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Frontales Spiel im Gautin ger Bosco – das 18-köpfige Ensemble des Theaterjugendclubs stellte sich mit „Katzlmacher“ erstmals einem Publikum. 

Theaterjugendclub

Purismus und quälender Mut zur Langsamkeit

Der Theaterjugendclub hat Monate lang geprobt - und glänzte jetzt im Gautinger Bosco mit seinem Debüt.

GautingGewalttätige Ausschreitungen mit ausländer-feindlichem Hintergrund: So würde wohl heute die Zeitungsmeldung lauten. Sie würde die Extremismus-Debatte wahrscheinlich kaum befeuern, haben wir uns doch an die Schlagzeilen längst gewöhnt. Noch dazu gibt es ja nur ein Opfer…

Das Schlimme dabei: Diese Milieustudie zur Entstehung von radikaler Gesinnung ist genau vor 50 Jahren erstmals gezeigt worden. Rainer Werner Fassbinder hat mit seinem zweiten Spielfilm „Katzlmacher“ eine weitsichtige Steilvorlage für heute fabriziert, die nun der Theaterjugendclub im Gautinger Bosco bei seinem Debüt auf die Bühne bringt. Damit ist der Anspruch, den das Theaterforum mit der neuen Jugendgruppe hat, wie ein Markstein in den sonst oft Bauerntheater-geprägten Landkreis gesetzt. Die beiden Spielleiter, Lucie Mackert und Sebastian Hofmüller, sind Vollprofis, die sich ein hochpolitisches und gesellschaftsrelevantes Stück gesucht haben.

Die Nachwehen der NS-Zeit und des Krieges, die Enge der Vorstadt, die Perspektivlosigkeit der Jugend, die Gruppenbildung, die Rangordnungen, die Nähe von Sehnsucht und Liebe zu Frust und Gewalt: All’ das findet in den 1960er Jahren im Stück sein Ventil, als ein griechischer Gastarbeiter zum Feindbild erkoren wird. All’ das kulminiert wiederum in der Analyse, dass der Gastarbeiter eine Umwandlung bringt, wo man doch seinen Frieden haben will. Fassbinder hat schon vor 50 Jahren erkannt, dass es die Angst vor Veränderung ist, die ein Bündnis gegen das Anderssein begünstigt.

Die lähmende, sinnentleerte Tradition hat der Filmemacher mit statischer Kamera eingefangen, in Gauting arbeitet man mit Stille, Frontalspiel, szenischen Aufstellungen und hat einen durchaus auch quälenden Mut zu Langsamkeit. Gegenpol dazu sind die vielen musikalischen Akzente, zum Teil nur sekundenlang, dann wieder einen ganzen Text zerhackend. Hier hat man sich an die Aufführungen des Münchner Volkstheaters von 2016 angelehnt. Während dort aber skurrile Kostüme und Figurennischen an den Wänden für historische und futuristische Abstraktion sorgten, setzt Gauting auf Purismus: ein paar Klötze für die Bühne und Alltagskleidung. Der Verweis auf heute erfolgt zudem bei der Fließbandarbeit, stilisiert unter Discolicht, und bei der Möchtegern-Sängerin im Girlie-Look samt Zickenkrieg.

18 Personen verkörpern die eingeschworene Gruppe, die sich ihre eigenen Zwänge, Regeln und Hierarchien geschaffen hat, mehr oder minder unterschwellig geprägt von Gewalt, unterdrückten Wünschen, Neid, Langeweile. Es gibt im Programmheft keine Zuordnung und keine Hauptrollen. Wie im wahren Leben.

Von Freia Oliv

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