Suely Cramer steht in ihrem Laden, dem Backhaus Cramer.
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Mitten im Vorweihnachtsgeschäft brechen Suely Cramer und ihrem Mann Wigbert zwei Mitarbeiter wegen Kontaktsperren aufgrund des Pandemiegeschehens weg.

Quarantäne und Urlaub

Unerwarteter Corona-Stress: Bäckerei Cramer gehen die Mitarbeiter aus

Dem Gautinger Bio-Bäcker Cramer brechen die Mitarbeiter weg: Zwei müssen plötzlich in Quarantäne, einem dritten war schon lange Urlaub gegeben worden. 

Gauting – Lebensmittelverarbeitende Betriebe sind eigentlich in der glücklichen Lage, den Lockdown mehr oder weniger gut zu überstehen, da sie von Schließungen ausgenommen sind. Den Gautinger Bio-Bäcker Cramer trifft die Pandemie aktuell trotzdem hart: Von heute auf morgen befinden sich zwei Mitarbeiter in Quarantäne, einem dritten war – schon lange geplant – Urlaub gegeben worden. Das Ehepaar Cramer muss den Laden nun ziemlich allein irgendwie schmeißen.

Ehepaar Cramer muss Laden alleine schmeißen - täglich von 6.30 bis 19 Uhr

Die eine Angestellte der Cramers, die sich in Quarantäne befindet, lebt in der Gemeinschaftsunterkunft in Gauting West. Dort war Anfang vergangener Woche ein Bewohner positiv auf Corona getestet worden, sodass die komplette Anlage gesperrt wurde. „Bis zum 7. Dezember darf meine Angestellte nicht mehr arbeiten, muss aber weiter bezahlt werden“, sagt Suely Cramer ein bisschen verzweifelt. Sie steht seit Dienstag allein hinter der Brottheke des Backhauses an der Starnberger Straße. „Täglich von 6.30 bis 19 Uhr.“

Die junge Frau, die aus dem Jemen geflohen ist, hat ihrer Chefin am Dienstag mitgeteilt, dass sie die Anlage ab sofort nicht mehr verlassen dürfe, sonst drohe ihr eine Strafe von bis zu 25 000 Euro. „Dabei hatte meine Angestellte zu dem Infizierten gar keinen Kontakt“, wundert sich Suely Cramer und fühlt sich von den Behörden ein bisschen allein gelassen. Nach Auskunft der Regierung von Oberbayern, die die Flüchtlingsunterkunft betreibt, solle sie schauen, wie sie das Geld für den Arbeitsausfall der Angestellten „vom Land wiederkriege“.

Damit aber nicht genug: Ein anderer Angestellter im Backhaus hatte Kontakt mit einem positiv getesteten Mann und falle ebenfalls aus, bis das Gesundheitsamt Entwarnung gibt. Da sie einem weiteren Mitarbeiter zuvor Urlaub gegeben hat, „fehlen mir nun drei Leute“. Und dies mitten im Weihnachtsgeschäft. „Wir stehen zu zweit an den beiden Gautinger Bio-Backhaus-Standorten Starnberger und Unterbrunner Straße“, erklärt sie. Und Verkaufspersonal sei Mangelware. Deshalb sind die Cramers natürlich froh, dass sie Mitarbeiter aus der Flüchtlingsunterkunft haben.

Trotz eines negativen Test-Ergebnisses: Mitarbeiterin bleibt zu Hause

„Ich bin negativ auf Corona getestet“, betonte die Jemenitin am Sonntag auf Anfrage. Sie kam vor eineinhalb Jahren nach Bayern und spricht bereits fließend Deutsch „auf A-2-Grundlagen-Niveau“, wie sie sagt. Seit einem Monat arbeite sie im Backhaus Cramer, erzählt die 25-Jährige. Drei der vier Bewohnerinnen ihres Abteils, darunter auch sie selbst, wurden bereits negativ getestet. Doch eine Mitbewohnerin warte noch aufs Laborergebnis. So lange muss die gebürtige Brasilianerin Suely Cramer einspringen – und hoffen, dass ihre Mitarbeiter beide schnell grünes Licht vom Gesundheitsamt bekommen.

Christine Cless-Wesle

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