Neue Trauerkoordinatorin beim Ambulanten Hospizdienst: Christine Wolf teilt die Trauerbegleiter ein und leitet das Trauercafé, das alle zwei Wochen stattfindet.
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Neue Trauerkoordinatorin beim Ambulanten Hospizdienst: Christine Wolf teilt die Trauerbegleiter ein und leitet das Trauercafé, das alle zwei Wochen stattfindet.

Ambulanten Hospizdienst in Gauting

Zuhörerin in schweren Stunden

„Durch Corona wurde das Thema Trauerbegleitung unheimlich wichtig“, sagt Palliativ-Care-Fachkraft Marion Jettenberger, die Einsatzleiterin des Ambulanten Hospizdienstes (AHD) Gauting. Über eine sogenannte Coronahelden-Spende der Spardabank konnte die Hospizbegleiterin Christine Wolf (57) nun zur neuen Trauerkoordinatorin ausgebildet werden. Außer der Einteilung der Trauerbegleiter wird sie ab sofort das „Trauercafé“ leiten.

Gauting - Die Kraillingerin kommt ursprünglich aus Norddeutschland und konnte ihre Eltern von Gauting aus nicht im Sterbeprozess begleiten. Aus dieser Erfahrung heraus hat sie die Ausbildung zur Hospizbegleiterin angetreten. „Ich wollte Menschen an ihrem Lebensende beistehen, die keine Angehörigen vor Ort haben“, so die verheiratete Mutter eines erwachsenen Sohnes.

Als Heidrun Zentgraf die Leitung des zweiwöchigen Trauertreffs in der Pfarrei St. Benedikt aufgab, trat Marion Jettenberger an Christine Wolf heran und fragte nach, ob sie nicht Interesse hätte, diese Treffen weiterzuführen. Trauende Frauen und Männer treffen sich seit 2019 immer am letzten Donnerstagnachmittag eines Monats zum „Trauercafé“ in den Räumen des Ambulanten Hospizdienstes Gauting in der Ammerseestraße 13. „Darüber hinaus bieten wir auch eine persönliche Trauerbegleitung an“, so Christine Wolf. Ein Anruf genüge. Das Angebot wird gerne angenommen. Es tue gut, wenn jemand da sei, der einfach nur zuhöre, weiß die ausgebildete Hospiz- und Trauerbegleiterin. Im ersten Lockdown habe sie zum Beispiel eine trauernde Tochter betreut, die hier im Süden der Republik lebte und sich von ihrer entfernt wohnenden, verstorbenen Mutter nicht verabschieden konnte. „Der Tod ist der Gast, von dem jeder weiß, dass er kommt, aber nicht, wann er kommt“, erinnert Christine Wolf. Die Tochter habe sich in dem Fall hinterher Vorwürfe gemacht, dass sie nicht am Sterbebett ihrer Mutter war. Gespräche mit ihr, in denen Wolf die Rolle der Zuhörerin übernahm, hätten der Frau in ihrer Trauer geholfen. „Aber ich bin keine Therapeutin“, betont die Kraillingerin.

Nicht betroffene Menschen zeigten mitunter kein Verständnis, wenn ein Mensch auch nach zwei Monaten noch um einen geliebten Verstorbenen trauere, weiß die 57-Jährige. Umso wertvoller sei es, jemanden zu haben, der zuhören könne. Auch die erfahrene Gautinger Koordinatorin Marion Jettenberger holte sich schon Hilfe bei der Trauerbegleiterin. Als ihr Hund Maxl infolge eines Verkehrsunfalls gestorben war, suchte sie bei Christine Wolf Trost. Denn viele Patienten kannten Maxl und fragten natürlich immer wieder, wo der Hund denn sei. Und jede Frage löste Trauer aus.

In Corona-Zeiten bietet Christine Wolf Hinterbliebenen auch Einzelgespräche beim Spaziergang an. Mit ihr sind vier weitere Trauerbegleiter im Einsatz. Sie ist sicher, dass der Bedarf mit der Pandemie zunehmen werde. Eine Teilnahme am AHD-Trauercafé, wo sich Trauernde zum Austausch treffen, „und auch schon Freundschaften entstanden sind“, ist wegen der Corona-Einschränkungen aktuell nur nach Anmeldung möglich, unter z (01 76) 50 15 50 64. Das nächste Trauercafé ist für Donnerstag, 25. Februar, ab 15.30 Uhr anberaumt. Christine Cless-Wesle

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