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Die Gedenktafel an Ritter von Lama im Rathaus-Foyer.

Er beschäftigt Gautings Lokalpolitiker

Von Nazis ermordet: Gedenken an einen kaum bekannten Widerstandskämpfer aus Gauting

Der Gautinger Friedrich Ritter von Lama wurde vor 75 Jahren von Nazi-Schergen in Stadelheim ermordet. Nun denkt man wieder an ihn. 

Gauting – In Gauting wurde eines Mannes gedacht, der nur noch wenigen Bürgern bekannt ist. In der Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses bat Bürgermeisterin Dr. Brigitte Kössinger die Gemeinderäte um eine Gedenminute für Friedrich Ritter von Lama, der vor 75 Jahren von Nazi-Schergen in Stadelheim ums Leben gebracht wurde. Auch Pfarrer Dr. Ulrich Babinsky erinnerte in seinem Pfarrbrief an den Widerstandskämpfer.

Im Foyer des Gautinger Rathauses erinnert eine Tafel an den katholischen Autor und Journalisten Friedrich von Lama. Der am 4. September 1876 in Salzburg geborene Kämpfer gegen den Nationalsozialismus wurde im Februar 1944 in Stadelheim ermordet. „In unserem Gebet- und Gesangbuch, dem Gotteslob, wird an die Blutzeugen des Erzbistums München und Freising im 20. Jahrhundert erinnert“, schreibt Pfarrer Babinsky. Zu denen zähle auch Ritter von Lama, der ab 1930 mit seiner zweiten Frau in Gauting lebte. Der Pfarrer führt weiter aus: „Ab 1937 war ihm wegen seiner regimekritischen Haltung jede schriftstellerische und journalistische Tätigkeit verboten. Ab 1938 wurde er mehrmals verhaftet und inhaftiert, sowie von der Gestapo überwacht.“ Nach Aussage einer Ärztin wurde der Gautinger in Stadelheim am 9. Februar 1944 ermordet. In aller Stille sei Ritter von Lama auf dem Friedhof in Gauting beigesetzt worden. Beim Sonntagsgottesdienst gedachten die Gläubigen von St. Benedikt des Opfers des Nationalsozialismus – mit einem Gebet „für Presse- und Meinungsfreiheit überall auf der Welt“.

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Doch in Gauting war und ist Ritter von Lama kaum bekannt. Unsere Zeitung schrieb Ende 1970, als ein Opfer des Terrors werde von Lama mit einer Büste im neuen Otto-von-Taube-Gymnasium geehrt. Doch daraus wurde nichts. Bei der Behandlung des Antrags im Gemeinderat am 14. Januar 1971 „kannte kaum jemand den Namen, geschweige denn Lamas Schicksal“, schreibt Ortschronist Karl Mayr.

Professor Helmut Krausnick (Institut für Zeitgeschichte) erarbeitete ein Gutachten: Gegen den „gefährlichen Mitarbeiter der katholischen Aktion“ hatte Heydrich schon 1934 Postüberwachung angeordnet. Vom 21. April bis 25. Oktober 1938 befand sich von Lama in Schutzhaft – wegen „Verbreitung von Greuelnachrichten“, ist in der Ortschronik dokumentiert. Doch das Verfahren „wegen Vorbereitung zum Hochverrat wurde am 9. August 1938 ergebnislos eingestellt“. Lama wurde danach beschuldigt, den „Osservatore Romano“ des Vatikans mit „Nachrichten aus dem kirchlichen und politischen Leben“ der NS-Zeit versorgt zu haben. Am 14. Januar 1944 wurde Lama abermals verhaftet wegen Abhörens „ausländischer Rundfunksender“. Der von der Gestapo als Reaktionär, Legitimist und fanatischer Katholik eingestufte Journalist, der von 1900 bis 1917 in Rom lebte und engen Kontakt zum Heiligen Stuhl hielt, aber auch zu den preußischen und bayerischen Vatikangesandtschaften, „starb am 9. Februar 1944 in Polizeihaft“, resümiert Professor Krausnick.

„Stellvertretend als Ehrung“ für alle Gautinger, die während des Naziregimes Verfolgungen ausgesetzt waren, beschloss der Gemeinderat, eine Gedenktafel in der Eingangshalle des damals neuen Rathauses anbringen zu lassen, gestaltet von Kunstmaler Adolf Meyer.

Christine Cless-Wesle

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