Einige der Anwohner aus der betroffenen Nachbarschaft (v.l.): Florian Schade, Angelika Schade, Maria Urban, Birthe Glaser, Markus Henneke, Hossein Soltanmoradi und Klaus Urban.
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Einige der Anwohner aus der betroffenen Nachbarschaft (v.l.): Florian Schade, Angelika Schade, Maria Urban, Birthe Glaser, Markus Henneke, Hossein Soltanmoradi und Klaus Urban.

Auftrag ohne Ankündigung

Risse in der Hauswand: Anwohner von Baustelle vor der Tür überrascht - einige „flüchten“ in den Urlaub

Der Bau des Handwerkerhofs in Gauting wird begrüßt, Anwohner klagen aber über die Arbeiten. Sie seien nicht mal vorgewarnt worden. Einige Häuser haben Risse.

Gauting – Ohne Ankündigung der betroffenen Anwohner an Ahorn- und Ulmenstraße habe der Würmtalzweckverband (WZV) im Auftrag der Gemeinde Gauting den neuen Abwasserkanal für den künftigen Handwerkerhof direkt vor seinem Grundstück gebaut, empört sich der Gautinger Klaus Urban. „Beim Hämmern der kostengünstigeren Variante Kanaldurchschuss“ habe er fünf Wochen lang 115 Dezibel Lärmbelastung ertragen müssen. Zulässig seien 55 Dezibel.

Erschütterungen bei Bauarbeiten in Gauting: Risse im Haus eines Anwohners

Urban zeigt auf die durch die Erschütterungen entstandenen Risse. „Ich bin grundsätzlich nicht gegen den Bau des Gautinger Handwerkerhofs“, betont er. Doch dass Ulmen- und Ahornstraße mitten im Wohngebiet beim Penny-Markt von Mitte Juli bis Mitte August wegen des Abwasserkanalbaus – „ohne Bürgerinformation“ – komplett gesperrt wurden, habe ihn geärgert.

„Fast fünf Wochen hat unser ganzes Haus durch das ständige Gehämmere und Geklopfe für den Kanaldurchschuss vibriert“, sagt Urban. Die Lautstärke hat der Gautinger auf seinem PC gemessen und aufgezeichnet.

Nun habe sich herausgestellt, dass „die Schacht-Ramme“ für notwendige 800er-Abwasser-Rohre in vier Metern Tiefe gar nicht ausreichten. Deshalb werde nun doch herkömmlich mit Bagger mit weniger Lärm ausgehoben. Doch die Arbeiten verzögerten sich.

Bauarbeiten für Handwerkerhof: Anwohner Urban fordert Schadenersatz

Urban ist wegen der andauernden Lärmbelästigung bereits zweimal quasi geflüchtet und mit seiner Frau in Urlaub gefahren. Durch die Vibrationen seien überdies 30 Risse im Mauerwerk seines Eigenheims entstanden, sagt er. Er werde Schadenersatzforderungen geltend machen, kündigt der Gautinger an.

„Da der Kanalquerschnitt nicht vergrößert wurde, können die Anwohner künftig nur hoffen, dass der Kanal die zusätzlichen Abwassermengen des Handwerkerhofes bei Starkregen ohne Rückstaubildung aufnehmen kann“, schreibt Urban in einem Beschwerdebrief an Bürgermeisterin Dr. Brigitte Kössinger. Die verweist jedoch an den WZV.

Baustelle vorübergehend eingestellt: Arbeiten in Gauting verzögern sich

Und der zuständige Abteilungsleiter dort, Josef Mittermayr, betont: „Wir sind seit Beginn der Baustelle Mitte Juli in Kontakt mit dem betroffenen Anwohner.“ Urban habe ihm auch mitgeteilt, dass er ihm seine Urlaubsrechnungen schicke.

In der Tat verzögerten sich allerdings die Kanalbauarbeiten für den Handwerkerhof, räumt Mittermayr ein. „Es gab nicht absehbare, technische Probleme mit dem Kiesboden, der zu dicht gelagert war.“ Die Baufirma sei selbst mit großem Gerät stecken geblieben. Deshalb sei die Baustelle vorübergehend eingestellt worden und werde mit dem Bagger weiter gegraben – auch am Fußweg direkt vor dem Grundstück von Urban.

Zweckverband versteht Unmut der Anwohner

Anwohner würden im Übrigen nur vorab informiert, wenn sie nicht mehr in ihre Garageneinfahrt kämen. Davon sei Urban nicht betroffen gewesen, nur sein Nachbar gegenüber.

Den Zustand des Urban-Hauses habe ein vom WZV beauftragter Gutachter bereits vor Baustellenbeginn dokumentiert. Schäden könnten also bei der Versicherung geltend gemacht werden. Er verstehe den Unmut des Anwohners durch die Lärmbelästigung und die Verzögerung, „aber eine Tiefbaustelle ist eben immer auch ein Abenteuer“.

Probleme bei Starkregen schließt Mittermayr jedoch aus, „im gesamten Versorgungsgebiet haben wir ein Trennsystem in Regen- und Schmutzwasser“. Und für den Handwerkerhof baue die Gemeinde eigens ein Regenrückhaltebecken. Auch Mittermayr sehnt ein Ende herbei: „Ich hoffe, wir sind in den nächsten vier Wochen mit der Baustelle fertig.“

Christine Cless-Wesle

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