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Alles muss raus: Alexandra Hähr schließt ihr Wäsche- und Dessous-Fachgeschäft an der Gautinger Bahnhofstraße.

Gautinger Geschäftswelt

Ausverkauf in der Wäschetruhe

Gauting - In ihrem unternehmerischen Leben hat Alexandra Hähr einen reichen Schatz an Erfahrungen angesammelt. Ein Beispiel: „Nackt verliert man seine Hülle. Man kommt sich nah – und die weiblichen Gespräche werden intensiver.“ Nach 30 Jahren schließt die Gautingerin  ihr Wäschegeschäft.

 „Totalräumungsverkauf“ ist im Schaufenster der „Wäschetruhe“ an der Gautinger Bahnhofstraße zu lesen. Alexandra Hähr schließt ihr Traditionsgeschäft – nach drei Jahrzehnten. Seit einigen Tagen geben sich die Kundinnen die Klinke in die Hand. 30 Prozent Rabatt auf Alles – das ist verlockend.

„Wir hatten beide eine Leidenschaft für Wäsche“, erinnert sich Alexandra Hähr. Deshalb hat die Gautingerin das einst von ihrer inzwischen verstorbenen Mutter gegründete Traditionsgeschäft vor 22 Jahren übernommen. Traumwandlerisch sicher reicht Alexandra Hähr die passenden Büstenhalter mit der perfekten Körbchengröße in die Kabine. „Bei der Anprobe sollte man einen Pullover oder ein T-Shirt tragen“, empfiehlt die erfahrene Wäsche-Fachfrau. Der BH sollte am Brustkorb eng anliegen. Denn nichts sei peinlicher, als wenn der BH beim Heben der Arme heben über den Busen rutscht.

Die sportliche Frau mit den hellblauen Augen lacht: Als Alexandra Hähr in der „Wäschetruhe“ anfing, war der damals 30-Jährigen beim Verkauf der Dessous die Offenheit ihrer Kundinnen „schwierig.“ Heute hat sie diese Hemmungen nicht mehr. Denn wer die Hüllen fallen lässt, „tauscht sich auf weiblicher Ebene intensiv aus“.

In der „Wäschetruhe“ brummt zum Finale das Geschäft. In der Kabine probiert eine blonde Mittfünfzigerin einen hochwertigen, glänzenden Spitzen-Body ihrer Lieblingsmarke an. „75 C“, wusste Alexandra Hähr sofort und hatte die passende Größe rasch herausgesucht. „Ich trage solche Dessous für meinen Liebsten“, erklärt die schlanke Stammkundin und gesteht: „Wenn man einmal solch raffinierte Unterwäsche im oberen Preissegment trägt, will man nie wieder etwas anderes.“

„Da passt mein Po nicht rein“, bedauert die üppige Mittvierzigerin, die mit dem raffinierten Spitzenslip in Größe 42 nicht zurecht kommt.. Die Kundin kam zufällig zum Räumungsverkauf: Hinter der „Wäschetruhe“ vermutete sie nämlich ihren Online-Shop. Ins Netz seien manche ihrer Kundinnen abgewandert, bedauert Alexandra Hähr. „Das ist traurig: Denn dort wird man nicht beraten. Mir fehlt da die persönliche Ebene.“ Wegen der Online-Konkurrenz gebe sie ihr vor 30 Jahren gegründetes Geschäft aber nicht auf, versichert die 52-Jährige: „Ich will vielmehr meine Träume verwirklichen und etwas Neues anfangen.“ 2017 wird die Geschäftsfrau mit einer Vespa den italienischen Stiefel umrunden.

Die Auszeit kann sich die gebürtige Gautingerin, die mittlerweile in der Nähe ihres Bruders in Landsberg wohnt, auch leisten: Alexandra Hähr ist Erbin der Geschäfts-/Wohnhaus-Immobilie in 1A-Lage an der Gautinger Bahnhofstraße. „Früher hatten meine Großeltern hier ihre Bäckerei mit Kramerladen und Café“, erinnert sie sich. Zur Vorbereitung ihres Traumes hat die 52-Jährige Sprachkurse absolviert und auf Sizilien ein Haus gemietet. Von der „sicheren“ Insel, „dem italienischen Bayern, wo es keine Papagallos gibt“, kommt auch ihr Beschützer. Wie auf Kommando erhebt sich der schwarze Dobermann „Achille“ unterm Ladentisch – und streckt seine langen Läufe.

In der „Wäschetruhe“ war der furchteinflößende Hund als Beschützer mitunter nötig. Denn gelegentlich sind ältere Männer in den Laden gekommen, die Bodys probiert „und mich provoziert haben“, berichtet die Unternehmerin. Auch Herren, die große BHs kaufen, oder Ehemänner, die ihre Frau mit passenden Dessous überraschen, sind unter ihren Stammkunden.

Noch gibt es die Gelegenheit zum Rabatt-Einkauf – bis Heiligabend oder Jahresende. Danach wird die „Wäschetruhe“ vermietet, voraussichtlich an jemanden, der mit Wohnungs-Einrichtung zu tun hat. Mehr verrät Alexandra Hähr noch nicht.

Christine Cless-Wesle

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