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Für den Radfahrerstreifen soll von der Grünfläche etwas abgetreten werden. Ein Eigentümer weigert sich.

Verkehrssicherheit in Gauting

Der Verhinderer vom Hörmann-Platz

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Die geplante Ausweisung eines Fahrradschutzstreifens entlang des August-Hörmann-Platzes in Gauting scheitert womöglich an einer fehlenden Unterschrift. Zwangsmittel will die Gemeinde nicht ergreifen.

GautingGauting will das Wegenetz für Fahrradfahrer im Zentrum des Ortes und darüber hinaus ausbauen und verbessern. Das steht weit oben auf der Agenda der Gemeinde. Dazu gehört auch die Anlage von Fahrradschutzstreifen an der Münchener Straße – auch beim August-Hörmann-Platz. Der gehört zu dem Anwesen, das in etwa 40 Wohn- und Gewerbeeinheiten aufgeteilt ist. „Weniger als 100 Quadratmeter“ möchte die Gemeinde von der Wohnungseigentümergemeinschaft (WEG) für den Schutzstreifen erwerben, erklärt Julius Muschaweck, eines der 50 WEG-Mitglieder. Dafür müsste der Randstreifen des Platzes um ein bis eineinhalb Meter nach innen versetzt werden. „Es wird etwas Wiese verloren gehen, aber das wird später niemand mehr bemerken“, sagt Muschaweck.

Mehr als ein Jahr liefen die Verhandlungen. „Zunächst kam aus dem Rathaus ein finanzielles Angebot, das eindeutig zu niedrig war“, sagt Muschaweck. Schließlich haben sich beide Seiten auf einen Preisvorschlag geeinigt, den der Gutachterausschuss des Landkreises unterbreitet hatte. „Der Preis ist fair und marktgerecht“, urteilt der 57-jährige Gautinger. Auch der Rechtsanwalt, dessen Rat die WEG gesucht hatte, empfahl die Annahme des Angebotes.

Die Grundstücksabtretung war spruchreif. Sechs Wochen hatte die WEG Zeit, die Zustimmung der einzelnen Miteigentümer einzuholen. Jeder musste bei einem Notar den Vertrag unterzeichnen. Kein leichtes Unterfangen, berichtet Muschaweck, der seit Bestehen der WEG Vorsitzender des Verwaltungsbeirates ist. Mit Unterstützung der Mitarbeiter der Hausverwaltung und des Notariats – auch Gemeinderätin Ariane Eiglsperger und ihre Ratskollegen sowie Bürgermeisterin Dr. Brigitte Kössinger schickten einen Brief an alle Eigentümer oder griffen zum Telefon – wurden alle Unterschriften beigebracht. Darunter von einem bald 90-Jährigen, der nach langem Krankenhausaufenthalt wieder nach Hause gekommen war, einer Miteigentümerin, die in Hongkong im deutschen Generalkonsulat ihren Namen unter den Vertrag zur Grundabtretung setzte und von einem Ingenieur, der in Dubai von seiner Baustelle aus die Zustimmung gab.

49 WEG-Mitglieder haben unterschrieben. Nur einer nicht. Ein im Finanzwesen tätiger Miteigentümer, der vor noch nicht allzu langer Zeit sich in dem Anwesen am August-Hörmann-Platz eine Wohnung gekauft hat. Den Grund kennt Julius Muschaweck: „Er will mehr Geld haben als die Gemeinde bietet, deshalb unterschreibt er nicht.“ Der Gautinger räumt ein, dass es die freie Entscheidung jedes WEG-Mitglieds ist, zu unterschreiben oder nicht. „So ist die Rechtslage. Aber manches, was legal ist, ist gleichzeitig grundfalsch, dumm und ohne jeden Gemeinsinn. Alle, die hier an einem Strang gezogen haben, müssen sich jetzt von einem Einzelnen vor den Kopf geschlagen fühlen“, urteilt Muschaweck. Er erinnert daran, dass die WEG schon einmal Grund abgetreten hat, als es um die Neuordnung der Einmündung der Buchendorfer auf die Münchener Straße ging: „Da haben wir keinen Cent verlangt, der Umbau war auch für uns von Vorteil.“

Wie geht es jetzt weiter? Wenn sich der Miteigentümer nicht noch anders entscheidet, wird die Gemeinde wohl auf die Anlage eines Fahrradschutzstreifens entlang des August-Hörmann-Platzes verzichten. „Eine Enteignung wäre rechtlich nicht durchsetzbar. Das wollen wir auch nicht“, sagt Rathaussprecher Maximilian Olberding.

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