Auf der Condrobs-Couch im Wohnzimmer gibt es für Einrichtungsleiterin Sabine Krüger eine Gelegenheit, ganz entspannt mit den Klienten ins Gespräch zu kommen.
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Lockere Atmosphäre: Im Wohnzimmer gibt es für Einrichtungsleiterin Sabine Krüger eine Gelegenheit, ganz entspannt mit den Klienten ins Gespräch zu kommen.

Begegnungsstätte

Wo Süchtige Zuflucht finden: Condrobs-Kontaktstelle in Gauting öffnete vor einem Jahr

Jubiläum in Gauting: In den Räumen der ehemaligen Puerto-Wohngruppe für Flüchtlinge hat der Verein Condrobs vor einem Jahr eine Begegnungsstätte eröffnet.

Gauting – Magnetwirkung hat das Abstrakt-Gemälde mit rostroter Skyline hinter einem wasserblauen Fluss. Das großformatige Bild hängt im gemütlich eingerichteten Besprechungszimmer von Sozialpädagogin Sabine Krüger in der Gautinger Kontakt- und Begegnungsstätte des Vereins Condrobs an der Leutstettener Straße. „Ich habe das für unser Wohnzimmer gemalt“, sagt eine 54-jährige Klientin. Nicht nur für diese Schmerzpatientin ist die vor einem Jahr gegründete Einrichtung für alkohol- oder mehrfach abhängige Menschen „ein zweites Zuhause geworden“.

„Ich bin total begeistert und kann mich hier voll entfalten“, schwärmt die Klientin. Sozialpädagogin Sabine Krüger, die die Condrobs-Kontaktstelle in Gauting leitet, mache ein „Riesenangebot an kreativen Sachen“ – vom Literaturcafé über Tischtennis, Yoga, Kickern, Dart spielen oder gemeinsamem Kochen bis zum Musikhören reicht die Palette. Und beim Essen „sitzen wir zusammen und ratschen ein bisschen“, erzählt die 54-Jährige dankbar.

„Wenn einem danach ist, legt man sich einfach für eine halbe Stunde aufs Sofa.“

Sie fühle sich wie in einer Wohngemeinschaft. „Wenn einem danach ist, legt man sich einfach für eine halbe Stunde aufs Sofa.“ Und Sabine Krüger oder ihre Kolleginnen schauen nach, ob es einem gut geht. „Hier sitzt keiner gelangweilt rum“, freut sich die Klientin. Deshalb fahre sie sogar, „wenn ich irrsinnige Schmerzen habe“ von ihrem Wohnort Berg bis nach Gauting.

Die Einrichtung für Alkoholgefährdete, Alkohol- und mehrfach abhängige Erwachsene hat der Verein Condrobs vor einem Jahr gegründet: In den Räumen der ehemaligen Puerto-Wohngruppe gibt es einen großen Aufenthaltsraum, eine Küche mit Esszimmer, Kreativ-Räume und das gemütliche Wohnzimmer, um sich zurückzuziehen – „auch für ein vertrauliches Gespräch“, sagt Sabine Krüger.

Während des Lockdowns: Keine Schließzeiten und strenges Hygienekonzept

„Corona war für unsere Klienten schwierig.“ Während des Lockdowns hätten alkoholabhängige Menschen starke Krisen und Rückfälle durchlebt oder zu lange auf einen stationären Entgiftungsplatz und Langzeit-Therapie warten müssen. Auch im Condrobs-Treffpunkt habe es mindestens zwei bis drei Klienten mit schweren Rückfällen gegeben. Dabei gab es keine Schließzeiten. Im Haus herrscht ein strenges Hygienekonzept. Die Personenzahl pro Raum ist begrenzt. Manche hatten trotzdem Angst, sich anzustecken. „Vor Corona kamen pro Tag zehn bis 15 Leute. Jetzt sind es nur noch sieben bis acht“, sagt Sabine Krüger.

Beschäftigt sind in dem Haus insgesamt sechs Mitarbeiter, darunter drei Sozialpädagoginnen und ein angehender Genesungsbegleiter, der früher selbst abhängig war. Einen Klienten, der beinamputiert ist, holt der Betreuer sogar zu Hause in Freising ab. Die Angebote im Haus sind freiwillig. „Es ist toll: Seit ich hierherkomme, habe ich eine Tagesstruktur wieder aufgebaut“, berichtet die 54-jährige Klientin. Im Treffpunkt sei immer etwas geboten, sogar ein kleines Konzert gab es. Das war vor einem Jahr. Die Schmerzpatientin hatte bei dieser Gelegenheit ihre Bilder zeigen können.

Christine Cless-Wesle

Kontakt

Condrobs Kontakt- und Begegnungsstätte Gauting, Leutstettener Straße 2, Telefon: (089) 89 74 46 66

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