-Schilder, gebe es statt derzeit 102 Menschen, denen der Lärm nach den höheren bayerischen Werten den Nachtschlaf raubt, nur noch zehn Betroffene.

Das Büro hatte auch den Effekt von Einzelmaßnahmen berechnet. Zum Beispiel am Ortseingang an der Starnberger Straße. Würde der dortige Lärmschutzwall mit einer drei Meter hohen Schallschutzwand ergänzt, wären nach den bayerischen Auslösewerten statt 102 noch 98 Menschen von Lärm betroffen. „Wegen des geringen Effekts für nur vier Personen kann man die teure Wand vergessen“, sagte Härta. „Am meisten brächte an allen stark befahrenen Staatsstraßen im Ort eine Kombination von 30 Prozent weniger Verkehr plus 30er-Limits“, sagte der Bauamtsleiter. Doch leider sei diese simple und kostengünstige Lösung unrealistisch, bedauerte er.

Denn Staatliches Bauamt und Landratsamt lehnen Tempo 30 auf der innerörtlichen Ammerseestraße ab dem Penny-Kreisel bis zur Bahnhofstraße ab. Bauliche Maßnahmen seien verkehrsrechtlichen Anordnungen grundsätzlich vorzuziehen, verlangen die Behörden. Das gelte auch für den Abschnitt mit Kindergarten, Grundschule und Hort, berichtete Härta. „Wegen des Verkehrsflusses seien 50 km/h an den Hauptverkehrsstraßen im Ort zu erhalten“, fordere das Staatliche Bauamt. Es verweise auf die anstehende Sanierung der Münchener und den Ausbau der Ammerseestraße, wo lärmarmer Asphalt verwendet werde. Das werde den innerörtlichen Verkehrslärm in Gauting reduzieren, ist die Behörde überzeugt.

Auch das von Anwohnern, Gemeinde und vom Ingenieurbüro Möhler & Partner gewünschte Lkw-Durchfahrtsverbot lehnen Kreis- und Staatsbehörde rundweg ab. Erst wenn die Königswieser Unterführung als angemessene Lkw-Ausweichroute ausgebaut sei, sei 30er-Limit auf der Ammerseestraße machbar.

„Maßnahmen, die was bringen, sind nicht möglich“, fasste Markus Deschler (FDP) zusammen. „Nun wissen wir, was wir vorher schon wussten.“ Gegen die Stimmen von Christiane Lüst (parteilos) und der beiden Grünen-Räte nahm das Gremium den umfangreichen Lärmaktionsplan des Ingenieurbüros zustimmend zur Kenntnis.

Das sind die Gesichter hinter den Synchronstimmen

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