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Gackernd und scharrend beleben acht Hennen den Garten von Brigitte und Helmut von Kracht – mittlerweile ein einzigartiger Anblick in der Villenkolonie in Gauting. 

Villenkolonie Gauting

So geht‘s auch: Ostereier - frisch vom Huhn

Es ist ein Relikt aus einer längst vergangenen Zeit: In der noblen Villenkolonie in Gauting lebt noch eine kleine Hühnerschar. Brigitte und Helmut von Kracht kümmern sich um die acht Hennen. Gockel „Seppi“ gibt es seit einem Jahr nicht mehr – aus Rücksicht auf die Nachbarn.

Gauting Sonnenlicht durchflutet an diesem kühlen Frühlingsmorgen den großen Garten in der Gautinger Villenkolonie. Dort picken gackernd acht Hennen im Erdreich herum. Unter ihnen sticht das schwarze, grün schimmernde Federkleid von „Schokokoschka“ hervor. „So haben unsere Enkelkinder das Huhn getauft“, erzählt Klavierlehrerin Brigitte von Kracht. Sie und ihr Mann halten die sich acht Hennen.

„Die ganze Familie liebt Hühner“, erzählt Ingenieur Helmut von Kracht (69). Und weil die Großmutter seiner beiden längst erwachsenen Töchter immer sagte: „Wer Kinder hat, braucht unbedingt Hennen“, schaffte Brigitte von Kracht welche an. Ihr ist das Federvieh nicht fremd sie stammt nämlich von einem Bauernhof mit Land- und Gastwirtschaft.

„Das Gackern ist so friedlich wie heile Welt“, erfreut sich Schwägerin Franziska von Kracht am scharrenden Vieh. Sie wohnt auf dem Grundstück nebenan. Und sie hatte auch Freude an dem Gockel „Seppi“. Wenn die Leute in der Früh zur Arbeit Richtung Bahnhof gingen, „krähte der Hahn“, erzählt Helmut von Kracht. Jetzt vermissten manche den Hahn, doch andere Nachbarn habe der Hühner-Mann schon um drei Uhr aus dem Schlaf gerissen.

Helmut von Kracht wirft den Blick zurück: In der Nachkriegszeit seien Hühnerhaltung und Nutzgärten in der Villenkolonie üblich gewesen. „Auch im Park der abgerissenen Pergerina-Villa meiner Tante Erna Haag war ein Hühnergehege“, erinnert sich der Gautinger. Dem bunten Gockel „Seppi“ trauert die Familie schon etwas nach. Denn als er noch in dem Garten lebte, gab es auch noch eine Glucke mit winzigen Küken: „Von den kleinen gelben Wollknäuel waren alle begeistert“, schwärmt Brigitte von Kracht und meint damit auch ihre sechs Enkelkinder. „Jeder erfreut sich an den Hühnern“, erzählt die Klavierlehrerin. „Seppi“ sei immer an die Terrassentür gekommen, und habe durch die Fensterscheibe ihre Schüler beim Üben und Musizieren beobachtet.

Übrig geblieben sind acht Hennen. „Die meisten genießen schon ihr Gnadenbrot“, sagt die Hühnerhalterin. Nur drei legten überhaupt noch Eier: „Manchmal müssen wir den ganzen Garten absuchen, bis wir das Nest finden.“

Bei Einbruch der Dämmerung geht die Stalltür auf

Hühner sind nicht nur ein perfekter Futterverwerter für altes eingeweichtes Brot oder Salatreste, erklärt Helmut von Kracht. Auch die bei Gartenbesitzern gefürchteten Nacktschnecken samt Eiern verzehre das Federvieh. Außerdem liefere deren hinterlassener Mist gleich den Dung für die Beete. Kehrseite der Medaille: Die von Krachts gehen nur mit Clocks in ihren großen Garten, der noch aus der Generation ihrer Großmutter stammt.

Bei Sonnenuntergang kehren die Hühner aus dem offenen Nachbargarten von Franziska von Kracht zurück in ihren Heimatstall. Helmut von Kracht hat das ausgediente Holz-Spielhäuschen seiner beiden Töchter schallisoliert, gedämmt und mit Zeitschaltuhr ausgestattet: „Bei Dämmerung geht automatisch die Tür herunter“ – auch zum Schutz der Hennen vor Mardern und Füchsen.

Kleine weiße Hühner ohne Schwanzfedern gackern munter mit in der Schar. „Die legen grünliche Eier“, erklärt von Kracht – und zeigt in der Schachtel ein noch nie gesehenes blassgrünes Exemplar. „Schon fertig gefärbt für unsere Enkelkinder zu Ostern“, sagt der Großvater lachend.

Von Christine Cless-Wesle

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