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Unterbrunner Geschichte in Wort und Video

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Hermann Geiger, Unterbrunn.
Sammler Hermann Geiger, Kreisheimatpfleger Gerhard Schober sowie Andreas Heb und Tom Striedl haben das Projekt „Lebendiges Dorfgedächtnis“ ins Leben gerufen. © Andrea Jaksch

„Lebendiges Dorfgedächtnis“ - so nennen vier Unterbrunn das Projekt, das die Geschichte des Ortes und der Orte in ihm bewahren soll. Ziel sind historische Rundwege.

Unterbrunn – Bei der Dult im Garten des Unterbrunner Pfarrhofs wurde am Samstag auch geheiratet, zugleich präsentierten Kreisheimatpfleger Gerhard Schober und Sammler Hermann Geiger am Samstag das mit Feuerwehrler Andreas Heb und Werbedesigner Tom Striedl gemeinsam entwickelte Projekt „Lebendiges Dorfgedächtnis“. An Info-Stelen wird Geschichte für kommende Generationen bewahrt. Der Clou: Über einen QR-Code können künftig Videos abgespielt werden.

Die ersten Tafeln, etwa an der Schule, riefen auch bei Brigitte Graf (l.) und Ingrid Ruhdorfer Erinnerungen wach. Die Tafeln und Stelen sollen um weitere „Kapitel“ erweitert werden.
Die ersten Tafeln, etwa an der Schule, riefen auch bei Brigitte Graf (l.) und Ingrid Ruhdorfer Erinnerungen wach, die sie mit Gerhard Schober austauschten. © Photographer: Andrea Jaksch

Trotz glühender Hitze war ordentlich was los: Am Eingang präsentierte Sammler Hermann Geiger einen sizilianischen Lastenkarren aus dem 18./19. Jahrhundert mit Schnitzereien und kunstvoll gemalten Kampfszenen. Auf der Obstbaumwiese lief die kleine Dult. An einem großformatigen Foto des 1972 abgebrochenen Buger-Hofs tauschten Ingrid Ruhdorfer und Brigitte Graf Erinnerungen aus: „Ich kann mich noch an den Buger-Hof und meine Schulzeit in Unterbrunn erinnern“, sagte Brigitte Graf, Jahrgang 1959. „Vier Klassen hatten da zusammen zwei Räume“ – und wurden von Gerhard Schober unterrichtet. Der längst pensionierte Lehrer, der im Erdgeschoss des denkmalgeschützten Schulhauses wohnt, gesellte sich zu seinen „Ehemaligen“. Dem Kreisheimatpfleger, Verfasser der bebilderten „Siedlungsgeschichte von Unterbrunn und Oberbrunn“, aber auch Hermann Geiger ist das Projekt mit den Infotafeln zu verdanken. „Das Dorf Unterbrunn kann auf eine lange Geschichte zurückblicken und hat sich bis heute viele Traditionen bewahrt“, erläutern die vier Initiatoren ihr gemeinsames Projekt. Legendär sind bekanntlich die Maibaum-Diebstähle der Burschen, aber auch die Faschingsumzüge oder das Seifenkisten-Rennen.

QR-Code bringt Besucher bald zu Videos

Seine dazu gedrehten Videos können über den QR-Code an den Stelen demnächst im Internet abgerufen werden, erläuterte Geiger. Bei der Dult waren die Infotafeln erstmals zu bewundern: Am Eingang zum Pfarrhof ist bereits eine der von der Gemeinde Gauting gestifteten Stelen mit Glaskasten aufgebaut. Dem Pfarrhof, den der Priester und Musiker Gottfried Resl 1913/14 neu errichten ließ, ist eine Info-Tafel gewidmet. Der Walmdach-Bau wirke mit seinen ausgewogenen Proportionen ausgesprochen repräsentativ und vermittle das Bild einer großbürgerlichen Villa, so Schober. Nachdem die Gemeinde den Pfarrhof mit Trauungszimmer 2014 erworben hatte, machte die Verwalterin Angelika Göschl das renovierte Denkmal mit Hochzeitsfeiern und Dulten wieder „lebendig“.

Nachzulesen ist auf einer weiteren Infotafel die Geschichte der romanischen St. Laurentius-Pfarrkirche mit dem prachtvollen Hochaltar mit den spätgotischen Figuren Maria mit Kind. „Seit 1665 wurde in Unterbrunn ohne Unterbrechung Schulunterricht erteilt“, schrieb Schober unters Foto des 1880 errichteten Schulhauses gegenüber vom Pfarrhof. „Erst im Zuge der Landreform von 1979 wurde die Dorfschule aufgelöst.“ Eine weitere Station ist der denkmalgeschützte Zehenstadel, in dem bereits die Bauern ihre Naturalabgaben, „den Zehnten“, an die jeweiligen Herrscher wie die Grafen von Andechs abzuliefern hatten.

Weitere Infotafeln seien an bedeutenden Stätten geplant, zum Beispiel vor dem Feuerwehrhaus, den beiden Wirtshäusern und dem Dorfweiher, schreiben die Initiatoren: So sollen zwei historische Rundwege für Erwachsene und Kinder durch das Dorf entstehen. „Wir wollen die Geschichte greifbar machen“, sagt Heb, Mit-Initiator des Seifenkisten-Rennens. „Es ist ganz wichtig, das Wissen und die Erinnerungen, die Gerhard Schober und ich über all die Jahrzehnte gesammelt haben, rechtzeitig zu bewahren“, ergänzt Geiger, denn: „Die Zeit rast ja nur so dahin.“

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